Für die Regierungsbildung: An diesen Fronten muss Angela Merkel überall kämpfen

Andreas Rinke
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)

Punkt 18.00 Uhr zeigt sich, wie die CDU-Spitze und Angela Merkel die herben Unions-Verluste bei der Bundestagswahl überstehen wollen: Ein Trupp Junge-Unions-Anhänger bricht bei der ARD-Prognose von nur 32,5 Prozent für CDU und CSU in Jubel aus — und wiederholt diese überraschende Übung danach bei jeder weiteren Hochrechnung.

Als CDU-Chefin Merkel um 18.49 Uhr selbst auf die Bühne im Konrad-Adenauer-Haus tritt und mit „Angie, Angie“-Rufen empfangen wird, zeigt sich warum: Die Kanzlerin erklärt die Union trotz der Verluste zur Wahlsiegerin, weil das „strategische Ziel“ erreicht worden sei, weiter die Regierung anzuführen. Dass die CDU-Chefin die gesamte Führungsspitze hinter sich versammelt, sollte ein wichtiges Zeichen sein: Auch beim schlechtesten Ergebnis der Union seit 1949 soll nicht der Eindruck einer Führungsdiskussion in der CDU entstehen.

Hinter den Kulissen ist die Stimmung angesichts eines Absturzes von wohl mehr als acht Prozent allerdings wesentlich düsterer. Zwar hatte angesichts der Umfragen der vergangenen Wochen im Konrad-Adenauer-Haus niemand mehr damit gerechnet, die 41,5 Prozent von 2013 erneut erreichen zu können, weil man einen Teil der Stimmen nun wieder an die FDP abgibt.

Aber zum einen verzeichnet die Union vor allem in ihren Stammländern Bayern und Baden-Württemberg sogar zweistellige Verluste — allein die CSU stürzt um fast elf Prozent ab. Und zum anderen zeigen die Analysen von infratest dimap, dass die Verluste eben doch zu einem erheblichen Grund an der Person Merkel selbst zu liegen scheinen. 67 Prozent der ehemaligen Unionswähler gaben danach an, dass Merkel in der Flüchtlingskrise die Interessen der deutschen Bevölkerung vernachlässigt habe. Danach hat die Union mehr als eine Million Wähler an die AfD verloren, vor allem wegen der Flüchtlingspolitik.

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