Für Männer verboten? Statement Festival in Göteborg

Ende August findet im schwedischen Göteborg das Statement Festival statt, eine "cis-männerfreie" Veranstaltung, oder besser gesagt: ein Festival nur für Frauen, Trans- und nicht-binäre Menschen.

Auf die Idee kam die schwedische Humoristin Emma Knyckare eher zufällig, als im vergangenen Sommer Medien über Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe auf mehreren schwedischen Musikfestivals berichteten.

Manche machten den Alkoholkonsum dafür verantwortlich, andere hielten Immigranten für die vermeintlichen Übeltäter. Darüber ärgerte sich Emma Knyckare dermaßen, dass sie, nach ein paar Gläsern Wein etwas beschwippst, einen folgenschweren Tweet absetzte.

"Ich trank ein Glas Wein und fragte mich, was das eigentliche Problem sei. Für fast hundert Prozent der sexuellen Gewalt ist ein Mann verantwortlich. Was, wenn wir also bei einem Festival die cis-Männer einfach außen vor lassen, bis sie gelernt haben, sich zu benehmen? Und genau das twitterte ich, legte mich ins Bett und dachte nicht weiter darüber nach. Denn ich bin eine schwedische Humoristin und sage schnell mal, was ich denke. 

Am nächsten Tag rief die Presse bei mir an, und eine Riesendebatte wurde angestoßen.Nach ein paar Tagen war das Interesse so groß, dass ich mich fragte: Und was, wenn wir es wirklich wagen. Und so kam es tatsächlich dazu. Ich hatte keine Ahnung, wie viel Arbeit dahinter steckt, ein Musikfestival zu organisieren. Nun weiß ich es."

Nicht nur Arbeit steckt dahinter, sondern eine Menge Geld. Emma und ihr Team verfügen über keinerlei Subventionen oder Starthilfe, das Budget wurde kurzerhand im Internet zusammen getrommelt, und zwar in Rekordzeit.

"Wir starteten als Erstes auf Kickstarter eine Crowdfunding-Kampagne. So kam eine halbe Million schwedischer Kronen zusammen, um die gewünschte Location für das Festival in Göteborg zu mieten und Leute vor Ort fürs Catering und Bediecung zu engagieren. Wir hatten mehr als 300.000 Unterstützer, die jeder etwas Geld gaben. So kam das Grundbudget für das Festival zusammen. Inzwischen haben auch Sponsoren, damit finanzieren wir das Festival. Und ich reise viel durch Schweden und werbe für das Festival. Do kommt auch ein bisschen Geld zusammen. Wir tun, was wir können (lacht)!"

Ein Festival ohne cis-Männer, wie lässt sich umsetzen, wie kann man das kontrollieren? Eine lustige Frage, findet Emma Knyckare.

"Wir arbeiten ausschließlich mit Frauen, nicht-binären und Transgender-Personen. Das reicht von den Künstlern übers Catering bis zum Sicherheitspersonal. Das gesamte Areal ist cis-männerfrei. Weil auch Manager und technische Teams kommen werden, wird es einen separaten VIP-Abschnitt geben. Wir haben eine Security-Firma engagiert, mit der wir an einem Zugangsystem arbeiten. Es gibt einen Plan, niemand wird am Eingang befragt werden. Wie genau wir es anstellen werden, darf ich nicht verraten, aber es gibt einen Plan."

Was sagt Emma zu dem Vorwurf, sie diskriminiere Männer, das was sie plane, sei überhaupt nicht legal?

"Das ist es in der Tat nicht und hätte deswegen verboten werden können. Separate Sportveranstaltungen nur für Frauen hingegen sind in Schweden erlaubt. Deswegen haben uns anfangs gesagt, wir sollten das Festival als Sportveranstaltung anmelden, und dann kommen alle und trinken gemeinsam ein Bier. 

Aber dann, sechs Monate nachdem wir das Projekt gestartet hatten, geschah etwas Wunderbares : die #MeToo-Bewegung. Jetzt müssen wir uns und unseren Wunsch, einen sicheren Ort, eine freie Zone zu schaffen, an dem Mann nicht ängstlich über die Schulter schauen muss, nicht mehr rechtfertigen. #MeToo hat die Debatte verändert."

Männer ausgrenzen oder Frauen verstärkt einbeziehen (beispielsweise mit der #Keychange Initiative) - was ist der bessere Weg, um die Gesellschaft zu verändern ?

"Man kann viel machen, um für eine bessere, gerechtere Gesellschaft zu sorgen. Ich weiß nicht, was der beste Weg ist. Ich glaube, Männer müssen jetzt anfangen, daran zu arbeiten. Denn in der #MeToo-Bewegeung gibt es nur Frauen, auf unserem Festival gibt es nur Frauen. Der nächste Schritt liegt in der Hand der Männer. Ich weiß es nicht. Man kann viel machen. Wir machen dieses Festival, und es ist keine Lösung, sondern eine Reaktion auf das Problem."

Der Zuspruch sei enorm, sagt Emma. Es hätten sich schon so viele Musikerinnen gemeldet, dass es kompliziert werde, sie alle während derzwei Festivaltage auftreten zu lassen. Auch das Interesse der Medien sei groß. Allerdings hätten einige Musikmagazine unter vorgehaltener Hand eingestanden, dass sie ertmal die weiblichen Reporter auftreiben müssten, um über das Festival berichten zu können.