Für Gold gab es ein Bügeleisen und einen Eierkocher

Für Gold gab es ein Bügeleisen und einen Eierkocher
Für Gold gab es ein Bügeleisen und einen Eierkocher

Die Ringelsocken waren immer dabei.

Mit dem Gewinn der ersten Goldmedaille der Gastgeber bei den Olympischen Spielen 1972 in München hat sich Heide Ecker-Rosendahl am 31. August ein Denkmal gesetzt - natürlich auch mit ihrem Markenzeichen.

„Der Hersteller aus dem Allgäu hat mir zehn Paar geschenkt“, erzählte die Doppel-Olympiasiegerin Anfang 2022 dem SID: „Dafür wurde extra die alte Nähmaschine aus dem Museum geholt.“

Die 50 rot-weißen Strümpfe von damals hatten nur bis zum Karriereende gereicht.

Nickelbrille, wehendes Haar und natürlich die berühmten Ringelsocken - so stürmte Heide Ecker-Rosendahl 1972 bei den Olympischen Spielen in München in die Herzen der Deutschen. (News: Alle Infos zu Olympia)

Ecker-Rosendahl holt Gold bei Olympia

Am 31.08.1972 holte die damals 25-Jährige mit Gold im Weitsprung die erste westdeutsche Medaille überhaupt beim Heimspiel.

Die Entscheidung in der Sprunggrube wurde zu einem echten Zentimeter-Krimi. Rosendahl sprang gleich im ersten Versuch 6,78 Meter – die spätere Siegesweite.

Zudem überzeugte sie mit einer überragenden Stabilität. Fünf ihrer sechs Versuche landeten im Bereich von 6,69 Meter bis 6,78 Meter.

Und sie hatte im entscheidenden Moment auch das nötige Glück auf ihrer Seite. Im Verlauf des Wettkampfs rückte ihr die Bulgarin Diana Jorgowa bis auf einen Zentimeter nahe. Dabei sollte es aber bleiben.

Kurios: Als olympische Amateurin durfte Heide Rosendahl nur Sachleistungen annehmen: ein Bügeleisen, einen Eierkocher und einen monatlichen Sporthilfe-Scheck für den Metzger.

Ecker-Rosendahl wird zum Star der Spiele

Den meisten bleibt aber ihr legendärer Lauf zum Staffel-Triumph gegen die DDR im Gedächtnis.

Heide Rosendahl, wie sie damals noch hieß, auf den letzten 100 Metern gegen Renate Stecher, damals die schnellste Frau der Welt, BRD gegen die DDR. Großer Sport, große Politik.

„Aber den Gedanken Ost-West hatten wir 1972 gar nicht, ich jedenfalls habe diese politische Dimension nicht gespürt“, sagte Ecker-Rosendahl. Und doch ließ dieser Triumph sie zum Star der Spiele werden. (DATEN: Alle Ergebnisse bei Olympia 2022)

Dabei strahlt für die Mutter des ehemaligen Stabhochspringers Danny Ecker ihr Silber aus dem Fünfkampf noch glänzender. „Vom Herzen her war ich Mehrkämpferin“, sagte sie: „Obwohl es nur Silber wurde, war das der schönste Wettkampf.“

Morddrohung in München

Natürlich hat sie die Schrecken von damals nicht vergessen, das Palästinenser-Attentat auf Israels Olympiamannschaft.

Sie selbst erhielt danach auch eine Morddrohung und zog mit ihrem späteren Ehemann John, einem ehemaligen Basketballer, ins Hotel.

Die Spiele fortzusetzen, hielt sie stets für die richtige Entscheidung: „Ich war für den Kampf auf der Laufbahn - gegen Mord und Totschlag.“

Nur ein Jahr nach München und ihrem Lauf für die Ewigkeit machte Ecker-Rosendahl mit nur 26 Jahren Schluss mit der Leichtathletik.

Ecker-Rosendahl: Karriereende mit 26

„Wir durften mit dem Sport keinen Pfennig Geld verdienen“, sagte sie: „Und ich wollte auch eine Familie gründen.“ Die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse heiratete John, ihre zwei Söhne David und Danny schenkten ihr Enkelkinder.

Der Sportlerin des Jahres von 1970 und 1972 fällt es mittlerweile schwer, Olympia mit Begeisterung zu verfolgen.

„Die heutigen Spiele sind einfach zu groß. Daher will sie auch so gut wie keiner mehr ausrichten, und das IOC ist darauf angewiesen, in zweifelhafte Länder wie China zu gehen“, sagte sie der Sport Bild: „Die nächsten Spiele sind 2024 in Paris und 2026 in Mailand. Danach werden wir hoffentlich wieder wissen, wie man schöne Spiele machen kann.“

-----

Mit Sport-Informations-Dienst (SID)