Ins All mit der Weltraumfirma von Jeff Bezos – für 300.000 US-Dollar

Für Jeff Bezos sind sie der Anfang einer neuen Ära: Touristenflüge ins All. Mit seiner Raketenfirma Blue Origin will der Amazon-Gründer diese neue Ära im kommenden Jahr einleiten. Denn das Unternehmen mit Sitz in der Nähe von Seattle plant, schon bald testweise die ersten Menschen ins All zu schießen.

Um diesen Wendepunkt mitzuerleben, müssen die künftigen Weltraumtouristen allerdings tief ins Portemonnaie greifen. Die Flugtickets für das Raumflugzeug „New Shepard“ werden aller Voraussicht nach zwischen 200.000 und 300.000 US-Dollar kosten, wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider berichtet.

Bisher hat Blue Origin acht Testflüge in Texas absolviert – allerdings ohne Passagiere an Bord. Wenn alles nach Plan läuft, könnte Blue Origin aber schon Anfang nächsten Jahres mit dem Verkauf der Tickets beginnen. Eine Anfrage von Reuters zur Preisstrategie kommentierte Bezos' Raketenfirma nicht. Im Mai hatte der Milliardär gesagt, dass die Ticketpreise noch nicht festgelegt worden seien.

Das Raumflugzeug „New Shepard“ besteht aus einer Trägerrakete und einer abnehmbaren Passagierkapsel. Sechs Touristen kann die Firma damit ins All schießen. Bis zu elf Minuten soll die Reise in der vollautomatisierten Rakete dauern, die mit übergroßen Fenstern und Ledersitzen ausgestattet ist. Mit einem Fallschirm kehrt die Kapsel zur Erde zurück.


Mit seiner Raketenfirma will Bezos die zivile Raumfahrt neben Sattelitendiensten und staatlichen Explorationsprojekten zu einer wichtigen Nische in der globalen Weltraumwirtschaft machen, die mittlerweile mehr als 300 Milliarden US-Dollar pro Jahr umsetzt.

Doch die Konkurrenz ist stark: Neben Bezos, dem reichsten Menschen der Welt mit einem Vermögen von 122 Milliarden US-Dollar, hoffen auch beispielsweise der Milliardär Richard Branson und Tesla-Chef Elon Musk Vorreiter in der zivilen Raumfahrt zu werden.

Im April testete Bransons Firma Virgin Galactic erstmals erfolgreich ihr Raumflugzeug „Unity“, nachdem vier Jahre zuvor der Absturz des Raumflugzeuges „SpaceShip Two“ ein Todesopfer gefordert hatte. Schon bald werden offenbar die ersten Weltraumtouristen mit „Unity“ ins All reisen: Die Firma hat bereits 650 Tickets je 250.000 US-Dollar verkauft, allerdings noch keinen konkreten Start-Zeitpunkt bekanntgegeben.

Und auch der Milliardär Musk will die Menschheit mit seiner Firma Space X in den Weltraum befördern. Anfang des Jahres schoss der Unternehmer testweise die Trägerrakete „Falcon Heavy“ ins All, weitere Starts sind für Ende des Jahres geplant. Musks ultimatives Ziel: Menschen sollen auf anderen Planeten, beispielsweise auf dem Mars, leben können.

Vor Probleme stellen die drei Unternehmer derzeit aber noch die Kosten: Eine Rakete können sie nur einmal einsetzen, sie ist aber teuer in der Produktion. Blue Origin hält die Kosten zwar geheim. Marco Caceres, Luftfahrt-Analyst bei der Teal Group, schätzt jedoch, dass jeder Flug das Raketenunternehmen etwa zehn Millionen US-Dollar kosten dürfte. Selbst wenn die sechs Passagiere von Blue Origin pro Ticket 300.000 US-Dollar zahlen sollten, würde sich die zivile Raumfahrt zunächst als Verlustgeschäft erweisen.

Aus diesem Grund versuchen die drei Raumfahrtunternehmer Raketen zu entwickeln, die sie mehrfach ins All schießen können. Dadurch würden nicht nur die Kosten für Bezos, Branson und Musk sinken. Auch die Ticketpreise würden drastisch fallen – und wer weiß: Vielleicht würde das eine neue Ära in der Mobilitätsgeschichte bedeuten.

Mit Material von Reuters.