Die fünf Verlierer des Eintracht-Aufschwungs

Christopher Michel
·Lesedauer: 4 Min.

Nagte die lange Unentschieden-Serie zusehend am Gemüt der Profis von Eintracht Frankfurt, so ist die Euphorie nach zehn Punkten aus dem vergangenen vier Partien vor dem DFB-Pokal-Spiel bei Bayer Leverkusen inzwischen umso größer. (DFB-Pokal: Bayer Leverkusen - Eintracht Frankfurt, 20.45 Uhr im LIVETICKER)

"Wir haben Zeit gebraucht, bis wir uns gefunden haben", stellte Sportvorstand Fredi Bobic im CHECK24 Doppelpass fest. Trainer Adi Hütter tüftelte einige Wochen, bis er sein aktuelles Idealsystem mit zwei Spielmachern hinter Stürmer André Silva gefunden hat.

Die Folge: Die Frankfurter sind spielerisch stärker, entwickeln mehr Torgefahr, haben insgesamt eine deutlich bessere Balance gefunden, sind schlicht und einfach erfolgreicher und träumen deshalb wieder von Europa. (Ergebnisse und Spielplan DFB-Pokal)

Hütter setzte dabei in den vergangenen Partien vor allem auf einen Stamm aus 13, 14 Spielern, die sich in der Startelf abgewechselt haben. Neben André Silva stachen vor allem Amin Younes, Aymen Barkok, Makoto Hasebe und Djibril Sow heraus.

Doch dann gibt es andererseits Profis, die in den vergangenen Wochen kaum oder gar nicht mehr zum Zug gekommen sind. SPORT1 zeigt die fünf Verlierer beim Eintracht Aufschwung.

Dominik Kohr kommt nicht in Schwung

Rund 8,5 Millionen Euro überwies Eintracht Frankfurt vor Beginn der Saison 2019/20 für Dominik Kohr an Bayer Leverkusen. Der gebürtige Trierer hatte sich nach dem Re-Start im Mai erstmals in der Startelf festgebissen und galt als einer der Gewinner der Vorbereitung.

Doch nach etwas mäßigeren Leistungen war Kohr schnell wieder draußen, selbst gegen seine Ex-Klubs Leverkusen und Augsburg durfte der 26-Jährige nur wenige Minuten mitwirken. "Wir freuen uns, dass Djibril Sow eine gute Entwicklung nimmt und Sebastian Rode jetzt da ist. Da wird es für andere Spieler unangenehmer", sagte Hütter auf Nachfrage von SPORT1.

Für Kohr jedenfalls kann es so nicht weitergehen, rund 255 Einsatzminuten sind zu wenig. Bobic betonte häufiger: "Kein Spieler ist unverkäuflich." Ob bei einem guten Angebot Bewegung in diese Personalie kommt?

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Danny da Costa wollte im Herbst schon weg

Das Verhältnis zwischen Danny da Costa und Hütter ist schon länger angespannt. Es passt nicht mehr zwischen dem Rechtsverteidiger, der nach einer starken Saison 2018/19 zwischenzeitlich leise von der Nationalmannschaft träumte, und dem Eintracht-Trainer.

Nur am ersten Spieltag gegen Bielefeld stand der 27-Jährige in der Startelf, zur Pause wurde er aber ausgewechselt. "Wenn ich einen Spieler zur Halbzeit runternehme, dann muss er grottenschlecht gespielt haben", sagte Hütter damals und löste damit durchaus ein internes Beben aus.

Ein angedachter Wechsel zum FC Schalke 04 scheiterte allerdings, die Zeit bis zur Schließung des Transferfensters war zu knapp. Nach SPORT1-Informationen ist ein Wechsel nach Gelsenkirchen aktuell aber kein Thema mehr. Doch ein Verbleib in Frankfurt, wo da Costa nur noch zwischen Bank und Tribüne pendelt, ist ebenfalls nur schwer vorstellbar.

Hütter hat nach eigenen Angaben zwar "kurz" mit dem Verteidiger gesprochen, doch insgesamt fasste der Coach mit Blick auf die sicherlich unbefriedigende Situation trocken zusammen: "Des einen Freud ist des anderen Leid." An Erik Durm, den der Trainer auf SPORT1-Nachfrage als aktuell "physisch stärksten" Spieler der Eintracht bezeichnete, gibt es derzeit kein Vorbeikommen.

Stefan Ilsanker konnte das Vertrauen nicht rechtfertigen

Hütter begründete die Aufstellung von Stefan Ilsanker vor allem mit dessen Interpretation der Position. Er sei der einzige echte Sechser im Kader. Doch seiner Rolle als "Wellenbrecher" vor der Abwehr wurde der Österreicher nur selten gerecht, nach seinen beiden Patzern bei der 1:2-Niederlage in Wolfsburg machte Hütter den Cut.

Das Spiel der Eintracht hat mit Makoto Hasebe, Sebastian Rode und Djibril Sow im Zentrum insgesamt eine andere Dynamik und Struktur, die Lücken zwischen den Mannschaftsteilen sind nicht mehr so groß. Die Folge: Der Gegner kommt zu weniger Möglichkeiten, zweimal stand die Null auf der richtigen Seite. Auch Ilsanker muss sich daher aktuell hinten anstellen.

Almamy Touré ruft sein Potenzial nicht regelmäßig ab

Die Personalie Almamy Touré lässt Hütter teilweise schier verzweifeln. Wie SPORT1 weiß, kann sich der 50-Jährige die Leistungsschwankungen des Rechtsverteidigers nicht erklären.

Nach zwei starken Partien zu Saisonbeginn baute der Franzose mächtig ab und landete zwischenzeitlich auf der Tribüne. Zuletzt wurde Touré zwar wieder eingewechselt, doch für ihn gilt wie auch für da Costa: An Durm gibt es aktuell kein Vorbeikommen. Und selbst wenn der Weltmeister einmal schwächeln sollte, benötigt Touré die bislang nicht gezeigt Konstanz.

Steven Zuber konnte Kostic-Ausfall nicht für sich nutzen

Die ersten Ansätze waren vielversprechend. Als sich Filip Kostic schwerer am Knie verletzte, war Steven Zuber da und überzeugte vor allem gegen Ex-Klub TSG Hoffenheim mit einer starken Vorlage.

Doch danach konnte der 29-Jährige keine Akzente mehr setzen, sein letzter Startelfeinsatz liegt inzwischen zwei Monate zurück. Möglicherweise kommt er nun im Pokalspiel gegen Leverkusen zum Einsatz, schließlich muss Kostic seine Rotsperre noch absitzen. Doch einen Stammplatz in näherer Zukunft zu erobern? Das wird für das Quintett wohl eher schwierig.