Fünf Themen des Tages: Virus-Blitz, sichere Häfen, Lockdownistas

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(Bloomberg) -- Virus-Blitz aus heiterem Himmel, sichere Häfen gesucht, europäische Aktien brechen ein, Software AG erwägt ihren Verkauf, und Nordea-Analysten gerügt. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

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Virus-Blitz aus heiterem Himmel

Das Umfeld für weitere Aktiengewinne bis Jahresende war günstig - aber dann kam Ny. So dürfte die neue Coronavirus-Variante B.1.1.529 bezeichnet werden, die als besorgniserregend (“variant of concern”) eingestuft wurde und aktuell die Märkte durcheinanderwirbelt. Damit “haben sich die kurzfristigen Indikatoren buchstäblich über Nacht geändert”, sagt Martin Utschneider von Donner & Reuschel. Zumal die Geldverwalter das Covid-Risiko scheinbar verdrängt haben. In der jüngsten BofA-Umfrage unter Fondsmanagern nahm es nur Platz 5 ein. B.1.1.529 weist eine hohe Anzahl von Mutationen in seinem Spike-Protein auf, das eine Schlüsselrolle beim Eindringen des Virus in die Körperzellen spielt. Die Untersuchung der neuen Variante könnte länger dauern, Gewissheit über die Wirksamkeit von BioNTech & Co. auf sich warten lassen.

Sichere Häfen gesucht

Zu den gesuchten Währungen gehört der Franken als traditioneller Fluchtort, aber auch Yen und - erstaunlicherweise - der Euro. Gold hat zugelegt und die Marke von 1.800 Dollar überwunden, was sich nach Ansicht von Eddie van der Walt aber als kurzlebig erweisen könnte. Jüngst sei bei extremem Stress der Dollar der ultimative Zufluchtsort gewesen, und das dürfte auch diesmal wieder der Fall sein, wenn sich der Ausverkauf bei Risikoanlagen verschlimmert, schreibt er. Staatsanleihen legen zu, von heißlaufender Inflation spreche heute niemand, schreibt Michael Read. Ein schnelleres Tapering-Tempo der Fed und frühere Zinserhöhungen in Europa seien vom Tisch, die heute anstehenden Reden von EZB- und BoE-Offiziellen umso wichtiger. Bitcoin gilt übrigens nicht als sicherer Hafen - die Kryptowährung ist heute um rund 7% gefallen.

Europäische Aktien brechen ein

Die europäischen Aktien konnten im Verlauf des Vormittags einen Teil ihrer Verluste wettmachen. Der Stoxx Europe 600 Index lag gegen Mittag noch rund 2,8% im Minus, nachdem er zuvor bis zu 3,7% eingebüßt hatte. Der Kurssturz bedeutete einen Verlust von rund 355 Milliarden Euro an Marktwert, wobei Banken, Reise- und Energietitel an der Spitze standen. Lockdown-Gewinner wie Delivery Hero und HelloFresh sowie (vor der US-Eröffnung) Impfstoffproduzenten wie Pfizer und Moderna zulegten. “Der Risk-Off-Modus wird eindeutig von der Sorge um die neue Covid-Variante angetrieben”, vor allem von ihrem “Immunitätsausweichpotenzial”, sagte Ulrich Urbahn von Berenberg. “Dies dürfte vor allem zyklische Werte belasten, während defensive Werte eine Outperformance erzielen dürften”. Fluggesellschaften, darunter die Lufthansa, gehörten ebenso zu den Hauptverlierern wie der Flugahafenbetreiber Fraport.

Software AG erwägt ihren Verkauf

Die Software AG prüft nach Angaben von Kreisen strategische Optionen, darunter auch einen möglichen Verkauf. Das Darmstädter Softwareunternehmen mit einem Marktwert von 2,8 Milliarden Euro arbeitet mit Beratern zusammen, um das Interesse potenzieller Käufer, einschließlich Private-Equity-Firmen, zu testen, so die Personen. Die Überlegungen befänden sich noch im frühen Stadium, ein Verkauf sei nicht sicher. Der Aktienkurs sprang in der Spitze um bis zu 9,5% auf Xetra und lag gegen Mittag noch um gut 8% im Plus. Laut BI-Analysten wäre angesichts der hohen Bewertungen von Softwareunternehmen jetzt jetzt ein guter Verkaufszeitpunkt. Eine Transaktion würde wahrscheinlich die Zustimmung der Software AG-Stiftung erfordern, die mehr als 30% des Unternehmens hält. Ein Vertreter der Firma wollte sich nicht äußern.

Nordea-Analysten gerügt

Nordea hat ein Analysten-Papier zurückgezogen, in dem Regierungen, die gegen die Covid-19-Pandemie kämpfen, als “Lockdownistas” bezeichnet und die Wirksamkeit von Impfstoffen in Frage gestellt wurden. Die am Sonntag veröffentlichte Analyse mit dem Titel “Nordea weekly: Papers please, and how to trade them!” sorgte auf Twitter für Aufsehen, nachdem ein finnischer Parlamentarier sie kritisiert hatte. Die Debatte zur Eindämmung der Pandemie hätte zu Forderungen wie “sperrt die Ungeimpften ein (oder Schlimmeres)” geführt, heißt es in der Note. Und: “Der Impfstoff ist anscheinend so gut, dass man die Leute dazu zwingen muss, ihn zu nehmen.” Sie bezogen sich in dem Papier darüber hinaus auf die Nürnberger Prozesse gegen Nazigrößen und legten nahe, Booster-Impfungen könnten die Übertragung des Coronavirus erhöhen. Es ist nicht das erste Mal, dass Analysten wegen kontroverser Äußerungen mit ihren Arbeitgebern in Schwierigkeiten geraten.

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