Fünf Themen des Tages: Verschmähtes Frankfurt, AMC-Achterbahn

·Lesedauer: 4 Min.

(Bloomberg) -- Yellen unter Druck, Achterbahn bei AMC, europäische Aktien wenig verändert, Unsicherheit zu Sachsen-Anhalt, und keiner will nach Frankfurt. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Yellen unter Druck

Janet Yellen wird beim G7-Finanzministertreffen in London unter Druck geraten, sich in Richtung eines globalen Steuerabkommens zu bewegen. Bei ihrem ersten Treffen mit den Amtskollegen dürfte die US-Finanzministerin von den Europäern gedrängt werden, gemeinsam den Ausweichbewegungen global agierender Konzerne ein Ende zu bereiten. Die Finanzminister von Deutschland, Frankreich und Italien haben sich im Vorfeld verpflichtet, eine “gemeinsame Position” zu vertreten und wittern Morgenluft im jahrelangen transatlantischen Kampf über die Besteuerung von Digitalkonzernen. Yellens Team spielt die Erwartungen an einen konkreten Fortschritt in diesem Monat hingegen herunter. In einem G-7-Kommuniqué dürfte es kaum gelingen, die vielen Details zu klären, die für die Überbrückung politischer Differenzen nötig sind.

Achterbahn bei AMC

Die Achterbahnfahrt der Aktien von AMC Entertainment nimmt kein Ende in einer Woche, in der sich der Kurs verdoppelte und die Firma die Gunst der Stunde nutzte, mit Aktienverkäufen ihren Schuldenberg abzubauen. Noch vor Monaten war die Kinokette angesichts der Pandemie und der brutalen Konkurrenz durch Streaming-Dienste vom Bankrott bedroht, jetzt ist sie zum Star der Meme-Aktien geworden - Titeln, deren Kursverlauf von den Launen der Internet-Kommunikation getrieben wird. “Meme-Aktien-Investoren brauchen einen volatilen Aktienkurs und die Aktie muss Schlagzeilen machen, denn wenn die Aufmerksamkeit verschwindet, verschwindet auch ihre Investition”, sagte Joachim Klement von Liberum. Die Rallye hat dem Unternehmen diese Woche eine Marktkapitalisierung verliehen, die größer war als die Hälfte der Notierungen im S&P 500.

Europäische Aktien wenig verändert

Europäische Aktien waren am Freitag vor Bekanntgabe der US-Arbeitsmarktdaten für Mai wenig verändert. Der Stoxx Europe 600 Index lag gegen Mittag knapp im Minus, wobei Grundstoff- und Autoaktien zu den am besten abschneidenden Sektoren gehörten. Banken fielen am meisten. Die US-Beschäftigungsdaten vom Freitag könnten Hinweise darauf geben, was die Federal Reserve mit ihrer Politik fortfahren wird. “Es gibt Anzeichen von Erschöpfung im Markt und eine kleine Korrektur könnte gut sein, um die Stärke der Erholung zu testen”, sagte Ignacio Cantos von ATL Capital in Madrid. “Die Liquidität ist da und es gibt keine anderen Alternativen, also sind Aktien der richtige Ort. Aber bis zur nächsten Gewinnsaison könnten wir sicherlich einen Markt sehen, der in einer gewissen Bandbreite handelt.”

Unsicherheit zu Sachsen-Anhalt

Ende Mai schien es, als könne die AfD die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt für sich entscheiden: in einer INSA-Umfrage für die Bild-Zeitung vom 26. Mai lag die Partei mit 26% einen Punkt vor der CDU. Es war die erste und einzige Umfrage, die im Vorfeld der Bundestagswahl im September der von Armin Laschet geführten Partei ein Fiasko im Armenhaus der Republik vorhersagte. Danach war in drei Umfragen Entwarnung. Eine vom ZDF beauftragte Erhebung vom Donnerstag, durchgeführt von FG Wahlen, sieht die CDU mit 30% ganze 7 Punkte vor der AfD. Bis am selben Tag bei Civey, für den Spiegel, die CDU mit 29% und die AfD mit 28% taxiert wurden, was auf einen spannenden Wahlabend hindeutet. Für Laschet steht einiges auf dem Spiel, stellt sich doch die Frage, welche exotischen Farb-Kombinationen - Stichwort: Simbabwe-Koalition - in Sachsen-Anhalt nötig sein werden, um die AfD von der Regierung fern zu halten. Über sonderlich großes öffentliches Interesse konnte sich Laschet bei seiner Wahlkampftour bislang nicht freuen.

Keiner will nach Frankfurt

Trotz Grüner Soße, Mainufer und Äbbelwoi-Wirtschaft: Londoner Händler sträuben sich mit Händen und Füßen dagegen, die City gen Frankfurt zu verlassen. Die EU beharrt darauf, dass in den kommenden Jahren mehr Vermögenswerte, Menschen und Geschäfte aus der Londoner City in den EU-Raum verlagert werden müssen und Frankfurt erweist sich als besonders unbeliebte Destination, wie aus Bloomberg-Interviews mit Bankern und Führungskräften hervorgeht. Zwar haben mehrere Banken, darunter Goldman, JPMorgan und Nomura, ihre EU-Hubs in Mainhattan eingerichtet, einige Nomura-Händler klagten aber bereits, dass sie lieber nach Mailand oder Paris umziehen würden. Und das trotz des unbestreitbaren Vorteils, vom Steinwurf-weit entfernten Flughafen aus schnell wieder weg zu kommen. Immerhin steht Frankfuft nicht ganz alleine da. Als JPMorgan Chase ein Team von etwa 15 in London ansässigen Aktienderivatehändlern bat, nach Paris zu ziehen, entschied sich fast die Hälfte von ihnen, zu kündigen.

More stories like this are available on bloomberg.com

Subscribe now to stay ahead with the most trusted business news source.

©2021 Bloomberg L.P.

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.