Fünf Themen des Tages: Sturmwolken, Tech-Hoffnungen, SNB-Verlust

(Bloomberg) -- Sturmwolken am Horizont, Wall Street glaubt an Big Tech, europäische Aktien steigen, die Energiekrise ist vertagt, und SNB macht Rekordverlust. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Sturmwolken am Horizont

Die Weltwirtschaft scheint in eine schwierigere Phase überzugehen, in der die Zinsen höher, die geopolitischen Spannungen größer und die Unsicherheiten ausgeprägter sein werden. Das war der Tenor der Jahrestagung der American Economic Association. Die Ära der ultraniedrigen Zinssätze und des rasanten chinesischen Wachstums ist vorbei. In der neuen Welt verschärfen sich die Rivalitäten zwischen den USA und China und werden gefährliche Schuldenkrisen eher die Norm. Über ihre kollektive Unfähigkeit, die Inflationsentwicklung nach der Pandemie zutreffend einzuschätzen, sprachen die Großkopferten ihrer Zunft ebenfalls. Larry Summers, der auch da war, erwartet für 2023 “Tumult”, wie er auf Bloomberg TV erklärte. Eine Reihe von Indikatoren, die auf künftig rückläufige US-Anleiherenditen hindeuten, gäben Fehlsignale, so Summers.

Wall Street glaubt an Big Tech

Unverdrossen setzen indes die Tech-Bullen an der Wall Street darauf, dass die Megacap-Aktien der Branche in Kürze zulegen und eine Erholung des S&P 500 einleiten werden. Ihre Hoffnung ruht dabei auf einem baldigen Ende der Fed-Zinserhöhungen. Der S&P 500 verlor zwischen Anfang Dezember und Donnerstag 6,7%, wobei zwei Aktien — Apple und Tesla — für ein Drittel des Rückgangs verantwortlich waren. Die Unternehmen im S&P 500 werden im vierten Quartal laut BI voraussichtlich einen Gewinnrückgang von 2,7% verzeichnen. In Europa sollte man den Tech-Sektor beachten, weil nach dem Ausverkauf des vergangenen Jahres vielerorts Übernahmen wahrscheinlicher geworden sind. Unternehmen wie Atos, Darktrace, Temenos und Deliveroo wurden in einer informellen Bloomberg-Umfrage als potenzielle Übernahmeziele genannt.

Europäische Aktien steigen

Nach ihrer besten Woche seit März bauten die europäischen Aktien ihre Gewinne am Montag weiter aus, beflügelt von der Wiedereröffnung Chinas, einer Entspannung der Energiekrise und Anzeichen einer sich abkühlenden Inflation. Der Stoxx Europe 600 lag gegen Mittag um 0,4% im Plus. Die Sektoren Bau, Bergbau und Finanzdienstleistungen führten den Anstieg an, während Nahrungsmittel und Getränke zurückblieben. Barclays-Strategen um Emmanuel Cau sind der Meinung, dass internationale Aktien, wie Europa und die Schwellenländer, aus Risikogesichtspunkten den US-Aktien vorzuziehen sind. Auch Strategen von Sanford C. Bernstein um Sarah McCarthy gewichten Europa gegenüber den USA über. In Deutschland fielen Henkel nach Analystenkommentaren.

Die Energiekrise ist vertagt

General Winter hat Wladimir Putin im Stich gelassen, zumindest in Mitteleuropa. Die Gasspeicher sind weiter fast voll und die Preise auf Vorkriegsniveau. Dafür haben mildes Wetter, mehr Flüssiggas-Angebot und Bemühungen zur Verringerung der Nachfrage gesorgt. Sollte dies anhalten, würde die Inflation gedämpft, die wirtschaftlichen Aussichten Europas stabilisiert und dem Kreml ein Druckmittel genommen. Eine industrielle Kernschmelze sei vorerst abgewendet worden, erklärte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck jüngst. Vor zu viel Inflationsoptimismus want indes der Chefökonom der EZB. Der Preisdruck im Euroraum dürfte trotz allmählich nachlassender Energiepreise hoch bleiben, so Philip Lane. Eine Verstopfung des Suezkanals — nicht unbedeutend für LNG-Lieferungen — war heute nur von kurzer Dauer.

SNB macht Rekordverlust

Die Schweizer Regierung wird für das Jahr 2022 keine Auszahlung von ihrer Zentralbank erhalten, da die SNB den größten Verlust in ihrer 116-jährigen Geschichte erwartet — etwa 132 Milliarden Franken, mehr als das Fünffache des bisherigen Rekords. Es ist erst das zweite Mal seit der Gründung der SNB im Jahr 1906, dass sie ihre jährlichen Zahlungen an den Bund und die Kantone ausfallen lassen wird. Auch Christoph Rieger von der Commerzbank sieht versiegende oder sich umkehrende Geldströme der Notenbanken an die Regierungen. Die Zinswende im Euroraum dürfte der EZB alleine in diesem Jahr eine Belastung von bis zu 80 Milliarden Euro bescheren, schätzt Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater.

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