Fünf Themen des Tages: Rohstoffe steigen, ESG droht Greenwashing

Rainer Buergin
·Lesedauer: 4 Min.

(Bloomberg) -- Rohstoff-Bonanza dominiert die Märkte, Thyssenkrupp bleibt zunächst beim Stahl, europäische Aktien wenig verändert, bei ESG wächst die Sorge vor Greenwashing, und die Olympiade wird von einer geborenen Olympionikin geführt. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Rohstoff-Bonanza dominiert die Märkte

Die europäischen Märkte stehen im Zeichen der Rohstoffe. Rohöl und Metalle steigen aufgrund von Sorgen über Lieferknappheit und der Hoffnung auf eine schnelle Erholung in den USA und China. Kupfer kletterte um 2,5%, Brent um 1% und damit den fünften Tag in Folge. Der Kälteeinbruch in Texas hat 40% der US-Produktion lahmgelegt und droht, aus einem lokalen Problem einen globalen Versorgungsschock zu machen. Texas hat den Erdgashahn an den Staatsgrenzen zugedreht. Es ist ein außergewöhnlicher Schritt, der von Kritikern als Verfassungsbruch gebrandmarkt wird. Bis Sonntag soll nach dem Wunsch des Gouverneurs kein Gas exportiert werden, um den texanischen Stromerzeugern ausreichende Lieferungen zu garantieren. Millionen von Texanern blieben den dritten Tag in Folge bei eisigen Temperaturen ohne Strom.

Thyssenkrupp bleibt zunächst beim Stahl

Eine Veräußerung des Thyssenkrupp-Stahlgeschäfts an Liberty Steel kommt nicht zustande. Die Gespräche wurden beendet, wie der Essener Konzern am Mittwochabend mitteilte. “Die Vorstellungen über Unternehmenswert und Struktur der Transaktion lagen am Ende doch weit auseinander”, erklärte Finanzvorstand Klaus Keysberg. Thyssen will die Zukunftsfähigkeit seines Stahlgeschäfts nun aus eigener Kraft sicherstellen. Laut Liberty wurden die Verhandlungen “ausgesetzt”, die Tür stehe weiter offen. Ein Festhalten an der Sparte sei vorerst sinnvoll, sagte Christian Obst, Analyst bei der Baader Bank. Während das Stahlgeschäft seit Jahren auf Thyssenkrupp lastet, hat es durch steigende Metallpreise Auftrieb bekommen. Thyssenkrupp fielen nach der Eröffnung um mehr als 6%, erholten sich dann aber schnell und lagen zuletzt im Plus.

Europäische Aktien wenig verändert

Europas Börsen pendelten am Donnerstag zwischen Gewinnen und Verlusten, der Stoxx 600 Europe Index lag gegen Mittag leicht im Minus. Strategen sehen eine Fortsetzung der Aktienrallye in Europa, angeheizt durch den Optimismus, dass Covid-19-Impfstoffe zu einer wirtschaftlichen Erholung beitragen werden. “Der Markt wird durch die große verfügbare Liquidität und den Mangel an attraktiveren Optionen für Investoren gut unterstützt”, sagte Jaime Espejo von Imantia Capital in Madrid. Fortschritte bei den Impfungen in Europa seien ermutigend und sollten ein positives Zeichen für die Erholung von Sektoren wie dem Tourismus sein, fügte er hinzu. In Deutschland gehörten Varta zu den größten Verlierern, nachdem die Guidance des Batterieherstellers als zu schwach bewertet worden war. K+S fielen nach der Mitteilung des Unternehmens, die BaFin lasse die Sonderabschreibung vom November über 2 Milliarden Euro prüfen.

Bei ESG wächst die Sorge vor Greenwashing

Mangelnder Ehrgeiz bei den Umweltzielen der Unternehmen und die Bereitschaft der Investoren, inmitten des ESG-Hypes ein Auge zuzudrücken, drohen die Glaubwürdigkeit des Marktes für nachhaltigkeitsgebundene Anleihen zu untergraben. Bei einer kürzlich abgeschlossenen Finanzierung der britischen Supermarktkette Tesco sei das Emissionsziel bereits weitgehend in trockenen Tüchern gewesen, berichtet Rhys Petheram von Jupiter Asset Management. Charles de Quinsonas von M&G stellt gleichermaßen in Frage, ob der brasilianische Papierhersteller Suzano im vergangenen Jahr ausreichend ehrgeizige Ziele hatte. Unterdessen nähert sich die EZB einer Entscheidung darüber, wie sie den Kauf grüner Anleihen mit ihrem Preisstabilitätsmandat in Einklang bringen will.

Olympiade wird von einer geborenen Olympionikin geführt

Seiko Hashimoto wurde im Oktober 1964 in einer Bauernfamilie auf der japanischen Insel Hokkaido geboren, fünf Tage vor der Eröffnung der letzten Olympischen Sommerspiele in dem Land. Ihr Vater nannte sie nach dem japanischen Wort für das olympische Feuer, Seika. Nun wurde die ehemalige Eisschnellläuferin zur neuen Chefin des Organisationskomitees der Olympischen Spiele in Tokio ernannt. Ihr Vorgänger war nach Sexismusvorwürfen zurückgetreten. Die siebenmalige Olympionikin, die später fünfmal als Mitglied der regierenden Liberaldemokratischen Partei ins Parlament gewählt wurde, wurde am Donnerstag auf den Posten berufen. Die Spiele beginnen in fünf Monaten und Hashimoto hat Maßnahmen gegen das Coronavirus zur obersten Priorität erklärt. Eine ihrer dringlichsten Aufgaben wird es sein, das Vertrauen der Sponsoren zurückzugewinnen.

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