Fünf Themen des Tages: Regelflut in China, Altstar zum Altclub

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(Bloomberg) -- Regelflut in China, Reiche Schuld am Niedrigzins, siebter Rally-Monat, handfeste Inflationssorgen, Altstar zurück zum alten Club.

Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

China vs Private Equity

Chinas Regulierungsbehörden wollen gegen „falsche“ Anbieter von Private Equity Fonds vorgehen. Auch bei Wagniskapital sollen Börsengänge, die als Privatplatzierungen getarnt sind, untersagt werden. Außerdem soll die Unterschlagung von Vermögenswerten gestoppt werden. Die Maßnahmen folgen ähnlichem Vorgehen gegen Anbieter von Onlinekrediten und Versicherungen. Unter Präsident Xi Jinping werden außerdem gerade neue Regeln gegen Monopole und Umweltverschmutzung erlassen sowie zur Anhebung der strategischen Reserven. Noch sind nicht viele Details eines entsprechenden Treffens der Top-Politiker des Landes am Montag bekannt, aber die Richtung ist klar: China will die Wohlstandsschere in seiner Bevölkerung nicht weiter aufgehen lassen. Warum, dafür hilft ein Blick in die Nachbarländer: Singapur hat gerade einen neuen reichsten Unternehmer: Forrest Li, der Mitgründer und Chef von Sea Ltd., ist Dank eines Kursanstieges der Aktien seines Unternehmens um etwa zwei Drittel dieses Jahr nun knapp 20 Mrd. Dollar reich. Li wurde in China geboren und ist inzwischen Staatsbürger von Singapur. Ein weiterer Tech-Milliardär ist Brian Kim, Gründer von Kakao Corp, der jüngst Südkoreas reichste Person wurde.

Reiche schuld an Niedrigzins

Die Federal Reserve beschäftigte sich bei ihrer Jackson Hole Tagung nicht nur mit dem Tapering-Zeitplan, sondern ließ sich auch von Akademikern Input geben. Eine dort gehaltene Präsentation widmete sich der Frage, welcher Trend die Zinsen so dauerhaft nach unten und Assetpreise nach oben treibt. Das Paper von Atif Mian, Ludwig Straub and Amir Sufi stimmt einer oft geäußerten These zu, wonach ein Überhang an Ersparnissen verantwortlich ist. Weniger verbreitet ist jedoch ihre Argumentation, dass dieser Überhang nicht an den vielen Baby-Boomern liegt, also der demografischen Entwicklung zu einer alternden Bevölkerung, sondern an der zunehmenden Ungleichheit. Demnach greifen sich die oberen 10% einen immer größeren Teil des Volkseinkommens. Da sie jedoch weniger konsumieren, geht mehr davon in Ersparnisse, die dann verzweifelt nach Anlagemöglichkeiten suchen. Viel von diesem Geld wird aber nicht produktiv investiert, sondern verwandelt sich in Schulden des Staats und der Geringverdiener. Unschön an dieser Erklärung ist, dass sich diese Entwicklung nicht von selbst auflösen dürfte, wie es die demografische Entwicklung irgendwann tut. Möglicherweise wird sie zu etwas robusteren politischen Maßnahmen führen.

Siebter Rally-Monat auf Zielgerade

Europas Börsen ziehen den dritten Handelstag in Folge leicht an. Im Mittagshandel liegt der Dax 0,7% im Plus. Der Stoxx Europe 600 kam indessen nur 0,3% voran. Für die Wall Street signalisieren die Futures einen Auftakt ebenfalls leicht über den Vortagesständen. Die Weltbörsen haben im August den siebten Monat in Folge zugelegt und damit die stärkste Rally seit 2017/18 hingelegt. Europas Börsen steuern sogar auf den längsten Höhenflug seit 2013 zu. Während starke Zahlen aus der Berichtssaison und die Beschleunigung der Impfkampagnen der Stimmung geholfen haben, überschattet den Markt die Sorge, dass die Corona-Variante Delta die wirtschaftliche Erholung abbremsen könnte. Im Fokus steht der US-Arbeitsmarktbericht für August, der am Freitag vorgelegt wird. Starke Zahlen dürften angesichts der vorsichtigen Gangart der Fed zum Tapering den Anlegerappetit ankurbeln, sagt Analystin Ipek Ozkardeskaya von der Swissquote Bank. Enttäuschende Daten könnten zu Gewinnmitnahmen führen, jedoch nicht zu echten Turbulenzen.

Handfeste Inflationssorgen

Die Inflation in Europa steigt im August auf 3%, den höchsten Stand seit 10 Jahren und mehr, als alle von Bloomberg befragten Analysten erwartet hatten. Deutschland hatte gestern mit 3,4% sogar einen noch höheren Wert ausgewiesen. Hinter den nackten Zahlen steht die Frage, was das für die zukünftige Zinspolitik der EZB bedeutet – aber auch eine Vielzahl von Problemen der Unternehmen. Schließlich sind die steigenden Preise oftmals ein Ausdruck fehlender Teile und Komponenten, ein Risiko gerade für die deutsche Wirtschaft, die die Pandemie bislang bessert gemeistert hat als Volkswirtschaften, die einen höheren Anteil an Wertschöpfung mit Dienstleistungen generieren. Durch die Probleme der globalen Lieferketten fehlen Hightech-Teile wie Computerchips genauso wie Billigprodukte wie Holzpaletten. Thomas Nürnberger, Vertriebschef bei EBM Papst in Mulfingen, fast die Situation so zusammen: „In meiner beruflichen Laufbahn hatte ich noch nie eine Situation, in der so viele Rohstoffe zur gleichen Zeit so knapp waren, und ich kümmere mich seit 1996 um dieselben Materialien. Dies ist die schwierigste Situation bezogen auf das weltweite Angebot, die ich je erlebt habe.“ Bevor es besser wird, dürfte es zunächst noch schlimmer werden, warnt auch Ifo-Chef Clemens Fuest.

Altstar zum alten Club

Der berühmteste Fußballspieler der Welt wird verkauft. Cristiano Ronaldo, den Juventus Turin 2018 für 116 Millionen Euro von Real Madrid gekauft hatte, geht zu Manchester United, dem Club, bei dem er als Teenager zum Star wurde. Die finanziellen Details werden seinem Ruhm nicht gerecht: ManU zahlt 15 Millionen Euro und womöglich nochmal 8 Millionen Euro Erfolgprämien. Juve muss 14 Millionen Euro abschreiben. Ronaldo schoss für Juve in 133 Spielen 101 Tore. Die größte Trophäe im europäischen Vereinsfußball, die Champions League, blieb Juve mit Ronaldo im Kader jedoch verwehrt. In der abgelaufenen Saison wurde die Alte Dame noch nicht einmal italienischer Meister. Im aktuelle Transferfenster haben viele Altstars spektakulär gewechselt – Sergio Ramos verließ Real Madrid, Lionel Messi Barcelona. Der größte Star der abgelaufenen Saison jedoch war keiner, der ständig im Rampenlicht steht: Die Uefa wählte den Italiener Jorginho zum Spieler des Jahres. Der in Brasilien geborenen Mittelfeldspieler gewann mit Chelsea die Champions League und mit Italien die Europameisterschaft. Er war bestimmt kein Schnäppchen, als Chelsea ihn Manchester City vor der Nase wegschnappte, aber mit damals 26 Jahren im besten Fußballeralter. Die erstmalige Verpflichtung von Ronaldo durch ManU für lediglich 19 Millionen Euro im Jahr 2003 war sicher ein Glücksgriff, und auch die 94 Millionen Euro, die Real im Jahre 2009 an ManU auf den Tisch blätterte, zahlte Ronaldo mit insgesamt vier Champions-League-Trophäen zurück. Doch bei diesen Wechseln war Ronaldo 18 bzw. 24 Jahre alt. Heute ist er 36 -- immerhin noch 3 Jahre jünger als Zlatan Ibrahimovic, der mit dem AC Milan gerade italienischer Vizemeister wurde.

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