Fünf Themen des Tages: Novartis-Hort, Sonnen-EV, N26-Rückzieher

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(Bloomberg) -- E-Auto-Startup verdoppelt sich, N26 schrumpft Ambitionen, europäische Aktien wenig verändert, Novartis sitzt auf Rheingold, und Inflationsexpertise macht Karrieren. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

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E-Auto-Startup verdoppelt sich

Ein Münchner Elektroauto-Startup ohne eigene Fabrik und produktionsreifes Fahrzeug hat sich beim Debüt an der Nasdaq gegenüber dem Ausgabepreis mehr als verdoppelt. Am Ende des ersten Handelstages stand ein Plus von 155% an der Tafel für die Firma (Ticker: SEV), die das erste solar-elektrische Fahrzeug der Welt für jedermann auf den Markt bringen will. Durchschnittlich 112 km pro Woche alleine durch Sonnenenergie verspricht Sono für den Sion. Der Boom bei den Elektroauto-Aktien hat sicherlich nicht geschadet. So übertraf die Bewertung des von Amazon und Ford unterstützten EV-Startups Rivian am Dienstag die von Volkswagen. Es ist nun die größte US-Firma ohne Umsatz. Für Sono ist zunächst die drohende Insolvenz abgewendet: “Ja, die Erlöse helfen uns, unser Fortbestehen zu sichern und zusätzliche Investitionen für die Serienproduktion zu tätigen”, gab Gründer und CEO Laurin Hahn zu.

N26 schrumpft Ambitionen

Die deutsche Digitalbank N26 GmbH, die gerade erst auf Augenhöhe mit der Commerzbank bewertet wurde, stellt ihre US-Aktivitäten ein. Sie will sich auf Europa konzentrieren, wo sie in vielen Ländern bereits zu den Marktführern gehört, statt mehr Geld in den hart umkämpfen US-Markt zu pumpen. Im vergangenen Jahr gab sie bereits das britische Geschäft auf. “Wir schärfen vorerst unseren strategischen Fokus auf Europa”, sagte Chief Growth Officer Alexander Weber gegenüber Bloomberg. In der Region sollen mehr Finanzdienstleistungen angeboten werden, etwa im Bereich Geldanlage. Außerdem strebt die Bank in weitere osteuropäische Märkte. Die Bafin hatte die Berliner Bank jüngst dazu verdonnert, Maßnahmen zu ergreifen, “um wieder eine ordnungsgemäße Geschäftsorganisation herzustellen”.

Europäische Aktien wenig verändert

Europäische Aktien notierten stabil in der Nähe eines Rekordstandes, da die Händler den Preisdruck optimistischer einschätzten. Aktien aus dem Reise- und Freizeitsektor gehörten zu den Gewinnern im Stoxx Europe 600, der gegen Mittag leicht im Minus lag. Die weltweiten Aktienmärkte haben Gewinne erzielt angesichts kräftiger Unternehmensgewinne und Signale, dass die Zentralbanken bei Zinserhöhungen geduldig sein werden, selbst wenn die Inflation ansteigt. “Die kurzfristigen Aussichten sind nach wie vor günstig für Aktien und es ist wahrscheinlich, dass die Märkte bis ins neue Jahr hinein steigen werden, unterstützt durch negative Realzinsen, eine hohe Risikoprämie für Aktien und Gelder, die nach positiven Renditen suchen”, schreiben Goldman-Sachs-Strategen unter der Leitung von Peter Oppenheimer. In Deutschland stiegen Covestro nach einer Anhebung bei HSBC. Instone fielen nach einer Prognosesenkung.

Novartis sitzt auf Rheingold

Am Hochrhein, in Basel, sitzt Novartis auf einem Geld-Hort, den Investoren gerne einer sinnvollen Verwendung zugeführt wüssten. Am träge dahinfließenden Strom residiert der Pharma-Konzern in einträchtiger Nachbarschaft mit dem Rivalen Roche, doch mit der Beschaulichkeit dürfte es bald vorbei sein, denn Handeln tut Not. Nach dem Verkauf seines Roche-Anteils für 21 Milliarden Dollar verfügt Novartis über finanzielle Feuerkraft - und könnte sie auf Alnylam Pharmaceuticals richten, wie eingeweihte Personen sagen. Das Biotech-Unternehmen ist an der Börse gut 20 Milliarden Dollar wert. Inzwischen trennt die beiden Arzneimittelhersteller nämlich mehr als nur Vater Rhein. Während Novartis damit zu kämpfen hat, Anleger von seiner Medikamentenpipeline zu überzeugen und Übernahmen zu integrieren, profitiert Roche von einer Rekordzahl potenzieller neuer Therapien in fortgeschrittenen Entwicklungsphasen und starker Nachfrage nach Covid-19-Tests.

Inflationsexpertise macht Karrieren

Nach einem drei Jahrzehnte währenden Winterschlaf stellen steigende Verbraucherpreise die analytischen Fähigkeiten von Vermögensverwaltern und Händlern auf die Probe. Die lange Zeit mit beschaulicher Inflation und niedrigen Zinsen haben die Bewertungen von Aktien und Anleihen befeuert, doch nun könnte eine Zeitenwende bevorstehen. “Es gibt Leute, die die Hälfte oder ein Drittel ihrer Karriere hinter sich haben und noch keine Inflation erlebt haben”, sagt Kim Forrest von Bokeh Capital Partners. Ein Risiko für Aktien besteht darin, dass die Inflation so überraschend und disruptiv ist, dass sie eine plötzliche Änderung der Zinssätze und der Marktpsychologie erzwingt und zu Portfolio-Neubewertungen führt, sagt Michael Shaoul von Marketfield Asset Management. Renditeanstiege an den Anleihemärkten könnten ähnlich wie in den späten 1960er bis frühen 1980er Jahren auf die Aktienmärkte überschwappen und die Stimmung verhageln. “Es gäbe erhebliche Verlierer”.

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