Fünf Themen des Tages: Krisenprofiteur Scholz, China (Korrektur)

·Lesedauer: 4 Min.

(Bloomberg) -- China geht gegen Spielebranche vor, EasyJet will nicht übernommen werden, europäische Aktien fallen, keine höheren Fed-Zinsen vor 2024, und alles was Scholz brauchte, war eine gute Krise. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

China geht gegen Spielebranche vor

In China haben die Technologiewerte den breiteren Aktienmarkt nach unten gezogen. Spielefirmen sind ins Visier der Regulierungsbehörden geraten, die Vertreter von Unternehmen wie Tencent und NetEase vorluden und an ihre sozialen Verpflichtungen und den Schaden erinnerten, der entsteht, wenn man Gewinne in den Vordergrund stellt. Dies sei zwar keine große Überraschung gewesen, “aber die Reaktion zeigt deutlich, wie nervös die Investoren auf regulatorische Nachrichten reagieren”, sagte Matthew Kanterman von BI. Nach dem Treffen sei beschlossen worden, das Genehmigungsverfahren für neue Online-Spiele vorübergehend zu verlangsamen, berichtete die South China Morning Post unter Berufung auf informierte Kreise.

EasyJet will nicht übernommen werden

Informierten Personen zufolge hat EasyJet ein unaufgefordertes Übernahmeangebot des konkurrierenden Billigfliegers Wizz Air abgelehnt. Offiziell hatte EasyJet mitgeteilt, ein Angebot erhalten zu haben, das an Bedingungen geknüpft gewesen sei, nur aus Aktien bestanden habe und mit einer niedrigen Prämie ausgestattet gewesen sei. Der Name des Bieters wurde nicht genannt. Die Avance sei vom Vorstand einstimmig abgelehnt und vom Bieter zurückgezogen worden, so die Airline. EasyJet-Aktien fielen am Donnerstag um bis zu 14%, nachdem die Fluggesellschaft angekündigt hatte, ein Bezugsrechtsangebot und neue Schulden in Höhe von insgesamt umgerechnet rund 1,7 Milliarden Euro zu machen. Das Geld soll EasyJet einen Puffer verschaffen, um die schwache Wintersaison zu überstehen.

Europäische Aktien fallen

Die europäischen Aktien gaben aufgrund von Sorgen über den Wirtschaftsaufschwung den dritten Tag in Folge nach. Der Stoxx 600 Europe Index lag gegen Mittag um 0,4% im Minus, wobei zyklische Sektoren unter Druck standen. Die Titel der Reise- und Freizeitbranche fielen im Zuge der EasyJet-Verluste am stärksten. Bergbauwerte gaben ebenfalls nach. “Die Aktienmärkte stehen weiterhin unter Druck, da die ‘Buy on Dip’-Mentalität nicht einsetzt”, sagte Sebastien Galy von Nordea Fund. “Wir gehen davon aus, dass dieser Abwärtsdruck am Aktienmarkt noch ein paar Tage anhalten wird”. Galy wies darauf hin, dass die Wachstums- und Gewinnerwartungen der Unternehmen im Zuge der Ausbreitung von Covid-19 nach unten korrigiert würden und dass die Wirtschaft aufgrund von Störungen in der Lieferkette einen “Preisschock” erleide. In Deutschland stiegen Merck nach Bekanntgabe neuer Mittelfristziele, die die Erwartungen der Analysten übertrafen. Beiersdorf waren nach einer Goldman-Hochstufung fester, Henkel nach einer Herabstufung leichter.

Keine höheren Fed-Zinsen vor 2024

Selbst in den kommenden gut zwei Jahren könnte es für die US-Notenbank zu früh sein, mit einer Zinserhöhung zu beginnen, meint Anleihen-Bulle Steven Major. “Es ist unwahrscheinlich, dass die Fed die Zinsen in nächster Zeit anheben wird”, sagte Major, der bei HSBC Holdings weltweit für den Bereich Fixed Income Research zuständig ist, gegenüber Bloomberg TV. “Ich würde sogar argumentieren, dass 2023 zu früh ist”. Geldmarkthändler gehen derzeit davon aus, dass die Fed im letzten Quartal 2022 mit einer Zinserhöhung beginnt. Bei der EZB-Sitzung steht heute die Frage im Zentrum, um welchen Betrag die Zentralbank die monatlichen Pandemie-Anleihekäufe von dem derzeit “deutlich höheren” Niveau zurückführen wird. Finanzminister Olaf Scholz fordert unterdessen einen wachsamen Blick auf die Inflation.

Alles was Scholz brauchte, war eine gute Krise

Als SARS-CoV-2 im März 2020 zur Pandmie erklärt wurde, lag die SPD bei Forsa abgeschlagen bei 14%. Als Finanzminister hatte Olaf Scholz ein passendes Sprungbrett zur Popularität, was ihm fehlte war eine gute Krise. So begann er - ohne zu wissen, wann oder warum sie gebraucht werden könnten - mit seinem Team die Prüfung möglicher Maßnahmen, die im Krisenfall eingesetzt werden könnten. So berichten es informierte Kreise. Ein großes, schuldenfinanziertes Programm zur Ankurbelung der Konjunktur und für öffentliche Investitionen würde sein öffentliches Image verbessern. Als die Pandemie Europa erreichte, legte Scholz nur Tage nach dem Lockdown ein Programm vor, das schließlich bis zu 400 Milliarden Euro an finanzieller Unterstützung bereitstellen sollte. Er hatte seine Krise und er hatte eine “Bazooka”, wie er bei der Vorstellung des Pandemie-Hilfsprogramms im März 2020 selbst sagte. Scholz, den seine Partei nicht als Vorsitzenden wollte, war plötzlich im Spiel. Jetzt will ihn mehr als die Hälfte der Deutschen als Kanzler, seine SPD führt in den Umfragen. Die heutige Razzia in seinem Ministerium kommt allerdings alles andere als gelegen.

(Aktualisiert um Korrektur der SCMP im 2. Absatz; Genehmigungen sollen gebremst, nicht eingefroren werden)

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