Fünf Themen des Tages: Konjunkturkratzer und der boomende Scholz

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(Bloomberg) -- Konjunkturkratzer, Kryptoblase, kein Schwung am Markt, physisches Gold und der boomende Scholz. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Konjunkturkratzer durch Delta

Die Delta-Mutation des Virus macht der US-Konjunktur zu schaffen. Wie graphisch in einer Reihe Charts hier dargestellt, sinkt die Zahl der Flugreisenden wieder, genauso wie die der Restaurantbesucher. Außerdem gehen Hotelbelegungsquoten und -preise zurück, ebenso Stellenausschreibungen für manche Jobs, die viel Kontakt mit Menschen mit sich bringen. Auch sind - anders als erhofft - wieder weniger Menschen an ihren Arbeitsplätzen im Büro zu finden. Manches davon mag mit der Ferienzeit zusammenhängen. Ab dem 7. September, wenn Amerika nach dem Labor Day dann wieder aus dem Urlaub zurück ist, wird das als Entschuldigung nicht mehr gelten.

John Paulson sieht Kryptoblase

Seit John Paulson vor mehr als einem Jahrzehnt gegen den US-Immobilienmarkt gewettet hat, gilt er als Legende unter Investoren und wird immer wieder nach seinem nächsten großen Deal gefragt. Mit dem 20-Milliarden-Dollar-Gewinn, den der heute 65-jährige mit Leerverkäufen in der Subprime-Hypothekenkrise erzielte, kann bislang keine Investmentidee konkurrieren. Krypto-Werte wie etwa Bitcoin befänden sich zwar in einer Blase und dürften sich “letztlich als wertlos erweisen”, wie im Bloomberg-TV-Interview sagte. Der Markt sei kurzfristig aber so volatil, dass Leerverkäufe ein Portfolio auslöschen könnten. Während auch Spac-Investments im Durchschnitt enttäuschen dürften, rechnet Paulson mit einem steigenden Goldpreis. Wenn die Inflation anziehte, versuchten die Menschen, sich von festverzinslichen Wertpapieren und Bargeld zu trennen. “Der logische Weg dorthin ist Gold”, so Paulson.

Märkte ohne Schwung

Die Fed-Signale für eine nur vorsichtige und graduelle Rücknahme der Stimulusmaßnahmen bescherten der Wall Street zwar am Freitag einen freundlichen Handelsschluss. Viel Schub in der neuen Handelswoche brachten sie jedoch nicht. Dax und Euro-Stoxx-50 lagen im Montagmittag jeweils rund 0,2% im Plus. Für den Handelsauftakt in New York signalisierten die Futures eine Eröffnung nur minimal über den Niveaus von Freitag. Im Euroraum hat sich indessen erstmals in diesem Jahr das Wirtschaftsvertrauen eingetrübt.

Physisches Gold

Altinvestor Mark Mobius empfiehlt Anlegern, 10% ihrer Portfolios in physischem Gold zu halten. Grund: Währungen dürften nächstes Jahr deutlich abwerten als Folge der nie dagewesenen Konjunkturstimuli als Antwort auf die Pandemie. Unglaubliche Mengen an Geld seien gedruckt worden und es werde eine gute Idee sein, Gold physisch zu besitzen, so dass man schnell darauf zugreifen und der Staat es nicht konfiszieren könne, argumentiert Mobius, der schon jahrelang ein Fan des Edelmetalls ist. Der Goldpreis hatte vor einem Jahr im Zuge der Pandemie ein Rekordhoch erreicht, mit zunehmenden Erfolgen der Impfkampagnen jedoch wieder nachgegeben.

Der boomende Scholz

Er kann Kanzlerin. Das glauben derzeit immer mehr Deutsche über Olaf Scholz. Der Sozialdemokrat bedient sich in seiner Außendarstellung inzwischen großzügig bei seiner Bundeskanzlerin und die Strategie scheint aufzugehen. Auf dem Titelbild des Süddeutsche-Magazins posiert er mit der Merkel-Raute und inszeniert sich als ihr rechtmäßiger Erbe. Als er die Nominierung annahm, lag die Zustimmung für die Union etwa doppelt so hoch wie für die SPD und noch vor wenigen Wochen lag er abgeschlagen hinter Laschet und Baerbock auf Rang drei. Nun führt die SPD in vielen Umfragen. Beim Triell der Kandidaten am Sonntagabend prallten seine Widersacher mit Attacken zu Themen wie Militärausgaben am technokratisch und kompetent wirkenden Scholz ab – genau dass, was die Deutschen von Angela Merkel gewohnt sind. Als Kontinuitäts-Kandidat setzt er darauf, viel von der Linie von Merkel beizubehalten – immerhin ist sie weiterhin die beliebteste Politikerin im Land. Merkels Wahlkampfleitspruch „Sie kennen mich“ aus dem Jahr 2017 soll nun auch für den Vizekanzler funktionieren, wünscht sich Scholz, der anders als die beiden anderen Kandidaten ein solch hohes Amt auf Bundesebene vorweisen kann. Bei den Buchmachern zeigt sich das als komplette Kehrtwende: die Chance von Armin Laschet, Bundeskanzler zu werden, ist innerhalb von einer Woche von 60% auf 48% gefallen. Die von Scholz ist von 33% auf 51% gestiegen.

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