Fünf Themen des Tages: Industrie ächzt, Fonds meiden China

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(Bloomberg) -- Inflationserwartungen steigen, Industrie ächzt, europäische Aktien fallen, schlaues Geld meidet China, und Jamaika bleibt Option. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

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Inflationserwartungen steigen

Die 10-jährige britische Breakeven-Rate - ein marktbasiertes Maß für die erwartete Inflation in Großbritannien in 10 Jahren - ist erstmals seit 2008 über 4% geklettert und liegt damit doppelt so hoch wie das Ziel der Notenbank. Die Renditen 10- und 30-jähriger US-Staatsanleihen erreichten den höchsten Stand seit Juni. Neben der besser als erwarteten Konjunktur im Dienstleistungssektor der USA ist es der Preisdruck durch steigende Kosten für Rohöl und Erdgas, der für eine Straffung der US-Geldpolitik spricht. Für den Euroraum sieht EZB-Ratsmitglied Mario Centeno hingegen Anzeichen für ein Nachlassen der wirtschaftlichen Dynamik. Die Inflation werde sich im kommenden Jahr verlangsamen, sobald Basiseffekte und Angebotsengpässe nachlassen, so der Portugiese. Die deutsche 10-jährige Breakeven-Rate liegt bei 1,8%.

Industrie ächzt

Die Energiekrise hat die europäische Industrie an ihre Belastungsgrenze geführt. Die Strom- und Gaspreise erreichen fast täglich neue Rekorde, und einige energieintensive Unternehmen haben den Betrieb vorübergehend eingestellt, weil die Produktion zu teuer geworden ist. Wenn im Winter die Heizungen aufgedreht werden, dürfte sich die Lage weiter verschärfen. Der sachsen-anhaltinische Ammoniakhersteller SKW Stickstoffwerke Piesteritz, der jährlich so viel Erdgas verbraucht wie 50.000 Haushalte, wird wegen steigender Kosten die Produktion um 20% herunterfahren. Zu höheren Preisen kommen Materialengpässe und Lieferverzögerungen. Die Auftragseingänge in der deutschen Industrie sind im August um 7,7% eingebrochen und haben damit alle Prognosen einer Bloomberg-Umfrage übertroffen.

Europäische Aktien fallen

Die europäischen Börsen brachen am Mittwoch ein, da die Anleger befürchteten, dass der Anstieg der Anleiherenditen die wirtschaftliche Erholung behindern und die teuren Sektoren des Aktienmarktes belasten könnte. Der Stoxx Europe 600 Index lag gegen Mittag rund 2% im Minus. Der Technologiesektor - einer der Sektoren, der als besonders zinsempfindlich gilt - gehörte zu den größten Verlierern. “Wir haben in letzter Zeit etwas Geld aus Aktien abgezogen und es in langfristige Anleihen investiert, um uns abzusichern”, sagte Altaf Kassam von State Street Global Advisors gegenüber Bloomberg TV. “Es ist nicht so, dass wir Aktien generell negativ gegenüberstehen, aber wir sind der Meinung, dass es sich lohnt, ein wenig Risiko vom Tisch zu nehmen.” In Deutschland fiel die Aktie der Adler Group bis zu 22% nach einem Bericht des Leerverkäufers Viceroy, der vor Anschuldigungen strotzt. Grenke sackten nach Analysten-Herabstufungen ab.

Schlaues Geld meidet China

Westliche Investoren ziehen sich aus chinesischen Unternehmen zurück und machen Politik und Unsicherheit für ihre Abkehr vom zweitgrößten Markt der Welt verantwortlich. Am Dienstag äußerten sich Vertreter von Man Group, Soros Fund Management und Elliott Management besorgt über die Aussichten für chinesische Aktien, die in New York und in Asien gehandelt werden. Die 59 Milliarden Dollar schwere Investmentfirma Marshall Wace hatte Wochen zuvor gesagt, einige dieser Unternehmen seien “uninvestierbar” geworden. Singapurs Staatsfonds GIC passt sein Portfolio an. Mit Fantasia Holdings Group ist in der chinesischen Immobilienbranche erstmals seit Ausbruch der China-Evergrande-Krise eine Dollar-Anleihe ausgefallen. Der im Juli letzten Jahres offiziell eingeführte Hang Seng Tech Index fiel unterdessen auf ein neues Rekordtief.

Jamaika bleibt Option

Die Grünen wollen erwartungsgemäß in Sondierungen mit ihrem Lieblingspartner SPD sowie der FDP eintreten, dabei aber nicht die Tür für ein Jamaika-Bündnis mit der Union zuschlagen. Laut Grünen-Chef Robert Habeck handelt es sich bei der Priorisierung der Gespräche nicht um eine “Komplettabsage” an eine solche Allianz. Man sei insbesondere in der Gesellschaftspolitik eben näher an der SPD. Die FDP wird laut Parteichef Christian Lindner mit SPD und Grünen am Donnerstag zunächst über eine Ampel reden. “Wir entscheiden jeweils Schritt für Schritt” sagte Lindner gegenüber Journalisten auf die Frage, ob nach den Ampel-Sondierungen über eine mögliche Jamaika-Koalition verhandelt würde. Parallelgespräche werde es nicht geben, so Lindner.

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