Fünf Themen des Tages: Homeoffice des Grauens, Robotermenschen

(Bloomberg) -- Homeoffice des Grauens, Robotermenschen, ruhige Börsen, Dax-Umbau, Börsenbarometer zurück in die Zukunft und Dünger-Verkauf. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Feiertags-Homeoffice des Grauens

Einmal vertippt und weg waren 300 Milliarden Euro Börsenwert - zeitweise. Der “Flashcrash”, der Anfang Mai zuerst am Stockholmer Aktienmarkt zu einem Kurssturz führte, beruhte informierten Kreisen zufolge auf dem Vertipper eines Händlers der Citigroup in London, der am Bankfeiertag nicht frei hatte und von Zuhause aus arbeitete. Die Null, die er bei der Eingabe eines Trades zu viel eingab, dürfte die Bank nun, wie zu hören ist, mindestens 50 Millionen Dollar gekostet haben. Der Mitarbeiter sei beurlaubt. Noch deutlich teurer kam die US-Bank ein Missgeschick im August 2020, als sie irrtümlich mehr als 500 Millionen Dollar an Kreditgeber des angeschlagenen Kosmetikkonzerns Revlon überwies, anstatt nur eine Zinszahlung. Ein Gericht entschied, dass die Gläubiger den Geldsegen behalten dürfen. Citigroup ist nach einem Rüffel der US-Aufsicht noch immer dabei, die internen Sicherheitssysteme zu überarbeiten.

Robotermenschen

Der Robotermensch von Tesla, ein Prototyp des “Optimus”, könnte bereits Ende September vorgestellt werden, twitterte der Konzernchef. Dafür verschiebt Elon Musks extra einen geplanten Informationstag zum Thema künstliche Intelligenz. Nach seinen Vorstellungen wird das Produkt irgendwann in der Lage sein, Menschen langweilige oder gefährliche Aufgaben abzunehmen, oder auch den Einkauf. Der Tesla Bot könnte irgendwann bedeutender werden als das Fahrzeuggeschäft, so Musk.

Ein wichtiger Ansatz für die Entwicklung von “Optimus” war Musks Erwartung, dass Arbeitskräfte in den USA irgendwann knapp werden. Bei Tesla selbst scheint kurzfristig das Gegenteil der Fall zu sein: Musk dränge auf einen Stellenabbau von 10%, wegen seines “superschlechten Gefühls” zu den Konjunkturaussichten, berichtet Reuters. Zunächst verhängte er einen Einstellungsstopp. Ob der reichste Mann der Welt für seine Roboter eigene Homeoffice-Regeln erlassen wird, oder ob er ihnen die Fähigkeit mitgeben wird, nur so zu tun, als ob sie arbeiten, ist dagegen noch nicht überliefert.

Börsen ruhig

Angesichts des erneuten Börsenfeiertags in London bewegen sich die europäischen Aktienmärkte am Freitag wenig. Im Mittagshandel lag der Dax 0,3% im Plus. Für den Stoxx Europe 600 ging es 0,2% voran, wobei Chemie- und Konsumwerte zu den Gewinnern zählten. Die größten Einbußen gab es im Branchenmix bei Automobilwerten. Die Aktie des Zulieferers Faurecia fiel angesichts einer Bezugsrechtsemission. In Frankfurt sackten die Titel des Softwarespezialisten CompuGroup zeitweise fast 9% ab, nachdem Meinungsverschiedenheiten zur Konzernstrategie zum Abgang des CEO geführt haben. Für den Handelsstart an der Wall Street signalisiert der Terminmarkt beim S&P 500 einen Verlust von 0,3%. Stimmungsdämpfend wirkte der erwähnte Bericht über Musks Konjunktursorgen. Bei den US-Arbeitsmarktdaten für Mai erwartet Bloomberg Economics am Nachmittag den geringsten Stellenaufbau seit April 2021.

Zweiter Versuch

Manchmal ist es gut, wenn etwas nicht im ersten Anlauf klappt. So geschehen bei der OMV-Tochter Borealis AG. Die wollte ihre Stickstoffsparte an EuroChem verkaufen, für 455 Millionen Euro. Doch Andrej Melnitschenko, einer der reichsten Russen der Welt, der unter anderem EuroChem kontrolliert, wurde als Folge des Einmarschs Russlands in der Ukraine sanktioniert und der Deal kam nicht zustande. Daher verkauft Borealis nun an das Chemie- und Düngemittelkonglomerat Agrofert AS – und zwar für 810 Millionen Euro. Steigende Düngerpreise machen’s möglich.

Agrofert wurde seinerseits vom ehemaligen tschechischen Premierminister und Milliardär Andrej Babis gegründet und stand wegen EU-Geldern, die das Unternehmen während seiner Amtszeit erhalten hatte, im Mittelpunkt rechtlicher und politischer Untersuchungen. Babis gab seine Anteile an dem Unternehmen 2017 in Treuhandfonds – diese werden jedoch von seiner Familie und seinen Anwälten kontrolliert.

Dax zurück in die Zukunft?

Delivery Hero SE steht kurz davor, wieder aus dem Dax abzusteigen, nicht mal zwei Jahre nach ihrem Aufstieg in die erste deutsche Börsenliga. Jungunternehmen wären dann im Frankfurter Leitindex wieder etwas weniger repräsentiert – doch genau darauf hatte die Deutsche Börse gesetzt, als das Barometer auf 40 Werte aufgestockt wurde. Jetzt kommt womöglich die Beiersdorf AG zurück. Der Platz von HelloFresh sei ebenfalls nicht sicher und aus der zweiten Reihe dränge die Rheinmetall AG nach oben, sagen Beobachter. Nochmal mehr Old Economy und weniger Wachstumstitel. Doch die Kriterien – streubesitzgewichteter Börsenwert und Handelsumsatz – sind unbestechlich. Die Änderungen werden am späten Freitag bekannt gegeben und treten am 20. Juni in Kraft.

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