Fünf Themen des Tages: Heiße Wirtschaft, verhasster Negativzins

Rainer Buergin
·Lesedauer: 4 Min.

(Bloomberg) -- Buffet sieht heißlaufende Wirtschaft, Intel warnt vor Chip-Engpässen über Jahre, europäische Aktien geben Gewinne ab, Dänemark zeigt Grenzen negativer Zinsen und Energiewende bedeutet Landfraß. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Buffet sieht heißlaufende Wirtschaft

Warren Buffetts Urteil über den Zustand der sich von der Pandemie erholenden US-Wirtschaft ist eindeutig: sie überhitzt. “Es ist fast ein Kaufrausch”, sagte der Chef von Berkshire Hathaway während der virtuellen Jahresversammlung. “Die Leute haben Geld in der Tasche und sie zahlen höhere Preise”, sagte er. Buffett führte die schneller als erwartete Erholung auf das entschlossene Handeln von Notenbank und Regierung in den USA zurück. Als Resultat gebe es jetzt mehr Inflation, als die Leute vor sechs Monaten erwartet hätten, sagte er. Ein Aktionärsantrag, der auf die Verbesserung der Transparenz in Bezug auf die Bekämpfung des Klimawandels abzielte, wurde von der Versammlung abgelehnt. Buffett hatte die Erstellung umfangreicher Berichte über Diversität und Klima für seine Geschäftsbereiche als “idiotisch” bezeichnet.

Intel warnt vor mehrjährigen Chip-Engpässen

Die weltweite Knappheit bei Halbleitern wird wahrscheinlich erst in ein paar Jahren behoben sein, prognostiziert Pat Gelsinger, der neue CEO von Intel. Intel baue einige Fabriken um, um die Produktion zu erhöhen und dem Mangel in der Autoindustrie zu begegnen, sagte Gelsinger in einem Interview mit CBS News. Es könne mindestens einige Monate dauern, bis sich die Versorgungslage entspanne und es werde “ein paar Jahre” dauern, bis das Angebot mit der steigenden Nachfrage in ganzer Breite gleichgezogen habe. VW-Markenchef Ralf Brandstätter rechnet unterdessen damit, dass die Knappheit die Produktion von Fahrzeugen in den kommenden Monaten niedrig halten wird. Derzeit sei die Produktion von Elektroautos aber nicht betroffen, sagte Brandstätter in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur.

Europäische Aktien geben Gewinne ab

Die europäischen Aktien haben im Verlauf des Vormittags ihre Gewinne von bis zu 0,6% wieder abgegeben. Gegen Mittag lag der Stoxx 600 Index leicht im Minus, während Gold zulegte. Zum Handelsbeginn in dieser Woche steht die Inflation weiterhin im Vordergrund der Diskussion unter Anlegern. Die jüngsten US-Preisdaten nähren Spekulationen, dass die Zentralbanken beginnen könnten, ihre Unterstützung durch die Reduzierung von Anlagenkäufen zurückzunehmen. “Die Zinssätze werden in Zukunft eher von den Erwartungen über das Tapering der Fed als von der Inflation geleitet werden”, sagte Raffaele Bertoni von Gulf Investment gegenüber Bloomberg Television. In Deutschland konnten Siemens Healthineers nach Vorlage von Zahlen ihre Gewinne nicht halten, lagen zuletzt aber im Plus.

Dänemark zeigt Grenzen negativer Zinsen

Im Land mit der längsten Geschichte von Negativzinsen spielt sich ein Kampf zwischen Banken und der Regierung ab, der zeigen könnte, dass die Grenzen von Negativzinsen nicht monetär, sondern politisch sind. Die Geschäftsbanken mussten dort seit 2012 negative Zinsen verkraften und begannen 2019 damit, privaten Einlegern Teile der Kosten aufzubürden. Als letzte Woche Danske Bank beschloss, den Freibetrag auf umgerechnet rund 13.500 Euro mehr als zu halbieren und 0,6% Zinsen auf darüber hinausgehende Einlagen zu erheben, griff die Regierung zur verbalen Intervention. Der zuständige sozialdemokratische Minister prangerte über die sozialen Medien die “Gier” der Banker an. Der Bankenverband des Landes und die Zentralbank haben sich gegen diese Einflussnahme gestellt. Noch hat die Regierung nicht gehandelt.

Energiewende bedeutet Landfraß

Die von US-Präsident Joe Biden versprochene Halbierung der Treibhausgasemissionen der USA bis 2030 frisst eine enorme Menge an Land. Windparks, Solaranlagen und andere Formen sauberer Energie benötigen pro Watt weitaus mehr Platz als ihre mit fossilen Brennstoffen betriebenen Geschwister. Ein 200-Megawatt-Windpark zum Beispiel benötigt Windräder, die sich über 49 Quadratkilometer verteilen. Ein Erdgaskraftwerk mit der gleichen Leistung benötigt einen einzigen Häuserblock an Platz. Der Ausbau von Wind- und Solarenergie um jährlich 10% bis 2030 erfordert eine Landfläche, die der Größe des Bundesstaates South Dakota entspricht. Bis 2050, wenn die gesamte Wirtschaft kohlenstofffrei laufen soll, werden die USA bis zu vier weitere South Dakotas benötigen, um genug sauberen Strom bereitzustellen.

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