Fünf Themen des Tages: Höllenhund mag Commerzbank, Eisen bricht

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(Bloomberg) -- Höllenhund mag Commerzbank, Eisen bricht, europäische Aktien steigen, Jobkiller Elektroauto, und bitte keine falsche Tech-Bescheidenheit. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

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Höllenhund mag Commerzbank

Der US-Finanzinvestor Cerberus - Wächter über den Zugang zum Totenreich in der griechischen Mythologie - erwägt laut Handelsblatt, den 15,6%-Anteils des Bundes an der Commerzbank zu erwerben. Die Parteien einer möglichen Jamaica-Koalition nach der Bundestagswahl - Union, Grüne und FDP - seien potenziell offen für einen Verkauf, berichtet die Zeitung unter Berufung auf informierte Kreise. Mehr Schwierigkeiten seien indes bei einer Beteiligung der Sozialdemokraten an der Regierung zu erwarten. Cerberus und Commerzbank wollten sich gegenüber Bloomberg hierzu nicht äußern, im Finanzministerium wurde kein Cerberus-Interesse registriert. Der Investor hält derzeit etwa 5% der Aktien und musste seit dem Einstieg vor mehr als vier Jahren zusehen, wie sich der Wert in etwa halbierte. Heute lag die Aktie um bis zu 4,8% im Plus.

Eisen bricht

Der Eisenerz-Preis hat sich seit einem Höchststand im Mai mehr als halbiert und droht nun auf unter 100 Dollar je Tonne zu sinken. Chinas Maßnahmen zur Säuberung des Industriesektors haben zu dem heftigen Einbruch entscheidend beigetragen, begleitet von einem starken Abschwung im Immobiliensektor des Landes. Eisenerz ist damit ein Ausreißer in einem allgemeinen Rohstoffboom, etwa bei Aluminium, Gas und Kohle. Der Preisverfall gibt einerseits den Stahlproduzenten Entlastung, ist aber ein Rückschlag für Bergbauunternehmen. Unterdessen legen die Erdgaspreise in Europa nach einer Verschnaufpause am Donnerstag wieder zu. Vor dem Winter müssen die Speicher dringend aufgefüllt werden, aber Flüssiggas geht prioritär nach Asien. Und eine US-LNG-Anlage ist nach Sturmschäden und Stromausfällen weiterhin außer Betrieb.

Europäische Aktien drehen ins Minus

Nach einem freundlichen Handelsstart wuchs an Europas Börsen im Laufe des Vormittags das Verkaufsinteresse. Im Mittagshandel drehten Dax und Euro-Stoxx-50 ins Minus. In Frankfurt war die Aktie der Commerzbank gesucht. Biotest stiegen nach einem Übernahmeangebot, Sixt nach einer Kurszielanhebung bei Warburg. Am stärksten unter Druck standen am europäischen Markt die Rohstoffwerte angesichts des Preisrückgangs bei Eisenerz. “Die Anleger sollten sich darauf einstellen, dass die Erträge in den nächsten fünf Jahren wahrscheinlich gedämpfter ausfallen werden als in den letzten fünf Jahren”, sagte Jim McDonald von Northern Trust Bank.

Jobkiller Elektroauto

Renault plant die Streichung von 2.000 weiteren Arbeitsplätzen und gleichzeitig die Produktion neun neuer Modelle in Frankreich - darunter ein elektrischer R5. Das Unternehmen ist in Gesprächen mit den Gewerkschaften, um zwischen 2022 und 2024 1.600 technische und 400 unterstützende Stellen zu streichen. Zwar sollen im gleichen Zeitraum in den Bereichen IT und Batteriechemie 2.500 neue Mitarbeiter eingestellt werden, aber der Trend zeigt südwärts. Im vergangenen Jahr kündigte der Autobauer an, weltweit etwa 14.600 Arbeitsplätze zu streichen - darunter 4.600 oder etwa 10% der französischen Belegschaft. Da der französische Staat der größte Anteilseigner ist, muss Renault zudem vorsichtig agieren. Die Gewerkschaft CFDT hat Garantien verlangt, dass jährlich 750.000 Fahrzeuge in Frankreich hergestellt und keine Standorte geschlossen werden.

Bitte keine falsche Tech-Bescheidenheit

Das Lamento über die digitale Rückständigkeit Deutschlands ist allgegenwärtig und die vermeintliche nationale Großbaustelle nicht wegzudenken aus den öffentlichen Einlassungen der Kanzlerkandidaten. Aber was ist wirklich dran? Bloomberg-Kolumnist Leonid Bershidsky hält “Deutschlands offensichtliche Technikscham” für ein großes Rätsel. Ja, die börsennotierten deutschen Tech-Unternehmen seien mit einer Marktkapitalisierung von insgesamt 326 Milliarden Dollar nur etwa 13% von Apple wert. Aber sollte daran die Technologiebranche gemessen werden? Braucht ein Land wirklich ein Facebook? Die Fokussierung auf SAP als einziges deutsches High-Tech-Unternehmen der ersten Liga verstelle den Blick auf kleinere Spitzenunternehmen in ihren jeweiligen Branchen - wie etwa Nemetschek und CompuGroup Medical. Die langsamen Internetverbindungen in Deutschland seien immer für Schlagzeilen gut, aber eine durchschnittliche Breitband-Download-Geschwindigkeit, die einen 5-GB-Film in 11 Minuten und 16 Sekunden auf die Festplatte befördert, auch kein Ausweis digitaler Steinzeitlichkeit, wenn man sie mit den 7 Minuten und 23 Sekunden in den USA vergleicht. Wo es aber tatsächlich hake, sei bei der Digitalisierung der Verwaltung.

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