Fünf Themen des Tages: Gottsteins Leute sauer, Bitcoin als Waffe

Rainer Buergin
·Lesedauer: 3 Min.

(Bloomberg) -- Gottsteins Leute sind sauer, globaler Steuer-Deal kommt voran, europäische Aktien steigen, Astras Impfstoff-Drama verzögert alles, und Thiel hält Bitcoin für mögliche Waffe Chinas. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Gottsteins Leute sind sauer

Thomas Gottstein hat sich erneut kritischen Fragen stellen müssen, diesmal von seinen eigenen Bankern. Der nach dem Archegos-Kollaps mit Aufräumarbeiten beschäftigte Credit-Suisse-Chef hatte am Dienstag Dutzende Managing Directors zu einer Telefonkonferenz gebeten. Wie zu hören ist, wollten diese unter anderem wissen, warum die Bank bei dem Debakel so viel mehr als ihre Konkurrenten verloren hat. Es sind nicht nur seine Leute, die ihn unter Druck setzen. Es war offenbar der Verwaltungsrat der Bank und nicht Gottstein selbst, der die Risikochefin und den Investmentbankchef austauschte, heißt es. Es besteht die Gefahr, dass der Ruf der Credit Suisse - vor allem bei Kunden aus Asien und dem Nahen Osten - durch das mangelhafte Risikomanagement beschädigt wird, meint Bloomberg-Kolumnist Marcus Ashworth.

Globaler Steuer-Deal kommt voran

Um ein globales Steuerabkommen zu erreichen, schlagen die USA vor, dass Unternehmen stärker dort besteuert werden sollten, wo sie ihre Umsätze erzielen, heißt es aus informierten Kreisen. Ein entsprechender Vorschlag sei an die Staaten gegangen, die im OECD-Rahmen über Besteuerung von Digital-Unternehmen und globale Mindestbesteuerung verhandeln. Er könnte dazu beitragen, die festgefahrenen Verhandlungen bis zum Sommer zu einem Konsens zu bringen und würde für multinationale Firmen aller Branchen gelten, nicht nur für digitale wie Google, Facebook und Amazon. Der deutsche Fiskus müsste wohl eine Abwanderung von Steuersubstrat befürchten. Bundesfinanzminister Olaf Scholz hatte am Dienstag den jüngsten Vorstoß von US-Kollegin Janet Yellen für eine globale Mindestbesteuerung begrüßt.

Europäische Aktien steigen

Die europäischen Aktien haben am Donnerstag wieder zugelegt, angeführt von IT-und Gesundheits-Titeln. Der Stoxx Europe 600 Index lag gegen Mittag um rund 0,3% im Plus. Europäische Aktien sind seit vier Quartalen in Folge gestiegen und haben ihre durch die Pandemie ausgelösten Verluste Anfang der Woche wieder wettgemacht. “Ich bin immer noch optimistisch, da sich der Anstieg der Anleiherenditen zu verlangsamen scheint - zumindest im Moment”, sagte Ulrich Urbahn von der Berenberg Bank. “Die Gewinne des ersten Quartals werden der nächste Katalysator für die Marktrichtung sein”. In Deutschland fielen Gerresheimer nach Vorlage von Quartalszahlen.

Astras Impfstoffdrama verzögert alles

Das Astra-Impfstroffdrama entpuppt sich als zunehmende Belastung für die weltweiten Bemühungen zur Bewältigung der Corona-Krise. Innerhalb eines Jahres hat sich das Vakzin vom Impfstoff-Lieblingskind zum Sorgenkind entwickelt. “Wenn die Leute weiter auf diesen Impfstoff einprügeln, wird niemand das Vertrauen haben, das verflixte Ding zu benutzen, und dann haben wir ein massives Problem - denn er ist einsetzbar, er ist billig, man kann ihn weltweit einsetzen, und er ist eindeutig hochwirksam”, sagte Oxford-Professor John Bell. Die EU ist am Mittwoch mit dem Versuch gescheitert, eine einheitliche Haltung zur Gefahr durch Nebenwirkungen des Impfstoffs zu finden. Es seien “unterschiedliche Interpretationen” eines Berichts der EU-Arzneimittelbehörde EMA zu Protokoll gegeben worden, hieß es. Unterdessen könnte in Deutschland ein Bundeslockdown bevorstehen.

Thiel hält Bitcoin für mögliche Waffe Chinas

Peter Thiel, nach eigenen Aussagen “pro-Krypto” und “pro-Bitcoin Maximalist”, befürchtet, dass die digitale Währung Sicherheit der USA untergraben könnte. Bei einem Auftritt am Dienstag drängte Thiel die US-Regierung zu strengerer Regulierung für Kryptowährungen, was einen Sinneswandel darzustellen scheint. Schließlich ist er ein Großinvestor in Digitalwährungsunternehmen und auch in Kryptowährungen selbst. “Ich frage mich, ob man Bitcoin an diesem Punkt auch teilweise als chinesische Finanzwaffe gegen die USA betrachten sollte”, so Thiel. ”Es bedroht Fiat-Geld, aber es bedroht vor allem den US-Dollar”. Bitcoin fiel am Mittwoch unter $56.000 das niedrigste Intraday-Niveau seit dem 29. März, am Donnerstag ging es wieder aufwärts.

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