Fünf Themen des Tages: Gottschling geht, Speckgürtel gewinnt

Rainer Buergin
·Lesedauer: 4 Min.

(Bloomberg) -- Credit-Suisse-Risikochef nimmt Hut, Zykliker überhitzen, europäische Aktien leicht im Plus, Kupfer nimmt Allzeithoch ins Visier, und britischer Nachfrageboom treibt Häuserpreise. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Credit-Suisse-Risikokontrolleur nimmt Hut

Der angesichts des Kollaps von Archegos Capital Management in die Kritik geratene Credit-Suisse-Verwaltungsrat Andreas Gottschling tritt bei der heutigen Generalversammlung der Bank nicht mehr zur Wiederwahl an. Das Debakel hatte die Bank heftiger getroffen als jeden Wettbewerber. Für Unzufriedenheit unter den Aktionären hatte bereits der Greensill-Zusammenbruch gesorgt. Der norwegische Staatsfonds hatte angekündigt, gegen die Wiederwahl von sechs Verwaltungsrats-Mitgliedern zu stimmen, darunter Gottschling, gegen den sich auch der Stimmrechtsberater Glass Lewis ausgesprochen hatte. Auch hinsichtlich der Haltung der Bank zum Klimaschutz herrscht Unzufriedenheit unter Anlegern. Credit Suisse soll eine härtere Gangart bei der Finanzierung von Kohleprojekten einschlagen, berichtet Reuters unter Berufung auf einen Investoren-Brief.

Zykliker überhitzen

Nach starker Outperformance zeigen zyklische Aktien erste Anzeichen einer Überhitzung. Credit-Suisse-Strategen sehen eine Reihe von Warnhinweisen, darunter eine extreme Risikobereitschaft für zyklische Werte, Bewertungen in der Nähe von Allzeithochs für Nicht-Finanzwerte, sowie “sehr hohe” PMI-Erwartungen. Barclays hat seine Übergewichtung zyklischer Werte reduziert. Diese hätten die Analystenschätzungen weniger als der breite Markt und defensive Werte übertroffen, so Strategen um Emmanuel Cau. Unterdessen sind viele der Pharma-Werte, die im Jahr 2020 im Zuge der Pandemie zulegten, von ihren Höchstständen zurückgekommen. Dies trotz eines Anstiegs der Coronavirus-Fälle in Ländern wie Indien, der zeigt, dass Behandlungen angesichts neuer Virus-Stämme weiterhin notwendig sein werden.

Europäische Aktien büßen Zuwächse ein

Europas Börsen konnten am letzten Handelstag der Woche nur temporär zulegen. Zum Mittag hin lag der Stoxx Europe 600 Index wieder nahe dem Schlussniveau vom Vorabend. Belastend für die Stimmung wirkten der Anstieg von Covid-19 in Asien, Lieferunterbrechungen und die Sorge, ob ein Großteil der erwarteten Erholung bereits eingepreist sein könnte. “Es mehren sich nun die Warnzeichen, die auf ein begrenztes Aufwärtspotenzial für Aktien in den kommenden Wochen hindeuten: Steuerdebatten, optimistische Anlegerstimmung, Insiderverkäufe, ambitionierte Bewertungen, eine sich verschlechternde Saisonalität und eine gedämpfte Aktienreaktion auf positive Überraschungen”, sagte Ulrich Urbahn von der Berenberg Bank. “Wir erwarten volatilere Märkte bis in den Sommer hinein.” In Deutschland fielen Wacker Chemie nach Vorlage von Quartalszahlen. Synlab notierten am ersten Handelstag etwas oberhalb des IPO-Preises.

Kupfer nimmt Allzeithoch ins Visier

Kupfer hat erstmals seit 2011 die Marke von 10.000 Dollar je Tonne überschritten und näherte sich damit dem damals im Februar erreichten Allzeithoch von 10.190 Dollar. Die sich erholenden Volkswirtschaften kurbeln die Nachfrage an und die Minen können damit nicht Schritt halten. Die Wende in Richtung Klimaschutz wird ebenfalls als Nachfragetreiber für Kupfer angesehen, da das Metall in allem von Elektroautos bis Solarenergiesystemen steckt. Kupfer gehörte zu den besten Performern in einem Monat, in dem Metalle von Aluminium bis Eisenerz auf den höchsten Stand seit Jahren gestiegen sind. Engpässe bei Palladium haben den Kassapreis am Freitag erstmals auf über 3.000 Dollar je Unze getrieben. In China hat die Kupfer-Verteuerung bei Industrieunternehmen bereits zu Verwerfungen geführt.

Britischer Häuser-Boom treibt Preise

Die Hauspreise in Großbritannien sind im April so stark gestiegen wie seit 2004 nicht mehr, angefeuert von Steuervergünstigungen, die verlängert worden waren. Gegenüber dem Vorjahresmonat wurde ein durchschnittlicher Anstieg um 7,1% gemeldet. Neben der steuerlichen Seite sind Veränderungen im Arbeitsleben ursächlich für die Erholung des britischen Immobilienmarkts. “Die Menschen bewerten nun ihren Wohnort neu, da die Nähe zum Büro an Bedeutung verliert und die Nachfrage nach größeren Häusern mit Platz im Freien wichtiger wird”, schreibt Niraj Shah von Bloomberg Economics. “Das wird die Nachfrage im weiteren Verlauf des Jahres aufrechterhalten, wenn auch in einem langsameren Tempo”. In Deutschland hat die Deutsche Bank diese Woche angekündigt, ihren Mitarbeitern auch zukünftig bis zu drei Tage pro Woche Home Office zu erlauben, andere Banken wollen es ähnlich halten.

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