Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Alexander Kell
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Rezept gegen verschuldete Weltwirtschaft? Noch mehr Schulden

(Bloomberg) -- Kater-Rezept für Finanzmarkt, Showdown in Emmenbrücke, Hongkong leckt Wunden, Spätherbstsonne an der Frankfurter Börse, Bienen mit Turbo. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Rezept gegen Schulden: Noch mehr Schulden

Jetzt, wo der globale Schuldenberg auf 250 Billionen Dollar angewachsen ist, sehen Volkswirten mögliche Abhilfe durch ein neues Rezept: Noch mehr Schulden! EZB-Chefin Christine Lagarde steht dabei mit ihrer Forderung nach einem stärkeren staatlichen Engagement bei der Konjunkturstützung nicht alleine da. “In Bezug auf die Tempolimits, die bei entwickelten Volkswirtschaften für die Verschuldungsquote gelten, scheint sich die gängige Meinung zu wandeln”, sagt Mark Sobel, ein ehemaliger hochrangiger Mitarbeiter des US-Finanzministeriums und des Internationalen Währungsfonds. “Niedrigere Zinsaufwendungen und die steigende Marktnachfrage könnten bedeuten, dass große, entwickelte Volkswirtschaften nachhaltig höhere Schulden schultern können.” Lagarde steht ab 15 Uhr dem Europäischen Parlament Rede und Antwort.

Showdown bei Schmolz + Bickenbach

Beim kriselnden Schweizer Stahlhersteller Schmolz + Bickenbach steht am Nachmittag in Emmenbrücke der Showdown der Großaktionäre an. Die Nummer 2 der Anteilseigner, Martin Haefner, hat eine Kapitalerhöhung über 325 Mio. Franken empfohlen. Der russische Milliardär Wiktor Wekselberg, der über seine Liwet-Holding das größte Aktienpaket besitzt, sieht die Interessen der anderen Eigner dadurch allerdings bedroht. Er kündigte inzwischen an, zur Konzernrettung ‘so viel Geld wie notwendig’ einzuschießen. Weitere Akteure im Drama: die Finanzaufsicht Finma, die Erbenfamilie und die mehr als 10.000 Mitarbeiter. Angesichts des Abschwungs in der Autoindustrie hat Schmolz + Bickenbach die 2019-Prognose dieses Jahr mehrmals gekürzt und die Finanzlage zuletzt als äußerst angespannt beschrieben. Die Generalversammlung beginnt um 14 Uhr (MEZ).

Hongkongs Wirtschaft leckt die Wunden

Nach fast sechs Monaten politischen Protesten zeichnen sich in Hongkong allmählich die wirtschaftlichen Folgen ab. Erstmals seit den frühen 2000er Jahren steuert die chinesische Sonderverwaltungszone auf ein Haushaltsdefizit zu. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte in diesem Jahr um rund zwei Prozent zurückgegangen sein, wie Hongkongs Finanzchef Paul Chan am Montag sagte. Bei den Oktober-Daten zum Einzelhandelsumsatz sei mit einem “drastischen” Einbruch zu rechnen. Die Zahl der Besucher vom chinesischen Festland ist im vergangenen Monat um fast 44% abgesackt.

Frankfurt kalt, doch an der Börse freundlich

Der Frankfurter Aktienmarkt und auch die anderen europäischen Börsen haben die neue Woche überwiegend mit leichten Kursgewinnen begonnen. Die Aktie der Lufthansa zog bis zu 2,4% an, nachdem Qatar Airways Interesse am Einstieg bekundet hat. Ebenfalls gesucht: Commerzbank, ProSieben, Varta. Einziger deutlicher Verlierer im DAX ist die RWE-Aktie. Angesichts des Führungswechsels bei der SPD sieht Kepler in Deutschland das Risiko eines Links-Rutschs, sollte die Große Koalition in Berlin brechen. Dies würde die Aussicht auf Kompensationszahlungen für den Kohleausstieg dämpfen.

Sächsische Turbo-Bienen

Porsche hat unter dem Markennamen Turbienchen einen Honig öko-zertifiziert. Auf Naturflächen in Leipzig sind drei Millionen Bienen für den Sportwagenhersteller tätig. Die von ihnen produzierten Sorten Frühjahrshonig und Lindenblüte entsprechen nach Unternehmenangaben nun den Bio-Richtlinien. Neben Bienen wurden auf Porsches 132 Hektar großem Offroad-Gelände auch Auerochsen und Exmoor-Ponies angesiedelt. Beide verfügen über alternative Antriebe und sind noch geländegängiger als der in Leipzig hergestellte Macan. Leichter und billiger sind sie auch, hinken bei der Höchstgeschwindkeit allerdings deutlich hinterher.

Kontakt Reporter: Alexander Kell in Frankfurt akell@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Daniel Schaefer dschaefer36@bloomberg.net, Ingo Kolf

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