Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Rainer Buergin
·Lesedauer: 4 Min.

(Bloomberg) -- Brexit-Deal lastet auf britischen Autofabriken, Spanien erfasst Impfverweigerer, europäische Aktien steigen, Flugzeugkredite belasten deutsche Regionalbanken, und in Europa bleiben Bankenfusionen blockiert. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Brexit-Deal lastet auf britischen Autofabriken

Der Brexit-Deal hat zwar das Risiko eines umfassenden Exodus der in Großbritannien tätigen Autohersteller beseitigt, wird aber dennoch zur Belastung für eine Industrie, die mehr als 860.000 Menschen beschäftigt. Hersteller wie Nissan könnten wegen der Regelungen zur lokalen Wertschöpfung Schwierigkeiten haben, einige in Großbritannien gefertigte Modelle für den zollfreien Export in die EU zu qualifizieren. Die Kosten, die mit dem Wechsel der Zulieferer verbunden sind, sowie die Belastungen durch Zollerklärungen, Zertifizierungen und Revisionen könnten Autoherstellern Anreiz sein, lieber anderswo zu investieren. Der FTSE 100 legte am Dienstag zwar zu, holte damit aber nur Gewinne nach, die an anderen europäischen Börsen schon am Montag erzielt worden waren.

Spanien erfasst Impfverweigerer

Spanien wird ein Register von Menschen erstellen, die eine Impfung gegen Covid-19 ablehnen. Es ist Teil von Maßnahmen in Europa, dem Widerstand gegen die Immunisierung zu begegnen. Das Register soll nicht öffentlich gemacht, aber mit den europäischen Partnern geteilt werden, sagte Gesundheitsminister Salvador Illa in einem Fernsehinterview. Die Impfung sei in Spanien freiwillig und die Daten würden “mit größtem Respekt für den Datenschutz behandelt”, so Illa. In Deutschland, wo bis zum Sonntag 21.566 Personen geimpft wurden, hat sich Gesundheitsminister Jens Spahn gegen Privilegien für Geimpfte ausgesprochen, die von Gesundheitsfunktionären gefordert werden. Im Bundesgebiet wurden jüngst 14.006 Neuinfektionen, gemeldet, die 4-Tage-Reproduktionszahl fiel weiter unter die kritische Marke von 1, auf 0,71.

Europäische Aktien steigen

Die europäische Aktien sind um mehr als 1% gestiegen, wobei fast alle Branchen im grünen Bereich lagen. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump das kombinierte Hilfs- und Regierungsfinanzierungspaket im Umfang von 2,3 Billionen Dollar genehmigt, und das Repräsentantenhaus verabschiedete einen Entwurf mit üppigeren Konjunkturschecks für die Haushalte. “Wo wir jetzt sind im Aktienmarkt, ist so etwas wie ein Sweet Spot”, sagte Michael Cuggino von Permanent Portfolio Family of Funds, auf Bloomberg TV. “Wir haben ein Konjunkturprogramm und wahrscheinlich ist noch mehr auf dem Weg”. Dazu geselle sich aufgestaute Nachfrage in den USA und weltweit, die wirksam werde, wenn die Wirtschaft aus dem Covid-Tal herauskommt. Im DAX gehörten SAP zu den Hauptgewinnern, nachdem Tochter Qualtrics sich zu einem Börsengang geäußert hatte.

Flugzeugkredite belasten deutsche Regionalbanken

Die unbewältigte Corona-Krise setzt weltweit Airlines unter Druck und als Folgewirkung auch die großen deutschen Regionalbanken, die laut Bloomberg-Berechnungen mindestens 15 Milliarden Euro für die Finanzierung von Flugzeugen verliehen haben. Der Aufsicht bereitet das Sorge. Kurz vor Jahresende gibt es eine Atempause für die gebeutelte Luftfahrtindustrie. Am Dienstag stieg der Stoxx 600 Travel & Leisure Index auf den höchsten Intraday-Wert seit dem 27. Februar, nachdem die Lufthansa-Tochter Swiss sich selbst eine gute Liquiditätslage bescheinigt hatte. Jefferies-Analysten schrieben in einer Note, dass die US-Flugdaten der letzten 10 Tage eine Wiederbelebung des Verkehrs erwarten lassen, sobald Covid unter Kontrolle ist. Die europäischen Zahlen seien “vielleicht ermutigender als wir befürchtet haben”.

In Europa bleiben Bankenfusionen blockiert

Ein Vorstoß der EZB, den chronisch unrentablen Banken der Region die Fusion zu erleichtern, stößt auf den Widerstand einiger nationaler Aufsichtsbehörden.Vorschläge von Andrea Enria, Vorsitzender des EZB-Aufsichtsgremiums, den Banken mehr Freiheit zu geben, Gelder in einem Land zu beschaffen und sie in einem anderen zu verleihen, könnten den Steuerzahlern Lasten aufbürden, wenn Kreditinstitute in Schwierigkeiten geraten, nachdem das Geld verschoben wurde. So sieht es Tom Dechaene, ein Direktor bei der belgischen Zentralbank. “Viele der Vorschläge, die vor allem von den CEOs der Banken gemacht werden, würden das tun,” so Dechaene, der zusammen mit Enria im Aufsichtsgremium sitzt, in einem Bloomberg-Interview. Seine Kommentare unterstreichen die Uneinigkeit innerhalb der EZB in der Frage, ob und wie die Regulierungsbehörde die Bankenkonsolidierung erleichtern sollte.

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