Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Rainer Buergin
·Lesedauer: 3 Min.

(Bloomberg) -- Biden braucht noch einen Staat, Banken graut vor faulen Krediten, europäische Aktien gewinnen, neue Rezession ist reale Gefahr, und Italiens Schulden könnten 2021 außer Kontrolle geraten. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Biden braucht noch einen Staat

Im Rennen um die US-Präsidentschaft zwischen Donald Trump und Joe Biden kommt es jetzt auf die Wahlergebnisse in einer Handvoll Bundestaaten an. Biden gewann am Mittwoch wohl in Michigan und Wisconsin und steht damit kurz vor dem Einzug ins Weiße Haus. Von den 270 benötigten Stimmen im Electoral College dürfte Biden 264 in der Tasche haben. Ein Sieg etwa in Nevada, wo er derzeit führt, würde genügen. Die Feststellung des Siegers wird wegen Anfechtungen und Nachzählungen auf sich warten lassen. Die gescheiterte Ambition der Demokraten, mit einer Erdrutschsieg-artigen “blauen Welle” beide Kammern des Kongresses und die Exekutive zu erobern und Fiskalprogramme im großen Maßstab zu beschließen, übt bereits am Donnerstag Druck auf die Fed aus, die Wirtschaft mit noch mehr geldpolitischen Anreizen zu unterstützen.

Banken graut vor faulen Krediten

Der Kurs der Commerzbank sackte am Donnerstag in der Spitze um gut 7% ab, nachdem das Kreditinstitut vor einer Eintrübung bei notleidenden Krediten gewarnt hatte. Die bis Jahresende gelockerten Regelungen für Insolvenz-Anmeldungen würden “eine sehr genaue Beobachtung” erfordern, in den kommenden Quartalen sei in Deutschland verstärkt mit Kreditausfällen und Insolvenzen zu rechnen, teilte die Bank mit. Bislang lagen die Ausfälle häufig unter den Erwartungen, so auch bei der ING Groep. Der Quartalsgewinn der Bank verfehlte aber die Schätzungen, ein Rückzug aus Südamerika und Teilen Asiens soll zur Kostensenkung beitragen. UniCredit und Societe Generale hingegen schlugen dank Handelsgewinnen die Erwartungen. Für die Commerzbank hat CFO Bettina Orlopp eine neue Strategie ins Aussicht gestellt.

Europäische Aktien gewinnen

Der Stoxx Europe 600-Index kletterte am Donnerstgavormittag, angetrieben von Technologieaktien und einigen starken Unternehmensergebnissen. Chip-Aktien, darunter Dialog Semiconductor, gehörten zu den größten Gewinnern, nachdem Qualcomm Inc. eine positive Prognose für die Nachfrage nach 5G-Geräten abgegeben hatte. Anleger gehen davon aus, dass die US-Wahlergebnisse keine größeren Änderungen bei Steuern oder Regulierung auslösen werden, die den Bullenmarkt seit Jahren stützen. “Bis etwa letzte Woche war der Konsens eine vollständige blaue Welle”, sagte Anna Han von Wells Fargo gegenüber Bloomberg TV. “Das ändert sich jetzt, es findet eine Neubewertung statt”. In Deutschland stiegen Compugroup nach Vorlage von Zahlen. Stratec stiegen auf ein Rekordhoch.

Neue Rezession ist reale Gefahr

Die neuen - wenn auch nur teilweisen - Lockdowns in Europa haben eine “Double-Dip-Rezession” zu einer realen Gefahr werden lassen. Bloomberg Economics geht davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone in diesem Quartal schrumpft, ebenso wie Goldman Sachs, deren Ökonomen einen Rückgang um 2,3% prognostizieren. Unternehmen, die die erste Welle durch Personalabbau, staatliche Subventionen und den Rückgriff auf Reserven überlebt haben, stehen selbst dann vor einem möglichen Todesstoß, wenn sie Zugang zu staatlicher Unterstützung haben - zuvorderst das Gastgewerbe und die Tourismusbranche. Deutschland hat zuletzt mehr als 30.000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet - eine Rekordzahl. Gleichzeitig fiel die 4-Tage-Reproduktionszahl weiter unter die kritische Schwelle von 1, auf 0,81.

Italiens Schulden könnten 2021 außer Kontrolle geraten

Italiens Staatsverschuldung könnte im nächsten Jahr außer Kontrolle geraten, wenn die Wirtschaft sich nicht schnell vom zweiten Coronavirus-Lockdown erholt. So lautet die Einschätzung eines hochrangigen Abgeordneten der Regierungskoalition. Italien werde dieses Jahr mit einer Verschuldung von rund 160% des BIP abschließen. Bei einer lahmen wirtschaftlichen Erholung drohe bereits 2021 eine “explosive Schuldendynamik”, sagte Luigi Marattin, der dem Finanzausschuss im Unterhaus vorsteht, am Mittwoch in einem Interview. Eine Verzögerung bei der Auszahlung von EU-Hilfen sei ein weiteres Risiko. Rom soll mit bis zu 209 Milliarden Euro an Zuschüssen und Darlehen das größte Stück des Kuchens erhalten. Italienische Anleihen schnitten am Donnerstagvormittag besser ab als ihre Euroraum-Peers, der Spread zu Bundesanleihen verengte sich.

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