Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Rainer Buergin

(Bloomberg) -- Der Brexit kann kommen, Phase-1-Deal ist eingetütet, Politik treibt Europas Aktienmärkte, Delivery Hero expandiert, und ist denn heut’ schon Weihnachten? Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Der Brexit kann kommen

Boris Johnson hat bei den Wahlen in Großbritannien das beste Resultat für seine Konservativen seit der Ära Margaret Thatcher erzielt und ist dank einer klaren Mehrheit im Parlament nun auf Kurs, das Land im Januar aus der EU herauszuführen. Gleichzeitig fängt hinsichtlich eines gedeihlichen künftigen Zusammenlebens der Scheidungspartner die Arbeit erst an. Die deutsche Wirtschaftslobby BDI nannte den Zeitplan für die Verhandlungen zum zukünftigen Verhältnis “sportlich” und warnte, dass ein harter Brexit keinesfalls vom Tisch sei. Streit unter den Tories könnte während der Gespräche darüber ausbrechen, wie viel Autonomie Großbritannien aufgeben soll, um Zugang zum EU-Binnenmarkt zu behalten. Der Fahrplan für das nächste Jahr, von der Abstimmung über das Austrittsabkommen und den Verhandlungen über die Handelsbeziehungen bis hin zu einer möglichen Verlängerung der Übergangsphase bis 2022, findet sich hier.

Phase-1-Deal ist eingetütet

US-Präsident Donald Trump hat unterrichteten Kreisen zufolge ein erstes Handelsabkommen mit China abgesegnet. Die für Sonntag angekündigten US-Zölle auf chinesische Güter von etwa 160 Milliarden Dollar sind damit abgewendet. Das Abkommen beinhaltet demnach die Zusage Chinas, mehr US-Agrargüter zu kaufen. Auch eine mögliche Reduzierung der bereits bestehenden Strafzölle sei besprochen worden. Die Grundsatzeinigung dürfte am heutigen Freitag in Washington offiziell angekündigt werden. Am Donnerstag hatte Trump bereits getwittert, dass die USA und China “SEHR nahe daran sind”, ein “GROSSES“ Handelsabkommen zu unterzeichnen. Kommentare des chinesisches Außenministers vom Freitag wiesen allerdings auf weiterhin ungelöste Konflikte hin.

Politik treibt Europas Aktienmärkte

Nachrichten über das Teilhandelsabkommen zwischen den USA und China und den überwältigenden Sieg Boris Johnsons haben Rallies an den globalen Aktienmärkten ausgelöst. Der Stoxx Europe 600 stieg auf einen neuen Rekordwert, angeführt von Konsumwerten, Versorgern und Finanztiteln, während in Großbritannien der FTSE 250 Index um bis zu 5,4% anstieg, so viel wie seit neun Jahren nicht mehr. Europaweit profitierte insbesondere der Automobilsektor, im Dax angeführt von Volkswagen. Gegen den Trend verloren Henkel, die nach einer erneuten Gewinnwarnung bei Bankhaus Metzler auf Halten, gesenkt worden waren.

Delivery Hero expandiert

Die Berliner Bestellplattform für Essen auf Rädern übernimmt Woowa, Südkoreas größte Lieferservice-App. Delivery-Hero-Aktien schossen am Freitag um bis zu 15% auf ein Rekordhoch empor. Citigroup verwies darauf, dass der Schritt die Position des Unternehmens in Asien festige. Die Transaktion, die Woowa mit 4 Milliarden Dollar bewertet, sollte laut Anlystin Monique Pollard (Kaufen) die Rentabilität des Konzerns wesentlich verbessern. Kurzfristiger Gegenwind für die Aktie sei eine Kaufgelegenheit. Die Konsolidierung im Bringdienst-Markt könnte mit einem verbesserten Angebot von Takeaway.com für Just Eat in die nächste Runde gehen.

Ist denn heut’ schon Weihnachten?

All die Sorgen um eine chaotische Trennung Großbritanniens von der EU und eine Ausweitung des Handelskriegs zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt scheinen am Freitag dem 13. verflogen zu sein. Wer frühzeitig JPMorgans Empfehlung zum Kauf von Risikoaktiva gefolgt ist, kann sich glücklich schätzen. Aber wie nachhaltig ist die verfrühte Weihnachtsbescherung? Bloomberg-Kolumnist John Authers gießt etwas Wasser in den Wein und weist auf die anhaltenden Risiken hin, inklusive einer möglichen Desintegration Großbritanniens, ungelöster Rivalität zwischen den USA und China, den Präsidentschaftswahlen in den USA und den Herausforderungen für die Eurozone unter der neuen EZB-Präsidentin Christine Lagarde.

Kontakt Reporter: Rainer Buergin in Berlin rbuergin1@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Daniel Schaefer dschaefer36@bloomberg.net, Katrin Haertel

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