Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Rainer Buergin
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Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

(Bloomberg) -- USA und China nähern sich “Phase I”, Entlassungen in Deutschland kämen EZB zupass, Handelshoffnungen treiben Europas Aktienmärkte, Lagarde probiert es im Taunus mit Team-Building und in der Schweiz versucht man sich an Käseersatz. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

USA und China nähern sich “Phase I“

Laut US-Wirtschaftsberater Larry Kudlow gehen die Verhandlungen über ein Interims-Handelsabkommen mit China in die Endphase. Ein Deal sei nah, aber “noch nicht abgeschlossen”, sagte er am späten Donnerstag. Während es beim Handel also Fortschritte zu geben scheint, hält Bridgewater-Gründer Ray Dalio ein Ausgreifen auf andere Konfliktfelder für möglich. “Es gibt einen Handelskrieg, es gibt einen Technologiekrieg, es gibt einen geopolitischen Krieg, und es könnte einen Kapitalkrieg geben”, sagte der Milliardär. Henry Kissinger, 96, einst Mitgestalter der US-Entspannungspolitik gegenüber China, meint unterdessen, dass die beiden Staaten sich daran gewöhnen müssten, “dass sie eine Art Rivalen sind und dass der Wettbewerb in gewisser Weise dauerhaft ist”. Er werde nach China reisen und mit der Staatsführung sprechen.

Entlassungen in Deutschland kämen EZB zupass

Wenn EZB-Präsidentin Christine Lagarde weiterhin darauf setzt, dass Deutschland einen großen fiskalischen Impuls abliefert, dann käme ihr steigende Arbeitslosigkeit in Europas größter Volkswirtschaft zupass. Das Ausbleiben einer Rezession - ausweislich der deutschen BIP-Zahlen vom Donnerstag - hat den Kräften, die ein kreditfinanziertes Konjunkturprogramm fordern, eines Argumentes beraubt, und so rückt die Lage am Arbeitsmarkt in den Fokus. Im Vergleich zu Großbritannien und den USA gibt es “weniger Druck von deutschen Wählern, dass deutsche Politiker den Stimulus verstärken”, so Florian Hense, Ökonom bei Berenberg. Ein Verlust von Industriearbeitsplätzen in der Größenordnung von 80.000 könnte da für Veränderung sorgen.

Handelshoffnungen stützen Europas Aktienmärkte

Europas Aktienmärkte tendierten am Freitag etwas fester, nachdem Wirtschaftsberater Kudlow Fortschritte auf dem Weg zu einem US-chinesischen Handelsabkommen signalisiert hat. Der Stoxx Europe 600 Index stieg, angeführt von Bergbauaktien. Fast alle wichtigen nationalen Indizes der Region lagen im Plus. Im Dax führten Merck KGaA nach Vortagsverlusten die Liste der Gewinner an. BMW, Continental und VW gehörten ebenfalls zu den größten Gewinnern. Daimler gaben indessen nach. Aumann gewannen um bis zu 10% nach einer Kaufempfehlung bei der Commerzbank. Stabilus stiegen um bis zu 7,6% nach Vorlage von Zahlen für das vierte Geschäftsquartal. K+S fielen nach gesenkten Kurszielen um zu 4,1%.

Lagarde probiert es im Taunus mit Team-Building

Das Schlosshotel Kronberg ist ein schöner Rahmen, um Zwist in einem zerstrittenen Team zu kitten, und so hat die frischgebackene EZB-Präsidentin in das Fünf-Sterne-Luxusresort im Taunus eingeladen, um den unter ihrem Vorgänger Mario Draghi verlorengegangenen Frieden wiederherzustellen. Lagarde veröffentlichte ein Foto der Veranstaltung auf Twitter, das die Ratsmitglieder am runden Tisch im Grünen Salon zeigt, der früher das kaiserliche Musikzimmer war. Die Teilnehmer des Treffens am Mittwoch beschrieben - anonym - die Diskussionen als offen, freundlich und konstruktiv. Während des Abendessens wurden die Gespräche bei Avocadosalat und Lachs fortgesetzt. Ein harter Kern traf sich später an der Bar, um die Kontakte zu vertiefen. Die renommierte Cocktail-Lounge des Hotels (2.190 Euro pro Nacht für die Royal Suite) bietet mehr als 50 verschiedene Whiskys sowie ausgewählte Zigarren.

In der Schweiz versucht man sich an Käseersatz

Im Land des Greyerzers und des Appenzellers macht man sich Gedanken, wie man in die Kühlschränke von Verbrauchern kommt, in denen bereits Mandelgetränke, Hafermilch und pflanzliche Fleischersatzstoffe stehen. Wo aber ist der Käseersatz? Der globale vegane Käsemarkt war im vergangenen Jahr laut Future Market Insights 1,9 Milliarden Dollar wert, ein winziger Bruchteil der 121 Milliarden Dollar an echtem Käse. Vieles davon ist Mozzarella oder Cheddar zu Kochzwecken, wo Geschmack und Kaugefühl von anderen Zutaten überlagert wird. Eine neue Generation von Unternehmern versucht, Käseersatz von seinem gummiartigen Ruf zu befreien und am Boom bei pflanzlichen Burgern, Milch, Joghurt und Eiscreme teilzuhaben. New Roots mit Sitz am Fuße der Schweizer Alpen liefert heute jährlich rund 80 Tonnen an imitierten Camemberts, Frischkäse und andere Produkte.

Kontakt Reporter: Rainer Buergin in Berlin rbuergin1@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Daniel Schaefer dschaefer36@bloomberg.net, Alexander Kell

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