Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Ingo Kolf

(Bloomberg) -- Es wird schlimmer, bevor es besser wird; vielleicht doch eine Lockerung der Schuldenbremse?; Deglobalisierung ist das neue Schwarz; Autobauer setzen aufs Internet; und die Erholungsrally ist vorbei, bevor sie richtig anfing. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Es wird schlimmer, bevor es besser wird: Virus

Das Coronavirus breitet sich weltweit immer weiter aus und auch in Deutschland nehmen die Infektionen täglich deutlich zu. Seit Sonntagabend hat nun auch Berlin seinen ersten Fall. Tapfer widersteht bislang der anscheinend nicht so reiselustige Osten des Landes. Um die Wirtschaft am Laufen zu halten, plant Italien ein Konjunkturprogramm im Volumen von 3,6 Milliarden Euro. Noch diese Woche wollen zudem die G7-Finanzminister eine Telefonkonferenz abhalten, um sich über mögliche Maßnahmen wegen des Corona-Ausbruchs zu beraten. Notenbanken wie die Fed in den USA, die Bank of England und die japanische Zentralbank haben bereits Handlungsbereitschaft signalisiert. Die EZB bleibt erstmal “wachsam”.

Vielleicht doch eine kleine Lockerung der Schuldenbremse?

In Deutschland laufen die Gespräche, wie die Schuldenbremse gelockert werden könnte, auf Hochtouren. Wirtschaftsminister Peter Altmaier erklärte, dass eine Fortsetzung des Wirtschaftsaufschwungs notwendig sei. Er stehe in engem Kontakt nicht Finanzminister Olaf Scholz, um Möglichkeiten zu erörtern. Jakob von Weizsäcker, Chefvolkswirt im Finanzministerium von Scholz, möchte die Schuldenbremse an die europäischen Schuldenregeln anpassen, berichtet das Handelsblatt. Dann dürfte Deutschland jährlich bis zu 1% des BIP Schulden machen, statt aktuell 0,35% - das wären zusätzliche 35 Milliarden Euro. Montagvormittag kam gleich ein Dementi aus dem Ministerium: Die Schuldenbremse erlaube durchaus Flexibilität bei Krisen, hieß es. Wie Kaiser Franz zu sagen pflegte: Schaumermal.

Deglobalisierung ist das neue Schwarz

Die Globalisierung hat in den vergangenen Jahrzehnten dazu geführt, dass ein immer größerer Teil der weltweiten Produktion nach China verlagert wurde. Nachdem nun aber in dem Land zahlreiche Fabriken wegen des Coronavirus stillstehen, ist eine Umkehr des Trends, die Deglobalisierung in aller Munde. Immer mehr Unternehmen prüfen Chinas Rolle in ihren Lieferketten und sehen sich nach Alternativen um. Noch bevor die Virusgefahr vorbei ist und China wieder zur Normalität zurückkehrt, werden einige von ihnen Pläne fertig haben, zumindest einen Teil ihrer Produktion anderswohin zu verlagern. In den USA hat die Regierung ein Programm gestartet, mit dem die Förderung seltener Erden gefördert werden soll, die beispielsweise für Autobatterien, Solarpanels und Wirdkraftanlagen benötigt werden.

Autobauer setzen aufs Internet

Nachdem der Genfer Autosalon erstmals seit den Zeiten des Zweiten Weltkriegs abgesagt wurde, müssen sich die Autokonzerne etwas anderes einfallen lassen, um für ihre Vorzeigemodelle zu werben. Die BMW AG beispielsweise stellt ihre Elektro-Studie i4 am morgigen Dienstag im Live Stream im Internet vor. Mercedes-Benz will das neueste Modell der beliebten E-Klasse nun ebenso digital vorstellen wie Audi die A3-Schräghecklimousine und das Elektromodell E-Tron S. In Frankreich setzt PSA bei der Vorstellung des Citroen DS9 verstärkt auf die Sozialen Medien.

Erholungsrally vorbei, bevor sie richtig anfing

An den europäischen Börsen war die Erholungsrally am Montag vorbei, bevor sie richtig begann. Der Stoxx Europe 600 Index, der zeitweise bis zu 2,3% gewonnen hatte, war zuletzt kaum verändert und gönnte sich vielleicht nur eine Verschnaufpause. In der vergangenen Woche hatte der Leitindex den stärksten Einbruch seit der Finanzkrise 2008 verzeichnet. Besonders schwach waren wieder die Reise- und Autowerte. Pharmaaktien standen hingegen auf der Gewinnerseite. Titel der British-Airways-Mutter AIG sackten 9,1% ab, während es für die Deutsche Lufthansa 5,9% abwärts ging. Bei den Autowerten büßten Fiat Chrysler 4,1% ein. Volkswagen-Vorzüge stemmten sich mit +1,6% gegen den Abwärtstrend. Der weltgrößte Autobauer und seine LKW-Tochter Traton planen einen Squeeze-Out bei Audi beziehungsweise MAN.

Kontakt Reporter: Ingo Kolf in Berlin ikolf@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Daniel Schaefer dschaefer36@bloomberg.net, Katrin Haertel

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