Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Rainer Buergin
·Lesedauer: 4 Min.

(Bloomberg) -- BIP-Zahlen sind kurzer Lichtblick, Merkel wirft Regierungen Corona-Versäumnisse vor, europäische Aktien kaum verändert, “Womenomics”-Strategin verlässt Goldman, und in Berlin steppt der BER. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

BIP-Zahlen sind kurzer Lichtblick

Rechtzeitig vor neuen Lockdown-Maßnahmen in Europa sind die am Freitag veröffentlichten BIP-Zahlen ein Lichtblick. Die deutsche Wirtschaft wuchs im dritten Quartal um 8,2% gegenüber dem Vorquartal und übertraf die Prognosen damit um fast einen Prozentpunkt. Dies zeige, dass eine schnelle Erholung möglich sei, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. In Frankreich, Italien und Spanien lagen die Wachstumsraten allesamt über 15%, im Euroraum ging es um fast 13% nach oben. Um gegen eine neue Rezession anzukämpfen, wird die EZB im Dezember wohl weitere Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft ergreifen, lautete das Resümee der Marktteilnehmer nach den Kommentaren von Präsidentin Christine Lagarde am Donnerstag. Mit der Erwartung liegen sie weitgehend richtig, bestätigte Ratsmitglied Robert Holzmann in einem Bloomberg-Interview.

Merkel wirft EU-Regierungen Corona-Versäumnisse vor

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die EU-Regierungen gemahnt, aus den Versäumnissen bei der Corona-Eindämmung zu lernen. In einer Videokonferenz am Donnerstag sagte sie informierten Kreisen zufolge, dass die politischen Realitäten die Politik davon abgehalten hätten, Beschränkungen eher einzuführen. In Zukunft müsse schneller gehandelt werden. Das Problem: Die politischen Realitäten haben sich verschärft, die Proteste gegen einschränkende Maßnahmen nehmen zu, nicht ab. “Europa geht mit einer müden und verängstigten Bevölkerung in den Winter”, schreibt Bloomberg-Kolumnist Ferdinando Giugliano. Die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland lag zuletzt bei knapp 20.000, die 4-Tage-Reproduktionszahl fiel mit 0,97 unter die wichtige Schwelle von 1.

Europäische Aktien kaum verändert

Die europäischen Aktien haben den größten Teil ihrer anfänglichen Verluste wieder wettgemacht, angetrieben von Kursgewinnen bei Ölaktien. Dennoch läuft die Benchmark angesichts der Besorgnis über neue Lockdowns und die bevorstehenden US-Wahlen auf den schlimmsten Rückgang seit dem Ausverkauf im März zu. Der Stoxx Europe 600 Index lag zuletzt rund 0,2% im Minus. Europäische Aktien standen diese Woche angesichts neuer Lockdowns und Restriktionen in Deutschland und Frankreich unter Druck. Investoren könnten auch vor den US-Wahlen am 3. November Gewinne mitnehmen. “Es ist erwähnenswert, dass die Einführung nationaler Lockdowns im März mit einer Talsohle an den Aktienmärkten sowohl in Europa als auch in den USA zusammenfiel”, heißt es bei den Strategen von Morgan Stanley. In Deutschland profitierten Siltronic von der Erwartung einer möglichen Wafer-Knappheit. Infineon litten unter enttäuschenden iPhone-Umsätzen.

‘Womenomics‘-Strategin verlässt Goldman

Kathy Matsui, die Goldman-Sachs-Strategin, deren “Womenomics”-Forschung die Politik des ehemaligen japanischen Premierministers Shinzo Abe beeinflusste, verlässt die US-Firma nach 26 Jahren am Ende des Jahres, wie aus einem internen Memo hervorgeht, in das Bloomberg Einblick hatte. Seit 1999 verwendete Matsui den Begriff “Womenomics” und untersuchte die wirtschaftlichen Vorteile einer verstärkten Beteiligung von Frauen am japanischen Arbeitsmarkt. Ihre Tätigkeit “positionierte Goldman Sachs erfolgreich als führend in der Sensibilisierung für Vielfalt”, so die Bank in dem Memo. Die Zahl weiblicher Arbeitskräfte in Japan hatte unter Abe zugenommen. Dass dieser sein Ziel verfehlte, bis 2020 30% der Führungspositionen mit Frauen zu besetzen, lastete Matsui auch den Unternehmen des Landes an.

In Berlin steppt der BER

Acht Jahre Verspätung, Automatik-Türen ohne Strom und zu kurze Rolltreppen - die Liste der Peinlichkeiten am Willy-Brandt-Flughafen Berlin Brandenburg ist lang. Aber pünktlich zum einmonatigen “Lockdown light” in Deutschland eröffnet der Großflughafen der Bundeshauptstadt - bekannt unter dem Code BER - nun doch noch mit einem Jungfernflug am Samstag. Ein zweites Terminal wird vorerst nicht eröffnet, weil es inmitten der Krise nicht gebraucht wird. Niemand würde jetzt einen neuen Flughafen bauen, sagte der Hamburger Luftfahrtanalyst Cord Schellenberg. Immerhin erlaube der Lockdown ein “Soft Opening” und erleichtere damit einen reibungslosen Hochlauf. In Frankfurt werden die Passagierzahlen in diesem Jahr bei weniger als 30% des Niveaus von 2019 liegen, sagte Fraport-CEO Stefan Schulte in einem FAZ-Interview.

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