Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Katrin Haertel

(Bloomberg) -- Die Lockerungswelle rollt; Treasuries schreiben Geschichte; Biden legt Comeback hin; auch Europabörsen steigen; EZB voll im Trend. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Who’s next?

Die Lockerungswelle rollt. Erst kam Australien mit einem neuen Rekordtief beim Leitzins. Dann folgte Malaysia. Und dann - nach warmen Worten der G7-Finanzchefs - kam die Federal Reserve mit dem Paukenschlag: Die US-Notenbank nahm nicht nur eine außerplanmäßige, sondern auch stärkere Zinssenkung als üblich vor. Das heizt an den Märkten die Spekulationen auf weitere Maßnahmen an. Bank of Canada? Wohl noch heute. Europäische Zentralbank? Nächste Woche, trotz Negativzins. Wegen des “Signaleffekts”, erklärte die Commerzbank. Und wenn man sich die mediterrane Bondrally von gestern und heute anschaut, setzen Anleger wohl auch auf verstärkte EZB-Anleihekäufe. Ja und die Bank of England? Definitiv bei der Sitzung am 26. März, signalisiert der Geldmarkt. Doch ein Optionshändler wettet auf einen vorzeitigen Schritt, wie bei der Fed. Wenn das passiert, knackt er den Jackpot.

Treasuries schreiben Geschichte

Es war ein historischer Tag am 16,7 Billionen Dollar schweren US-Rentenmarkt. Die Rendite der zehnjährigen Treasuries fiel erstmals in ihrer 150-jährigen Geschichte unter die Schwelle von 1%. Zum Vergleich: 1981 hatte ihr Allzeithoch bei 15,84% gelegen. Und im Oktober 2018, um den Zeithorizont mal einzugrenzen, lag die Benchmark-Rendite bei 3,26%. Was steckt dahinter? Die Suche nach sicheren Häfen wegen der Unsicherheit über die Wirtschaftsfolgen des Coronavirus. Den letzten Schubs gab gestern die aggressive Fed-Zinssenkung, die nach Aussage von Chris Rupkey, Chefökonom der MUFG Union Bank, etwas nach “Panik” roch und an der Wall Street mit starken Abschlägen quittiert wurde. Nach der Fehlzündung der Fed-Bazooka scheint sich bei Treasuries auch kein Boden abzuzeichnen: Die Rendite fällt weiter gen 0,9%. Jan Loeys von JPMorgan Chase hält weitere Rückgänge gen Null in diesem Jahr für möglich. In anderen Worten: To be continued.

US-Futures feiern Biden-Party

Anleger scheinen sich über das unerwartete Comeback von Joe Biden im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten echt zu freuen. Das zeigen die hochschnellenden US-Aktienfutures, nachdem der Ex-Vizepräsident der USA am “Super Tuesday” in den meisten der 14 wählenden Bundesstaaten die Nase vorn zu haben scheint. Und warum? Es schmälert die Chancen von Bernie Sanders. “Sanders würde eine Menge Veränderungen bringen, die die Märkte nicht unbedingt mögen würden”, sagte Jerry Braakman, Chief Investment Officer von First American Trust, in Santa Ana, Kalifornien. “Biden wäre eine weniger gravierende Veränderung für Märkte, die bei all diesen externen Schocks bereits genug Sorgen haben.” Doch das Rennen läuft noch: Nächste Woche finden Vorwahlen in sechs weiteren Bundesstaaten statt.

Auch Europabörsen steigen

Die Europabörsen schlossen sich den US-Aktienfutures an und streben am Mittwoch aufwärts. Der Stoxx Europe 600 gewann zuletzt 1,1% und baute damit seinen Vortagesgewinn aus. Alle großen Branchengruppen lagen im Plus, wobei Autowerte eher auf den hinteren Rängen lagen. Kein Wunder: Der Autoabsatz in China - einem wichtigen Markt für Autobauer - rutschte im Februar um sage und schreibe 80% ab, da der Coronavirus-Ausbruch die Chinesen von Autohäusern fernhielt. Im Dax war die Bayer-Aktie nach einer Kaufempfehlung der Deutschen Bank der größte Gewinner. Die Schlusslichter - und einzigen Dax-Verlierer - waren am späten Vormittag Wirecard und MTU Aero Engines.

Abgesagt

Christine Lagarde sitzt wohl erstmal in Frankfurt fest. Denn eben meldete die EZB, dass Direktoriumsmitglieder - zu denen auch die Präsidentin zählt - sowie Angestellte bis 20. April von nicht unbedingt erforderlichen Reisen absehen sollen. Auch einige Konferenzen werden verschoben. Damit liegt die Notenbank im Trend der Zeit: Reisebeschränkungen hatten auch einige Konzerne ausgegeben, beispielsweise Nestle, L’Oreal und Cargill. Und Konferenzen werden entweder abgeblasen oder in anderen Formen abgehalten. So setzen IWF und Weltbank bei ihrer Frühjahrstagung auf “virtuelle Formate”. Und nach Beiersdorf will auch RWE lieber telefonieren, um über die Bilanzvorlage zu sprechen. Da kann man doch gleich daheim bleiben. So wie bei JPMorgan, die unterrichteten Kreisen zufolge Tausende US-Mitarbeiter das Homeoffice proben lässt.

Kontakt Reporter: Katrin Haertel in Frankfurt khaertel@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Daniel Schaefer dschaefer36@bloomberg.net, Ingo Kolf

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