Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Alexander Kell

(Bloomberg) -- Flaute im Maschinenbau, Nato prüft China, Börsenwetter hellt sich auf, Geldmagnetismus bei Fintechs, E-Autos träumen von Überholspur. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Maschinenbau spürt von Erholung noch nichts

Nach einer zwischenzeitlichen Entspannung im September hat sich die Auftragslage im deutschen Maschinenbau erneut eingetrübt. Im Oktober lag der Auftragseingang um real 11% unter seinem Vorjahreswert, wie der Branchenverband VDMA mitteilte. “Die jüngsten Hoffnungszeichen auf ein Ende der konjunkturellen Talfahrt in der deutschen Industrie machen sich noch nicht in den Auftragsbüchern der Maschinenbauer bemerkbar”, sagte VDMA-Chefökonom Ralph Wiechers. In vielen Feldern hielten Maschinenbau-Kunden ihre Investitionen zurück. Grund sei die anhaltende Verunsicherung darüber, wie es mit der Weltkonjunktur kurz- und mittelfristig weitergehe. Die Bestellungen aus dem Inland sanken um 13%, die Auslandsnachfrage schrumpfte um 10%.

Während Anleger warten, prüft die Nato China

Während die Wirtschaft wie auf Kohlen sitzend auf ein US-Handelsabkommen mit China wartet, will die Nato die Risiken sondieren, die sich aus den wachsenden militärischen Möglichkeiten der Volksrepublik ergeben. Als neuen Gegner wollte das Militärbündnis China indessen nicht einstufen, erklärte NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg. US-Präsident Donald Trump hatte die Wall Street gestern mit der Bemerkung auf Talfahrt geschickt, in Bezug auf einen Handelsdeal mit China habe er keine Deadline und womöglich könne es auch von Vorteil sein, erst nach den US-Wahlen im nächsten Jahr eine Einigung herbeizuführen. Das amerikanische Repräsentantenhaus verabschiedete indessen ein Gesetz für Sanktionen gegen Vertreter Chinas, denen Menschenrechtsverletzungen in der Region Xinjiang vorgeworfen werden. China warnte Washington daraufhin erneut, sich nicht in innere Angelegenheiten des Landes einzumischen.

Börsen schalten von Sorge auf Hoffnung

Nach Verlusten am Dienstag an der Wall Street und heute in Asien ist das Börsenwetter in Europa sonnig. Das Stimmungspendel in Bezug auf die USA und China, ist (einmal wieder) auf Hoffnung umgeschlagen. Informierten Kreisen zufolge rückt zwischen Washington und Peking eine Einigung zum Zollabbau näher. Amerikanische Unterhändler rechnen mit einer Einigung noch vor dem 15. Dezember, an dem neue US-Strafzölle in Kraft treten. Zu den Gewinnern am Aktienmarkt gehören angesichts dessen besonders Bergbau- und Bankenwerte, Chemiewerte sowie Titel aus dem Technologiesektor. Größte Gewinner im DAX waren zuletzt Infineon, Linde und SAP.

Wagniskapital: Immer weniger Fintechs sammeln immer mehr ein

Deutsche Fintechs haben in den ersten neun Monaten des Jahres fast 1,3 Milliarden Euro an Wagniskapital eingesammelt und damit laut einer Comdirect-Studie einen neuen Rekord aufgestellt. Fast die Hälfte des seit 2012 insgesamt an deutsche Fintechs vergebenen Wagniskapitals (49%) entfiel den Angaben zufolge aber auf gerade einmal 20 Unternehmen. “Wir sehen eine zunehmende Konzentration in der deutschen Fintech-Szene: Immer weniger Finanz-Startups sammeln immer mehr Wagniskapital ein”, berichtet Comdirect-Chef Arno Walter. Beeindruckend sei die Dominanz der Fintech-Hubs Berlin, München, Frankfurt und Hamburg. Ihr Wagniskapital-Anteil schwanke seit 2012 zwischen 86% und 96%.

Wann fahren Elektro-Autos aus der Nische?

Im nächsten Jahr sollten laut einer VDIK-Prognose rund 60% mehr E-Autos verkauft werden als 2019. Der Autohersteller-Verband rechnet in Deutschland mit mindestens 160.000 neu zugelassenen Elektrofahrzeugen und sieht die Autos der Zukunft “aus der Nische herausfahren”. Die Gesamtzahl der Neufahrzeuge werde hierzulande indessen bei rund 3,35 Millionen Fahrzeugen liegen, hieß es. Der Weg zum Mainstream ist also noch lang - und nicht ohne Kehrseite. Mit dem Strukturwandel in der Automobilproduktion dürften in den nächsten Jahren mehr als 80.000 Stellen gestrichen werden, wie Bloomberg-Daten zeigen. Erst vergangene Woche kündigten Daimler und Audi an, fast 20.000 Arbeitsplätze abzubauen. Da hat der VDIK recht, wenn er konstatiert: “Die Automobilindustrie erlebt bewegte Zeiten”.

Kontakt Reporter: Alexander Kell in Frankfurt akell@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Daniel Schaefer dschaefer36@bloomberg.net, Ingo Kolf

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