Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Rainer Buergin
·Lesedauer: 4 Min.

(Bloomberg) -- Lagarde mahnt Einigung zu EU-Finanzpaket an, Briten und Kanada vor Handelsabkommen, europäische Aktien verlieren, Moderna-Impfstoffproduktion in Europa bis Monatsende, und Prinz Andrew half verschwiegener Luxemburger Bank. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Lagarde mahnt Einigung zu EU-Finanzpaket an

EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat die EU-Regierungen aufgefordert, den Konflikt beizulegen, der den Start des Hilfsfonds für die am härtesten von der Pandemie getroffenen Mitgliedstaaten aufhält. Ungarn und Polen blockieren Fonds und Siebenjahreshaushalt - insgesamt 1,8 Billionen Euro -, so lange ihre EU-Partner Geldtransfers an die Einhaltung rechtsstaatlicher Kriterien knüpfen. Frankreich hat einen Ausschluss der beiden Länder von dem Hilfsfonds ins Spiel gebracht, wenn sie nicht nachgeben. Polen sei “bereit, ein Veto gegen den EU-Haushalt einzulegen”, um “seine Souveränität zu verteidigen”, sagte Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki vor dem Sejm in Warschau. Der geforderte Rechtsstaatlichkeitsmechanismus sei ein “Propaganda”-Instrument gegen Länder, die mit dem Mainstream der Union nicht einverstanden seien.

Briten und Kanada vor Handelsabkommen

Kanada und seine ehemalige Kolonialmacht demonstrieren, wie simpel Freihandel sein kann. Letzte Woche sagte der kanadische Premierminister Justin Trudeau, er wisse, wie wichtig solche Abkommen für die britische Regierung seien, mit Kanada sei es “wirklich einfach”. Aus informierten Kreisen verlautet nun, dass die beiden Staaten innerhalb weniger Tage einen Deal bekanntgeben könnten. Es wäre das zweite Abkommen binnen Monaten mit einem G7-Mitglied, ein wichtiger Impuls für Premierminister Boris Johnson und Rückenwind für dessen Verhandlungen mit der EU über die künftigen Wirtschaftsbeziehungen. Hier könnte ein Durchbruch am Montag verkündet werden. Großbritannien wolle dieses Abkommen, so Johnson, “aber nicht auf Kosten unserer Kernprinzipien über Souveränität und Kontrolle über unsere Gesetze, Grenzen, unser Geld - und unseren Fisch”.

Europäische Aktien verlieren

Strengere Beschränkungen zur Eindämmung der Pandemie lasteten während des Donnerstagvormittags auf den europäischen Aktien und überschatteten Fortschritte auf dem Weg zu einem Impfstoff. Die Anleger nehmen etwas von der Euphorie zurück, die die globalen Aktien Anfang dieser Woche auf Rekordhochs getrieben hatte, und es wächst die Besorgnis über den wirtschaftlichen Schaden harter Lockdown-Maßnahmen. “Wir erwarten in den kommenden Monaten wegen des Wiederaufflammens der Fälle harte Zeiten, aber im Hinblick auf den längerfristigen Erholungspfad war der Impfstoff ein sehr wichtiger Meilenstein in den Nachrichten”, sagte Melda Mergen von Columbia Threadneedle Investments gegenüber Bloomberg TV. “Wir glauben, dass die zyklische Erholung zurückkommen wird, aber es wird einige Schlaglöcher auf dem Weg geben”. In Deutschland stürzten Thyssenkrupp ab. Der Konzern, der im Stahlgeschäft Geld verbrennt, will 11.000 Stellen streichen. Kion fielen nach der Ankündigung einer Kapitalerhöhung am Mittwochabend.

Moderna-Impfstoffproduktion in Europa bis Monatsende

Die Baseler Lonza Group hat letzte Woche in den USA ihre erste kommerzielle Charge des Hauptbestandteils von Modernas Covid-19-Impfstoffkandidaten hergestellt und plant, die europäische Produktion bis Ende des Monats aufzunehmen. Die Produktionslinien würden hochgefahren und verfeinert, was sich bis ins nächste Jahr erstrecken könnte, sagte Verwaltungsratspräsident Albert Baehny. “Wir haben Zugang zu den Rohstoffen, wir haben Zugang zu den Menschen”, so Baehny in einem Interview. Das ist wichtig für Moderna, die im Gegensatz zum Rivalen Pfizer keine anderen Produkte auf dem Markt hat und noch nie Vertriebskanäle für ein Medikament aufbauen musste. In Deutschland fiel die 4-Tage-Reproduktionszahl unter die kritische Schwelle von 1 und lag zuletzt bei 0,88. Die Zahl der Neuinfektionen betrug 23.727.

Prinz Andrew half verschwiegener Luxemburger Bank

Prinz Andrew, Nr. 8 in der Thronfolge Großbritanniens, hat wenig Fortüne. Letztes Jahr wurde er von seiner Mutter, der Königin, aus der Öffentlichkeit verbannt nach einem katastrophalen Fernsehinterview über seine Verbindungen zu dem verstorbenen Geldmanager und verurteilten Pädophilen Jeffrey Epstein. Aber Epstein ist nur der berüchtigtste wohlhabende Finanzier, mit dem der Prinz je zu tun hatte. Es gibt noch einen anderen, über den die Öffentlichkeit weniger weiß. Jahrelang fungierte Andrew als inoffizieller Türöffner für David Rowland und seine Luxemburger Privatbank Banque Havilland, wie aus Dokumenten hervorgeht, in die Bloomberg Einblick hatte. Sein königliches Ansehen und seine Rolle als Sonderbeauftragter Großbritanniens für internationalen Handel und Investitionen bis 2011 halfen der Familie Rowland, potenzielle Kunden aus den Reihen der Diktatoren und Kleptokraten der Welt zu gewinnen. Hier die umfangreiche Geschichte.

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