Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Rainer Buergin
·Lesedauer: 4 Min.

(Bloomberg) -- SAP stürzt ab, Firmen geht der Optimismus aus, Pandemie-Sorgen lasten auf Europas Aktien, Merkel hat “kein so gutes Gefühl”, und Mercedes ist auch in der Pandemie Premiumklasse. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

SAP stürzt ab

Die Aktie von SAP hat am Montag den stärksten Kurseinbruch seit 1996 verzeichnet. Nachdem der Unternehmenssoftware-Konzern seinen revidierten Ausblick vorgestellt hatte, fiel der Kurs um bis zu 22,6%. Angesichts der Corona-Entwicklung hat SAP die Umsatzprognose für das laufende Jahr gesenkt und erwartet zudem, dass das Betriebsergebnis (Non-IFRS) in den nächsten zwei Jahren stagnieren oder leicht zurückgehen wird. Zuletzt lagen die Titel rund 18% im Minus. Oddo sagte, man könne in der SAP-Aktualisierung kaum positive Nachrichten finden, JPMorgan und Exane senkten ihre Empfehlungen für die Aktie. Auf Bloomberg TV sagte Finanzvorstand Luka Mucic, dass er mit einem anhaltend herausfordernden Umfeld rechne.

Firmen geht der Optimismus aus

Nach einem halben Jahr schrittweiser Verbesserungen sehen die deutschen Unternehmen die wirtschaftliche Erholung wieder pessimistischer. Der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts ist zum ersten Mal seit sechs Monaten gesunken und lag mit 92,7 im Oktober knapp unter der Ökonomen-Schätzung. “Die Unternehmen blicken deutlich skeptischer auf die Entwicklung in den kommenden Monaten”, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest in einer Mitteilung. In ganz Europa verhängen die Regierungen bereits strengere Maßnahmen und nähern sich damit der Art von Lockdowns, die während der ersten Corona-Welle zu beobachten waren. Die Ifo-Zahlen dürften die Aktienmarktschwäche beschleunigen und in den kommenden Tagen und Wochen Gelder in deutsche Rentenpapiere treiben, schreibt Richard Jones im Markets Live Blog.

Pandemie-Sorgen lasten auf Europas Aktien

Die europäische Aktien fielen aufgrund von Anzeichen, dass die Pandemie der Wirtschaft anhaltend schadet. So stehen einige Länder der nördlichen Hemisphäre nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation vor einem “gefährlichen Moment”. Zweifel an der Fähigkeit der beteiligten US-Akteure in Washington, in absehbarer Zeit ein neues Konjunkturpaket zu verabschieden, lasteten ebenfalls auf dem Markt. Die SAP-Meldungen lösten Verluste bei anderen Technologieaktien aus und bescherten dem europäischen Stoxx-Tech-Index den größten Ein-Tages-Rückgang seit März. In Deutschland fielen Jungheinrich nach einer Herabstufung bei H&A. Bayer stiegen um bis zu 1,5%, nachdem sich die Leverkusener bereit erklärt hatten, das US-Biotech-Unternehmen Asklepios BioPharmaceutical für bis zu 4 Milliarden Dollar zu kaufen. Lufthansa drehten nach Verlusten von bis zu 6,3% in den positiven Bereich.

Merkel hat ‘kein so gutes Gefühl’

Bundeskanzlerin Angela Merkel bereitet die Deutschen auf weitere tiefgreifende Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie vor. Es “stehen uns sehr, sehr schwere Monate bevor”, sagte Merkel laut Bild-Zeitung am Sonntagabend in einem internen Gespräch mit den Fraktionschefs der Bundesländer. “So kann es nicht weitergehen”, fügte sie hinzu. Mit Blick auf das nächste Koordinationstreffen mit den Regierungschefs der Länder am Freitag sagte Merkel, sie “habe kein so gutes Gefühl”. Bei der letzten Zusammenkunft hatte Merkel sich mit ihrer Forderung nach strengeren Regeln nicht durchsetzen können. Am Samstag war bei den Neuinfektionen erstmals die Marke von 20.000 überschritten worden. Danach ging die Zahl auf mehr als 8.000 zurück, was vermutlich mit Meldeverzögerungen am Wochenende zu tun hatte. Ihren Parteitag im Dezember hat die CDU abgesagt.

Mercedes ist auch in der Pandemie Premiumklasse

Daimler zeige nicht nur mit der Hinterachslenkung in der neuen Mercedes S-Klasse eine beeindruckende Manövrierfähigkeit, sondern auch wenn es darum geht, den Hindernissen der Pandemie auszuweichen, meint Bloomberg-Kolumnist Chris Bryant. Die Finanzprognose für das Gesamtjahr wurde angehoben, nachdem die Stuttgarter im Quartal Juli bis September erstaunliche 5 Milliarden Euro freien Cash-Flow erwirtschafteten. Der nun erwartete Betriebsgewinn in etwa auf Höhe des Vorjahres zeige eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit. Die schnelle Erholung der Nachfrage nach Luxusautos sei zum Großteil dem China-Geschäft zu verdanken - und dem Umstand, dass die Mercedes-Kundschaft noch überwiegend Arbeitsplätze hat. Die darf sich auf Elektrosportwagen mit dem Stern freuen. Daimler und die deutschen Premium-Pendants dürften diesen Winter überstehen, so Bryants Fazit.

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