Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Rainer Buergin

(Bloomberg) -- Big Tech zeigt Pandemie die kalte Schulter, Corona trifft Eurozone hart, europäische Aktien zum Wochenschluss etwas fester, kühler Krieg mit China torpediert Londoner Entwicklungsprojekt, und auch Europa hat Elektroauto-Talent. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Big Tech zeigt Pandemie die kalte Schulter

Die größten US-Technologieunternehmen florieren während einer Pandemie, die ihren Geschäftsmodellen nützt und gleichzeitig einem Großteil der restlichen Wirtschaft schadet. Der Online-Marktplatz Amazon.com, das Social-Media-Unternehmen Facebook, der iPhone-Hersteller Apple und die Google-Mutter Alphabet übertrafen mit ihren Quartalszahlen allesamt die Erwartungen. “Im Moment gehört die Welt Big Tech und alle anderen zahlen Miete”, sagte Dan Ives von Wedbush Securities. Während die CEOs der vier Unternehmen bei einer Anhörung im US-Repräsentantenhauses am Mittwoch noch die Marktmacht ihrer Firmen heruntergespielt hatten, belegten die Ergebnisse anschaulich, warum sie zum Ziel einer Untersuchung geworden sind. Kartellrechtliche Maßnahmen sind nicht weniger wahrscheinlich geworden.

Corona trifft Eurozone hart

Die Wirtschaft des Euroraums ist im zweiten Quartal um den Rekordwert von 12,1% eingebrochen, wie Eurostat am Freitag mitteilte. Spanien war mit einem Rückgang von 18,5% am stärksten betroffen, Frankreich und Italien verzeichneten Rückgänge von jeweils mehr als 12%. Weiter östlich konnten die Folgen der Pandemie besser eingegrenzt werden. Deutschlands BIP schrumpfte um 10,1%, Tschechien verzeichnete einen Rückgang um 8,4%, was besser war als der Median einer Bloomberg-Umfrage unter Ökonomen. In Großbritannien müssen mehr als 4 Millionen Menschen in einem großen Teil Nordenglands an strengere Sperrvorschriften halten, nachdem es dort einen neuen Anstieg der Coronavirus-Fälle gab. In Deutschland stieg die Zahl der Neuansteckungen auf fast 1.000. Die Infektionsrate lag über der kritischen Marke von eins.

Europäische Aktien zum Wochenschluss fester

Europäische Aktien legten moderat zu, da die Gewinne amerikanischer Technologiegiganten die Stimmung inmitten düsterer Wirtschaftsdaten und eines wiederauflebenden Virus hoben. Tech-Aktien zogen den Stoxx Europe 600 Index nach oben, selbst nachdem Frankreich und Spanien wirtschaftliche Rekordkontraktionen verzeichneten. “Es ist schockierend, egal wie man es betrachtet”, sagte Randy Frederick vom Schwab Center for Financial Research. “Das Virus verschlimmert sich in vielen Gebieten, und einige Orte haben wieder mit Abschottungen begonnen”. In Deutschland gehörten MTU und Krones zu den Gewinnern. ProSieben stürzten nach Quartalszahlen zweistellig ab.

Kühler Krieg mit China torpediert Londoner Entwicklungsprojekt

Der chinesische Präsident und der britische Premierminister waren anwesend, als vor fünf Jahren das Vorhaben aus der Taufe gehoben wurde, 14 Hektar verlassenes Londoner Flussufer in eine zweite Canary Wharf zu verwandeln. Nun, im Gefolge von Brexit und einer Belastung der chinesisch-britischen Beziehungen, ähnelt die Vision eines Finanzzentrums voller chinesischer Unternehmen einer Fata Morgana. Die Gebäude stehen fast alle leer. Die britische Entscheidung, Huawei aus dem 5G-Netz herauszuhalten, und die Hongkong-Frage haben eine neue Zeit der Feindseligkeit zwischen den beiden Mächten eingeläutet. “Dies ist eine weitere Ära des Kalten Krieges, der wir uns stellen müssen”, so Tobias Ellwood, Vorsitzender des Verteidigungsausschusses des britischen Parlaments, gegenüber Bloomberg TV.

Auch Europa hat Elektroauto-Talent

Als Nikola Corp. im Juni den Handel an der Nasdaq aufnahm, kletterte das in Phoenix ansässige Unternehmen schnell auf eine Bewertung von fast 30 Milliarden Dollar. Der Marktwert hat sich seitdem gedrittelt - was immer noch üppig ist für ein Unternehmen, das mit seinen projektierten elektrischen schweren Lkw bislang keine Umsatz macht. Dabei stützt sich die Gründung von Trevor Milton, einem 38-jährigen amerikanischen Hochschulabbrecher, stark auf die Expertise des alten Kontinents. So hat Bosch etwa den Elektroantrieb mitentwickelt. Wenn Europa über diese Expertise verfügt, warum hat es dann keine Herausforderer für die US-Startups? In München will Sono Motors das erste rundum mit Photovoltaikzellen bestückte Elektroauto auf den Markt bringen. Ohne eine wirkliche Ingenieursausbildung machte sich Laurin Hahn, heute 26, zusammen mit Freunden daran, klimaneutrale Mobilität anzubieten. Im Vergleich zu den USA gestaltet sich die Finanzierung deutlich schwieriger.

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