Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Rainer Buergin

(Bloomberg) -- Verfassungsgericht sieht nur geringe Mängel bei QE, Schwedens Corona-Weg zahlt sich aus, Europäische Aktien geben Gewinne ab, Norwegian Cruise bietet Inseln als Sicherheit, und Pandemie macht Nazis. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Verfassungsgericht sieht nur geringe Mängel bei QE

Deutschlands Verfassungsrichter haben die EZB von dem Vorwurf exkulpiert, sie betreibe mit ihrem billionenschweren Ankauf von Staatsanleihen der Euro-Mitgliedstaaten monetäre Staatsfinanzierung. Den von den Klägern vorgebrachten Vorwürfen - und der Einschätzung hochrangiger ehemaliger Notenbanker - schlossen sie sich damit nicht an. Grundgesetzwidrig sei allerdings, dass Bundesregierung und Bundestag die Beschlüsse nicht geprüft hätten, was vom früheren CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler, einem der Kläger, bemängelt worden war: “Die richtungsweisenden Entscheidungen sollten von Leuten getroffen werden, die gewählt werden und auch wieder abgewählt werden können”, sagte er gegenüber DPA. Bunds fielen nach Verkündung des Urteils, holten einen Teil der Verluste aber wieder auf.

Schwedens Corona-Weg zahlt sich aus

Schwedens Wirtschaft schrumpfte im ersten Quartal weit weniger als die vieler anderer EU-Staaten, wie aus Zahlen des schwedischen Statistikamtes hervorgeht, die eine erste wirtschaftliche Einschätzung der umstrittenen Covid-19-Reaktion des Landes ermöglichen. Demnach ist das BIP im Vergleich zum Vorquartal um 0,3% geschrumpft, Ökonomen hatten einen Rückgang um 1% erwartet. Die Wirtschaftsleistung Schwedens wird genau beobachtet, nachdem das Land vergleichsweise entspannt auf die Coronavirus-Pandemie reagierte. Die Eurozonen-Wirtschaft stürzte im selben Zeitraum um 3,8% ab. Schweden zählte zuletzt 22.721 Infektionen und 2769 Tote. In Deutschland gab es zum fünften Mal in Folge einen Rückgang bei den Neuinfektionen, die Gesamtzahl stieg auf 166.152. Die Zahl der Todesfälle erhöhte sich auf 6993.

Europäische Aktien geben Gewinne ab

Die europäischen Aktien haben nach Verkündung des Verfassungsgerichts-Urteils einen Teil ihrer Gewinne wieder abgegeben. Der Stoxx Europe 600 Index lag gegen Mittag um 1,2% im Plus, alle 19 Industriegruppen gewannen. Eine Erholung der europäischen Aktien von einem Tiefstand im März hatte in den letzten Sitzungen an Schwung verloren, da neue Spannungen zwischen den USA und China und düstere Daten zu Risikoscheu bei den Anlegern führten. “Das wiedergewonnene Kursniveau ist kein Hinweis auf die relative Stärke der europäischen Aktienmärkte, sondern einfach auf den nachlassenden Verkaufsdruck zurückzuführen”, sagte Andreas Lipkow, ein Stratege der Comdirect Bank. Eine Entwarnung für die Märkte könne noch nicht gegeben werden. Im Dax gehörten Vonovia nach Vorlage von Zahlen zu den Gewinnern. Beiersdorf, deren Marken unter der Pandemie leiden, gehörten zu den größten Verlierern.

Norwegian Cruise bietet Inseln als Sicherheit

Norwegian Cruise Line will unterrichteten Kreisen zufolge Anleihen von bis zu 750 Millionen Dollar begeben, um den Stillstand des Reisegeschäfts während der Coronavirus-Pandemie zu bewältigen. Die neuen Papiere könnten mit Sicherheiten wie Inseln und Schiffen unterlegt werden und seien bereits auf großes Interesse bei Investoren gestoßen, hieß es. Das Unternehmen hat Kreuzfahrten bis mindestens 30. Juni ausgesetzt und verbrennt monatlich bis zu 150 Millionen Dollar an Liquidität. Lufthansa, die etwa eine Million Euro pro Stunde verliert, sieht laut CEO Carsten Spohr in diesen Tagen ihrem Schicksal entgegen. Knackpunkt in den laufenden Verhandlungen um ein Rettungspaket von bis zu 12 Milliarden Euro ist laut Kreisen der zukünftige Einfluss des Staates. Womöglich fürchtet Spohr eine Alitaliasierung.

Pandemie macht Nazis

Neben dem Versailler Vertrag und der Weltwirtschaftskrise 1929 ist nun auch die von 1918 bis 1920 wütende Spanische Grippe als ein Bestimmungsfaktor für den Aufstieg des Nationalsozialismus identifiziert worden. In einem Papier der New Yorker Federal Reserve heißt es, dass die Städte mit den meisten Todesopfern einen Rückgang der Sozialausgaben verzeichneten und dass “die Grippetodesfälle von 1918 mit einem Anstieg des Stimmenanteils der Rechtsextremen korreliert sind”, auch nach Bereinigung anderer lokaler Einflussfaktoren. “Die durch die Grippepandemie von 1918-1920 verursachten Todesfälle haben die deutsche Gesellschaft tiefgreifend geprägt”, schreibt Ökonom Kristian Blickle, warnt aber gleichzeitig zur Vorsicht bei der Interpretation der Studienergebnisse. Angesichts der globalen Wachstumsverluste und steigender Arbeitslosigkeit hat IWF-Chefin Kristalina Georgieva die Staaten aufgefordert, so viel wie möglich auszugeben, um die Folgen des Virusausbruchs einzudämmen.

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