Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Rainer Buergin

(Bloomberg) -- Trump versucht es mit Selbstmedikation, ZEW spiegelt Pandemie-Optimismus wider, Europas Aktien können Anfangsgewinne nicht halten, Merkel unterstützt 500-Milliarden-Euro-Geschenk, und Großbritannien macht mit Freihandel Ernst. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Trump versucht es mit Selbstmedikation

US-Präsident Donald Trump nimmt seit etwa anderthalb Wochen Hydroxychloroquin, das Anti-Malaria-Medikament, das er zur Bekämpfung der Coronavirus-Infektion anpreist. Und das trotz Warnungen einer Regierungsbehörde, dass es schwerwiegende Nebenwirkungen wie Herzrhythmusstörungen verursachen kann. Der Weltgesundheitsorganisation hat er angedroht, die Finanzierung dauerhaft einzufrieren, wenn sie keine weitreichenden Reformen durchführt. In einem Brief forderte Trump die Organisation auf, “ihre Unabhängigkeit von China zu demonstrieren”. Die WHO habe “durchweg glaubwürdige Berichte” über den Ausbruch im chinesischen Wuhan ignoriert, diesen “verspätet” zum öffentlichen Gesundheitsnotstand erklärt und sei “unerklärlicherweise gegen” seine Entscheidung gewesen, Reisen aus China einzuschränken, so Trump.

ZEW spiegelt Pandemie-Optimismus wider

Die Investoren sind zunehmend zuversichtlicher, dass sich die deutsche Wirtschaft nach einer Lockerung der Abschottungsmaßnahmen in der zweiten Jahreshälfte erholen wird. Der ZEW-Indikator, der die Erwartungen der Investoren für die nächsten sechs Monate misst, kletterte auf 51,0, den höchsten Stand seit fünf Jahren, und lag über allen Prognosen in einer Bloomberg-Umfrage. Die Einschätzung der aktuellen Lage fiel auf den niedrigsten Stand seit 2003. In Deutschland haben sich in den zurückliegenden 24 Stunden lediglich 182 Menschen neu mit dem Coronavirus angesteckt, der niedrigste absolute Anstieg seit 31. März. Die Reproduktionszahl lag am Montag bei 0,91.

Europas Aktien können Anfangsgewinne nicht halten

Europäische Aktien konnten ihre Anfangsgewinne nicht halten, da Anleger zyklische Aktien wie Bergbau- und Bauaktien verkauften und düstere Pkw-Verkaufszahlen die Autotitel belasteten. Der Stoxx 600 Index fiel, da der Optimismus über das EU-Hilfspaket und Hoffnungen auf einen Coronavirus-Impfstoff überschattet wurden. Trotz des Anstiegs vom Montag bleiben einige Anleger weiterhin vorsichtig. Marija Veitmane, Senior Multi-Asset-Strategin bei State Street Global Markets, sagte, Europa habe weniger profitable Unternehmen und die Gewinnspannen seien viel niedriger. “Wenn ich unter den regionalen Aktien wählen müsste, denke ich, dass europäische Aktien wahrscheinlich ganz unten auf dieser Liste stehen würden”, sagte Veitmane. Im Dax führten Wirecard die Liste der Verlierer an, Reisetitel konnten sich dem Abwärtstrend entziehen.

Merkel unterstützt 500-Milliarden-Euro-Geschenk

Deutschland und Frankreich schlagen einen 500 Milliarden Euro umfassenden Fonds vor, der Zuschüsse an die von der Coronavirus-Pandemie am härtesten getroffenen EU-Mitgliedstaaten auszahlen soll. Hierzu soll es eine Schuldenaufnahme über den EU-Haushalt geben. Mit der von Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstützten Maßnahme sei der “Rubikon überschritten”, um den finanziellen Schaden der Pandemie gemeinsam zu schultern, schreibt Bloomberg-Kolumnist Ferdinando Giugliano. Zwar werde der Fonds als eine außerordentliche, einmalige Einrichtung präsentiert, könnte aber der Keim einer Fiskalunion sein. Der Plan - der wegen des Widerstands von Staaten wie den Niederlanden und Österreich längst nicht in trockenen Tüchern ist- würde etwas Druck von der EZB nehmen, heißt es bei BI. Das Schuldenproblem der Eurozone sei so groß, dass es von der EZB nicht gelöst werden könne.

Großbritannien macht mit Freihandel Ernst

Großbritannien hat einen Entwurf seines Zollregimes für die Zeit nach dem Brexit vorgelegt, in dem Einfuhrzölle auf viele Produkte gesenkt und Bereiche wie die Automobilindustrie und die Landwirtschaft geschützt würden. “Unser neuer globaler Zolltarif wird den britischen Verbrauchern und Haushalten zugute kommen, indem er Bürokratie abbaut und die Kosten für Tausende Produkte des täglichen Bedarfs senkt”, sagte Handelsministerin Liz Truss. Etwa 60% der britischen Importe wären im Rahmen des Plans zollfrei, verglichen mit 47% derzeit. Artikel wie Geschirrspüler, Gefriertruhen und Weihnachtsbäume sollen ab dem 1. Januar zollfrei eingeführt werden können. Die Gespräche über die künftigen Beziehungen zur EU sind indessen ins Stocken geraten, und es gibt kaum Anzeichen für Fortschritte vor einem Juni-Termin, bei dem entschieden werden soll, ob weiter verhandelt wird.

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