Fünf Themen des Tages: EZB hinter der Kurve, Japan-Mauerspecht

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(Bloomberg) -- Markt zieht EZB-Straffungserwartungen vor, China-Risiko unterbewertet, europäische Aktien fallen, Microsoft ist Apple auf den Fersen, und ein Japaner will Mauern im Kopf einreißen. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

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Markt zieht EZB-Straffungserwartungen vor

Händler am Geldmarkt haben nach der gestrigen EZB-Sitzung ihre Erwartungen für den Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung seit mehr als zehn Jahren vorgezogen. Statt im Dezember wird nun im Oktober nächsten Jahres eine Anhebung des Zinssatzes für die Einlagefazilität gesehen, und zwar um 20 Basispunkte auf minus 0,3%. Inmitten steigender Inflationserwartungen hatte Präsidentin Christine Lagarde Zinsanhebungswetten zwar zurückgewiesen, jedoch nur halbherzig. Der Rat habe Lagarde hierzu geraten, heißt es aus informierten Kreisen. Angesichts großer Unsicherheit über den Ausblick könne eine offensive Abfuhr nach hinten losgehen, hieß es. Unterdessen haben von der EZB befragte Prognostiker ihre Inflationsprognosen nur moderat angehoben, auf 2,3% für 2021, 1,9% für 2022 und 1,7% für 2023.

China-Risiko unterbewertet

Aktienkurse nahe Rekordniveaus könnten ein Hinweis darauf sein, dass die Märkte die von China ausgehenden Risiken nicht richtig einschätzen. Eine große Herausforderung sei Chinas Null-Covid-Strategie, die Lieferketten-Engpässe und Handelsunterbrechungen erwarten lasse, heißt es bei Manulife Asset Management. China bemüht sich derzeit mit harten Maßnahmen, die Ausbreitung des Virus einzudämmen, was sich in PMIs, Handels- und Produktionszahlen niederschlagen könnte. Daimler rechnet aufgrund der Chipknappheit nun mit einem Rückgang der Fahrzeugverkäufe dieses Jahr. Bis Ende Juli war noch ein deutlicher Anstieg vorausgesagt worden. Dank Priorisierung der lukrativsten Modelle soll das Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern dennoch deutlich über dem des Vorjahres liegen.

Europäische Aktien fallen

Die europäischen Aktien gaben zum Wochenschluss nach und schmälerten damit ihren besten Monatsgewinn seit März. Der Stoxx Europe 600 Index lag gegen Mittag rund 0,5% im Minus, wobei Technologie- und Versorgeraktien am stärksten nachgaben. Europäische Aktien sind weniger als 1% von ihrem Rekord entfernt, nachdem sie im Oktober rund 4% zugelegt hatten. “Die Berichtssaison des dritten Quartals zeigt, dass es eine starke Nachfrage in der Weltwirtschaft und insbesondere nach Technologiedienstleistungen gibt, aber die Gewinnmargen stehen aufgrund steigender Inputkosten für Rohstoffe und Löhne unter Druck”, sagte Peter Garnry von der Saxo Bank. “Das wird ein neues und viel schwierigeres Umfeld für Aktien schaffen”. In Deutschland fielen Fresenius Medical nach einer Senkung des Ausblicks durch Branchenkollege DaVita. Qiagen profitierten von Übernahmespekulationen.

Microsoft ist Apple auf den Fersen

Apple und Amazon stehen vor einem kombinierten Marktwert-Verlust von mehr als 180 Milliarden Dollar, nachdem die Technologieriesen eine schwierige Weihnachtssaison angekündigt und enttäuschende Ergebnisse vorgelegt hatten. Apple waren vorbörslich in den USA bis zu 3,8% im Minus, Amazon fast 5%. Der Kursrückgang des iPhone-Herstellers bringt Microsoft auf Kurs, nach Börsenwert das größte börsennotierte Unternehmen der Welt zu werden. “Wenn man nach Sicherheit in der Technologiebranche sucht, scheint mir Microsoft eine sicherere Wette zu sein als Apple”, sagte Michael Matousek von U.S. Global Investors. Unterdessen hat sich Facebook in Meta Platforms umbenannt und seine Unternehmensidentität damit von seinem sozialen Netzwerk entkoppelt. Ark hat Facebook-Aktien gekauft.

Ein Japaner will Mauern im Kopf einreißen

Ken Suzuki war beeindruckt, als er 1989 Berlin besuchte. Der damals 14-Jährige befand sich auf einem Schulausflug in die damals geteilte Stadt. Der in Japan geborene Suzuki ging wegen der Arbeit seines Vaters etwa ein Jahr lang in Düsseldorf zur Schule. Auf dem Weg nach Ostberlin kam er an einer Gedenkstätte für eine Familie vorbei, die beim Fluchtversuch erschossen worden war. Hätten sie ein paar Monate gewartet, dachte er, wären sie nicht tot. In jenem November fiel die Mauer. “Es war ein riesiger Schock”, sagte Suzuki in einem Interview. “Es brachte mich zum Nachdenken darüber, warum es solche absurden Mauern geben muss”. Mauern im Kopf will Suzuki mit seiner App SmartNews einreißen. Ein Algorithmus soll eine unparteiische Mischung von Informationen liefern, damit Leser nicht nur das zu lesen bekommen, was ihre Überzeugungen bestätigt. Mit der Funktion “Nachrichten von allen Seiten” können sie politische Nachrichten sowohl von der linken als auch von der rechten Seite des Spektrums lesen. Sein Startup hat eine Bewertung von 2 Milliarden Dollar erhalten und ist eines der wertvollsten in Japan.

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