Fünf Themen des Tages: Extragewinne, Flash-Crash, Weinaktie

(Bloomberg) -- BP steckt Russland weg, Citi verursacht Flash-Crash, europäische Aktien steigen, Weinaktie als Kriegsbarometer, und Europa entdeckt Afrika. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

BP steckt Russland weg

BP bucht eine Wertberichtigung von 26 Milliarden Dollar und schreibt einen Nettoverlust von 20 Milliarden Dollar im ersten Quartal - und die Aktie legt am Dienstag um bis zu 3,7% zu. Dabei half ein angekündigter Aktienrückkauf und ein “außergewöhnliches” erstes Quartal für das Öl- und Gashandelsgeschäft. Zuvor waren schon bei Exxon Mobil, Chevron und TotalEnergies die Nettogewinne - ohne russlandbedingte Abschreibungen - zusammen mit Öl- und Gaspreisen in die Höhe geschossen. Italien will solche unerwarteten Geschenke abschöpfen und hat die dafür eingeführte Sondersteuer von 10% auf 25% angehoben. Dies sei negativ für die Branche, aber von den Auswirkungen her begrenzt, heißt es bei Analysten. Ein Hilfspaket in Höhe von 14 Milliarden Euro soll italienische Firmen und Verbraucher unterstützen.

Citi verursacht Flash-Crash

“Heute Morgen ist einem unserer Händler bei der Eingabe einer Transaktion ein Fehler unterlaufen”. Das teilte die Citigroup am Montagabend mit, nachdem ein Flash Crash die schwedische Börse gebeutelt hatte. Der Fauxpas des Händlers in London, der den OMX Stockholm 30 um bis zu 8% absacken ließ, könnte für Citi ins Geld gehen. Die Nasdaq erklärte, dass sie keine auf den nordischen Märkten getätigten Geschäfte stornieren werde. Die Handelsabteilungen hätten mit einer seit Jahrzehnten nicht mehr gesehenen Volatilität zu kämpfen, so CEO Jane Fraser. Die Negativität am US-Aktienmarkt sei mittlerweile so groß, dass eine Erholung nicht mehr lange auf sich warten lassen dürfte, heißt es bei den Strategen von JPMorgan Chase. Im Gegensatz dazu sieht Morgan Stanley weitere Rückgänge im S&P 500.

Europäische Aktien steigen

Die europäischen Aktien erholten sich nach dem Flash-Crash vom Vortag, da die Schnäppchenkäufer zurückkehrten und die Anleger ihre Aufmerksamkeit auf die Sitzung der Federal Reserve richteten. Der Stoxx 600 Europe Index stieg gegen Mittag um rund 0,6%, angeführt von Energie und Banken. “Das Hauptereignis der Woche ist die morgige Fed-Sitzung, und ich habe den Eindruck, dass der Markt jetzt gut vorbereitet ist und den Schritt vorweggenommen hat”, sagte Alberto Tocchio von Kairos Partners. “Die globale Positionierung ist jetzt sehr negativ und ähnelt den Bedingungen, die wir vor der technischen Rallye im März 2022 hatten. All diese Signale deuten darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit einer Umkehr mit einer weiteren technischen Erholung ähnlich wie im März hoch ist”. In Deutschland stiegen Dürr nach besser als erwarteten Aufträgen im ersten Quartal. Covestro fielen nach gesenktem Ausblick.

Weinaktie als Kriegsbarometer

Als einziges im Ausland notiertes moldauisches Unternehmen ist Purcari Wineries ein Barometer für die Risikostimmung in der kleinen ehemaligen Sowjetrepublik. Einen Steinwurf von der ukrainischen Grenze entfernt produziert Purcari unter anderem einen Schaumwein, der letztes Jahr zu den zehn besten der Welt gehörte. Nicht zuletzt wegen der Lage ihrer Weinberge verloren die Purcari-Aktien zu Beginn des Krieges in der Ukraine rund 40% ihres Wertes. “Eine Wette auf Purcari ist eine Wette auf den Krieg”, so COO Eugen Comendant. Während US-Präsident Joe Biden heute einen Besuch bei Lockheed Martin - Hersteller der Javelin-Panzerabwehrrakete - nutzen will, um seiner Forderung nach mehr Waffen für die Ukraine Nachdruck zu verleihen, wird Premierminister Boris Johnson vor dem ukrainischen Parlament die “finest hour” der überfallenen Nation preisen. Die Churchill-Reminiszenz überbringt er virtuell.

Europa entdeckt Afrika

Die EU will die Zusammenarbeit mit afrikanischen Ländern intensivieren, um die Importe von russischem Erdgas zu ersetzen. Insbesondere Staaten in Westafrika - Nigeria, Senegal und Angola - böten ein weitgehend ungenutztes Potenzial für Flüssigerdgas, wie aus dem Entwurf eines EU-Dokuments hervorgeht, in das Bloomberg Einblick hatte. Die europäischen LNG-Terminals sind derzeit voll und einige arbeiten über ihrer geplanten Kapazität. Dennoch bleibt der Markt aufgrund der russischen Forderung nach Rubelzahlungen für im April geliefertes Gas angespannt. Der Füllstand der deutschen Erdgasspeicher stieg per 1. Mai auf 35%, verglichen mit einem 5-Jahres-Durchschnitt von 44%. Die österreichischen Lagerbestände waren mit 20% prozentual am niedrigsten.

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