Fünf Themen des Tages: Erdogan drückt Lira, Knast für Ex-Banker

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(Bloomberg) -- Anleger setzen auf Inflationssommer, Erdogan versenkt Lira, europäische Aktien steigen, Briten wollen EU-gleichem Handelsraum beitreten, und Knast für Ex-Banker. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Anleger setzen auf Inflationssommer

Anleger auf der ganzen Welt scheinen sich auf einen teuren Sommer einzustellen, heißt es im Markets Live Blog. ETFs, die vor Inflation schützen oder gegen Staatsanleihen wetten, verzeichneten in diesem Jahr Zuflüsse in Höhe von umgerechnet gut 17 Milliarden Euro. Ein Vanguard-ETF, der 0-5-jährige inflationsindexierte US-Bonds abbildet, war am beliebtesten: Das deutet darauf hin, dass die Anleger kurzfristigen Preisanstieg erwarten. Allerdings zeichnet der Renditeaufschlag für deutsche 30-jährige Papiere gegenüber 2-jährigen kein Bild einer überbordenden Erholung, verglichen mit dem Nachhall der Finanzkrise 2008. Den Notenbankern in Frankfurt stehen wohl trotzdem heiße Monate bevor, in denen sie sehr genau schauen werden, ob der Anker der Inflationserwartungen hält oder reißt.

Erdogan versenkt Lira

Die erneute Forderung des türkischen Präsidenten nach Zinssenkungen hat die Lira auf ein Tief gegenüber dem Dollar gestürzt und den Druck auf den Zentralbank-Gouverneur erhöht, trotz hoher Inflation die Zügel zu lockern. Mit einem vagen Verweis auf die Sommermonate als Wunschdatum war dies Recep Tayyip Erdogans jüngste Verbal-Intervention bei der Zentralbank. Erst im März hatte er deren neuen Chef Sahap Kavcioglu eingesetzt, nachdem der Amtsvorgänger wegen einer zu straffen Politik in Ungnade gefallen war. Der Präsident vertritt die unorthodoxe Überzeugung, dass niedrigere Kreditkosten die Produktion verbilligen und so dazu beitragen, die Inflation zu verlangsamen. Die Lira ist der schlechteste Performer unter Währungen aus Schwellenländern in diesem Jahr und hat alleine nach dem Austausch des Notenbankchefs mehr als 16% eingebüßt.

Europäische Aktien steigen

Die europäischen Aktien stiegen am Mittwoch, befeuert von Energieaktien, die durch den Ölpreisanstieg Auftrieb erhielten. Der Stoxx Europe 600 Index lag gegen Mittag um rund 0,3% im Plus. Während sich die Volkswirtschaften weiterhin von der Pandemie zurückkämpfen, suchen Händler nach neuen Signalen, ob sich dieses Wachstum in Inflation übersetzt. Als nächstes stehen am Freitag die US-Arbeitsmarktdaten an, die Hinweise darauf geben dürften, ob die Federal Reserve ihre monatlichen Asset-Käufe zurückfahren wird. “Investoren würden einen Anstieg des Lohnsummenwachstums als Zeichen dafür sehen, dass die Fed sich eher bewegen wird”, sagte Lauren Goodwin von New York Life Investments. In Deutschland stiegen Beiersdorf nach einer Anhebung bei Berenberg.

Briten wollen EU-gleichem Handelsraum beitreten

Die Mitgliedsstaaten eines Pazifik-Handelsabkommens haben Großbritannien am Mittwoch den Beitrittsprozess ermöglicht. Hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Größe würde die Handelszone nach japanischen Angaben dann mit der EU gleichziehen. Das Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership besteht aus 11 Staaten von Australien über Kanada und Mexico bis Vietnam. Die USA und China gehören nicht dazu. Dem britischen Außenhandel könnte der Beitritt laut BI-Analyst Mike Dennis Schub geben. Die Mitgliedschaft “wird dazu beitragen, unseren wirtschaftlichen Schwerpunkt weg von Europa hin zu schneller wachsenden Teilen der Welt zu verlagern und unseren Zugang zu massiven Verbrauchermärkten im asiatisch-pazifischen Raum zu vertiefen”, sagte Liz Truss, die britische Ministerin für internationalen Handel. Jüngst hatte China Beitrittsinteresse gezeigt.

Knast für Ex-Banker

Ein ehemaliger Banker der MM Warburg & Co. wurde vom Landgericht Bonn zu einer Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren verurteilt. Der Angeklagte Christian S., der sich wegen mutmaßlicher Cum-Ex-Geschäfte mit einem Steuerschaden von 326 Millionen Euro verantworten musste, wurde am Dienstag vom Landgericht Bonn der Steuerhinterziehung in fünf Fällen für schuldig befunden. Die Staatsanwaltschaft hatte zehn Jahre beantragt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Verteidigung wird Berufung einlegen. Der Mann soll laut Anklageschrift die rechte Hand des damaligen Warburg-Chefs Christian Olearius gewesen sein und gewusst haben, dass die umstrittenen Deals nicht in Ordnung waren. Bei Cum-Ex-Deals wurden Aktien gehandelt, um Steuerrückerstattungen auf Dividendenzahlungen doppelt einzustreichen. Cum-Ex-Transaktionen haben den Steuerzahler womöglich mehr als 10 Milliarden Euro gekostet, gegen mehr als 1.000 Beschuldigte aus der Finanzbranche wird deutschlandweit ermittelt.

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