Fünf Themen des Tages: Dollar, Digitalgeld, Daytrader, Despot

(Bloomberg) -- Dollar dominiert, digitale Dekreszenz, europäische Aktien fallen, Daytrader desillusioniert, und Despot deliriert. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Dollar dominiert

Im Zuge des Krieges in der Ukraine und zunehmender Stagflationsrisiken in Europa werden Devisenhändler den Euro nach unten prügeln und erstmals seit fast zwei Jahrzehnten auf Parität gegenüber dem Dollar drücken. So sehen es 60% der Teilnehmer an der jüngsten MLIV Pulse-Umfrage. Derzeit notiert der Euro auf dem niedrigsten Stand seit Anfang 2017. Die US-Arbeitsmarktzahlen vom Freitag trieben die Renditen von US-Bonds in die Höhe und gaben Anlegern einen weiteren Grund, Gelder in die Leitwährung der Welt umzulenken. Die Anziehungskraft des Dollars wird durch die aggressive Haltung der Fed verstärkt, während die EZB die steigende Inflation noch laufen lässt. Stagflation sei nicht das Basisszenario der Notenbank für den Euroraum, sagte Präsidentin Christine Lagarde. Selbst Falken im EZB-Rat sind für Trippelschritte.

Digitale Dekreszenz

Auch Bitcoin kommt bei der weltweiten Flucht aus riskanteren Anlagen unter die Räder und ist auf ein Niveau abgesackt, auf dem die Kryptowährung zuletzt im Juli 2021 stand. Zuletzt handelte der digitale Token bei rund 33.600 Dollar. “Angesichts der Befürchtungen über steigende Inflation haben die meisten Anleger einen Risk-Off-Ansatz gewählt und sowohl Aktien als auch Kryptowährungen verkauft”, so Darshan Bathija von der Kryptobörse Vauld. Der Vermögenswert, der weniger anfällig für die Politik der Zentralbanken sein sollte, scheint genauso an der Fed zu hängen wie alles andere auch. In Frankfurt sackten die Aktien des Krypto-Miners und Betreibers von Hochleistungsrechenzentren Northern Data um bis zu 9,4% auf den niedrigsten Stand seit März 2020.

Europäische Aktien fallen

Die europäischen Aktien sind aufgrund von Sorgen über das Wirtschaftswachstum schwächer in die Woche gestartet. Der Stoxx Europe 600 Index lag gegen Mittag 1,3% im Minus, wenn auch vom Tagestief erholt. Technologiewerte führten den Rückgang an. “Die schlechten Nachrichten häufen sich für Europa”, so Esty Dwek von Flowbank. “Die europäischen Aktien hatten sich bis letzte Woche erstaunlich gut gehalten, so dass es nicht überrascht, dass sie unterdurchschnittlich abschnitten, als die schlechten Nachrichten sie einholten”. In Deutschland fielen Adidas nach Senkungen des Kursziels bei Analysten. Infineon sanken trotz einer leichten Anhebung der Prognose für das laufende Jahr.

Daytrader desillusioniert

Die guten Zeiten für die oft in Rudeln auftretenden Daytrader der Pandemie-Ära sind vorbei. Nach einer Schätzung von Morgan Stanley haben die Amateuranleger, die zu Beginn der Lockdowns eingestiegen waren, ihre einst stolzen Gewinne im Jahr 2022 vollständig wieder abgegeben. “Viele von ihnen begannen mit dem Handel direkt um Covid herum, so dass ihre einzige Erfahrung mit Investitionen der verrückte, von der Fed angeheizte Markt war”, so Matthew Tuttle von Tuttle Capital Management. “Das änderte sich mit dem Schwenk der Fed im November, aber das war ihnen nicht bewusst, weil sie noch nie einen Markt gesehen hatten, der nicht von der Fed gestützt wurde”. Scheinbar fahren die Daytrader nicht mehr so sehr auf den Markt ab. Im April lagen Käufe von Kleinanlegern auf dem zweitniedrigsten Stand seit Ende 2020.

Despot deliriert

Die Nato habe Bedrohungen an der Grenze Russlands aufgebaut und der Westen habe eine Invasion seines Landes und der Krim vorbereitet, sagte Präsident Wladimir Putin heute auf dem Roten Platz in Moskau. Daher sei die militärische “Spezialoperation” in der Ukraine eine notwendige und rechtzeitige Maßnahme. Bei der traditionellen Militärparade zum Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutschland fehlte gleichwohl, was westliche Sicherheitsexperten als weiteren Eskalationsschritt ins Spiel gebracht hatten: eine formelle Kriegserklärung an die Ukraine, mit der eine Massenmobilisierung in Russland und stärkerer militärischer Druck auf die Ukraine möglich gewesen wäre. Am Vorabend hatte Bundeskanzler Scholz anlässlich des Jahrestags der deutschen Kapitulation eine Rede gehalten, die er nach Ansicht etlicher Kommentatoren in dieser Form besser unterlassen hätte.

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