Fünf Themen des Tages: China-Revolte, Italien-Risiko, Melnyk

(Bloomberg) -- Revolte gegen Null-Covid, Italien-Risiko auf Zweijahreshoch, europäische Aktien fallen, Melnyk will sich nicht entschuldigen, und Dubai lockt als Krypto-Hub. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Revolte gegen Null-Covid

In der bevölkerungsreichsten “demokratischen Diktatur” der Welt gärt es. Chinas Führungsspitze hat davor gewarnt, Präsident Xi Jinpings Null-Covid-Strategie - die vom Ziel her auch in Deutschland ihre Fans hat - in Frage zu stellen. Sie reagiert damit auf Forderungen, die Maßnahmen wegen der damit verbundenen wirtschaftlichen Schäden, von denen Adidas ein Lied singen kann, zu lockern. Der Ständige Ausschuss des Politbüros gelobte am Donnerstag “gegen jede Äußerung vorzugehen, die die Covid-Kontrollpolitik unseres Landes verzerrt, in Frage stellt oder ablehnt”. Die Maßnahmen seien “wissenschaftlich und effektiv”. Die Notwendigkeit eines ausgewogenen Wirtschaftswachstums wurde nicht erwähnt. “Die Covid-Prävention ist zu einem Kampf geworden, den Xi nicht verlieren darf”, so Deng Yuwen, Ex-Redakteur einer KP-Zeitung.

Italien-Risiko auf Zweijahreshoch

Mit dem absehbaren Ausstieg der EZB aus ihrer Politik der Haushaltsstützung ist der Risikoaufschlag zehnjähriger Staatsanleihen aus Italien gegenüber Bunds erstmals seit Mai 2020 auf über zwei Prozentpunkte geklettert. Sein dreizehntägiger Anstieg war im bis 1993 zurückreichenden Datenraum beispiellos. Die EZB hat signalisiert, die Ankäufe von Staatsanleihen oft hochverschuldeter Staaten - wie Italien - womöglich im Juli auslaufen zu lassen. Zudem stehen Zinserhöhungen im Raum. Irgendwann. Bei der Citi geht man von einer weiteren Spreadausweitung Richtung 225 Basispunkte in den kommenden Monaten aus, bei der Commerzbank von 240 Basispunkten im zweiten Halbjahr. Die EZB muss also ein Werkzeug basteln, um dem Vertrauensverlust zu kontern, den sie “Fragmentierung” nennt.

Europäische Aktien fallen

Die europäischen Aktien haben am Freitag ihre Verluste ausgeweitet und damit nach dem gestrigen Ausverkauf an der Wall Street den schlimmsten Wochenrückgang seit zwei Monaten erlitten. Der Stoxx 600 Index lag gegen Mittag rund 1,3% im Minus, wobei Konsumgüter, Einzelhandel und Immobilien zu den größten Verlierern gehörten. “Wir befinden uns in einer schwierigeren Phase, die für politische Entscheidungsträger, Unternehmen und Haushalte eine große Herausforderung darstellt”, sagte Arnab Das von Invesco. Der Markt frage sich, wie der Weg zu einer weichen Landung aussehen könnte. In Deutschland stieg SAF-Holland nach Erhöhung der Umsatzprognose. Krones stiegen nach besser als erwarteten Zahlen.

Melnyk will sich nicht entschuldigen

Der Deutschlandfunk hat den ukrainischen Botschafter in Deutschland zum Kotau eingeladen, aber der hat dankend abgelehnt. „Es geht nicht darum, dass man sich entschuldigt – es geht darum, dass eine richtige Politik gemacht wird“, sagte Andrij Melnyk im Interview. Zuvor waren bei einem Telefonat der Präsidenten beider Länder “Irritationen aus der Vergangenheit ausgeräumt” worden. Vor höherrangigen persönlichen Gesprächen soll nun zunächst Außenministerin Annalena Baerbock nach Kiew reisen. In einem greifbaren Akt der Solidarität bestätigte unterdessen Verteidigungsministerin Christine Lambrecht, dass die Bundesregierung sieben Stück Panzerhaubitze 2000 liefern und ukrainische Soldaten an der selbstfahrenden Artillerie ausbilden werde. Von der Front im Osten gibt es unterdessen scheinbar nichts Neues.

Dubai lockt als Krypto-Hub

Im Schatten des Burj Al Arab Hotels in Dubai trafen Ende März Krypto-Manager auf emiratische Royals, Wall Street Banker und Instagram-Influencer. Die Festivitäten wurden von Binance Holdings in der De-facto-Heimat der Krypto-Handelsplattform organisiert, den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die haben sich schnell zu einem globalen Zentrum für digitale Währungen entwickelt und wurden bereits als “Wall Street der Kryptowährung” tituliert. Die Euphorie ist so groß, dass einheimische Banker, Anwälte und Tech-Manager über einen Karrierewechsel nachdenken, um zu profitieren. “Wir sehen ein großes Interesse von Mitarbeitern traditioneller Finanzinstitutionen, die für uns arbeiten wollen”, sagte Binance-Regionalchef Richard Teng in einem Bloomberg-Interview in Dubai. “Wir rekrutieren gerade einige von ihnen.” Unterdessen ist Bitcoin aufgrund von Sorgen über die Zinspolitik der Fed auf den niedrigsten Stand seit Februar gefallen. Die Korrelation mit dem S&P 500 und dem Nasdaq 100 erreichte neue Rekorde.

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