Fünf Themen des Tages: China-Maßnahmen, EDF, Euro-Friktionen

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(Bloomberg) -- VW leidet unter China-Maßnahmen, Energiepolitik versenkt EDF, europäische Aktien fallen, britische Wirtschaft größer als vor Corona, und Inflation legt Euro-Schwächen frei. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

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VW leidet unter China-Maßnahmen

VW ist das jüngste Opfer unter den Automobilherstellern, die von harten Maßnahmen der chinesischen Führung zur Eindämmung des Coronavirus in Tianjin betroffen sind. Eine Fabrik in der 14-Millionen-Stadt, die von dem Joint Venture mit FAW betrieben wird, ist seit Montag geschlossen, ebenso wie ein Getriebelieferant, der von den Wolfsburgern kontrolliert wird. Der Omikron-Ausbruch in China sorgt für Turbulenzen in den Lieferketten, da Produktion und Versand durch strenge Eindämmungsmaßnahmen gestört werden. Unterdessen sitzt mindestens ein Dutzend hochrangiger Banker mit Sitz in Hongkong - in den Diensten von Riesen wie Goldman Sachs und Bank of America - weltweit fest, weil das Finanzzentrum den Flugverkehr lahmgelegt hat. Auch dort soll es Omikron an den Kragen gehen - mit Chinas Null-Covid-Strategie.

Energiepolitik versenkt EDF

Drei Monate vor den Präsidentschaftswahlen zwingt Präsident Emmanuel Macron den Stromversorger Electricite de France, mehr Strom mit heftigem Preisnachlass zu verkaufen. Da dieser Schritt den mehrheitlich im Staatsbesitz befindlichen Energieversorger fast 8 Milliarden Euro kosten könnte, stürzte die Aktie um bis zu 25% ab, ein Rekord. Die Aktionäre, welche Aktien aus dem Streubesitz halten - knapp 20% der Anteile - dürften über die Privatisierung der Verluste nicht amüsiert sein. Angesichts einer wahrscheinlichen Kapitalerhöhung empfiehlt JPMorgan Chase, “die Aktie bis auf weiteres zu meiden”. Da EDF auch noch seine Atomstrom-Produktionsprognose um rund 8% gesenkt hat, schnellte der deutsche Stromkontrakt für Februar um bis zu 22% nach oben. Die Reaktoren des weltgrößten Produzenten von Kernenergie sind für Europa unerlässlich.

Europäische Aktien fallen

Die europäischen Aktien fielen zum Wochenschluss und schlossen sich damit dem gestrigen Rückgang in den USA an, nachdem die Federal Reserve die Erwartungen für eine Zinserhöhung zur Bekämpfung der Inflation erhöht hatte. Der Stoxx Europe 600 verlor gegen Mittag rund 0,6%, angeführt vom Technologiesektor. Energie und Automobilhersteller schnitten besser ab. “Wir rechnen mit niedrigeren, aber immer noch positiven Renditen an den Märkten in diesem Jahr und einer höheren Volatilität, bis das Bild der Inflation und der Pandemie klarer wird”, so Charlotte Ryland von CCLA Investment Management. Die meisten Strategen gehen davon aus, dass sich die Rallye der europäischen Aktien in diesem Jahr fortsetzt und erwarten neue Höchststände. In Deutschland stiegen SAP nach Vorlage vorläufiger Zahlen. Software AG fielen nach einer Herabstufung bei Goldman.

Britische Wirtschaft größer als vor Corona

Die britische Wirtschaft war im November erstmals größer als vor der Pandemie und verzeichnete ein überraschend starkes Wachstum. Ökonomen erwarten für Dezember und Januar aber einen Rückgang, da danach die Omikron-Variante zuschlug. Diese verursacht laut einer neuen Studie aus Südafrika weniger schwere Erkrankungen als der Delta-Stamm - selbst bei Personen, die nicht geimpft sind oder keine frühere Infektion durchgemacht haben. Auch unter Berücksichtigung früherer Infektionen war das Sterberisiko in der vierten Welle um 25% niedriger als in der dritten. Der britische Gesundheitsminister Sajid Javid wird den Impfnachweis noch in diesem Monat abschaffen, da die Omikron-Welle abflaut, berichtet die Times. Damit bliebe es dann womöglich nur noch bei der Maskenpflicht in geschlossenen Räumen.

Inflation legt Euro-Schwächen frei

Die jüngsten Mitglieder des Euroraums bereuen den Beitritt zum Währungsblock nicht - obwohl er ihnen auch erhebliche Nachteile einbrockt. In Estland erreichte die Inflation im Dezember mit 12,2% den höchsten Stand seit zwei Jahrzehnten. Litauen schnitt nicht viel besser ab mit einer Rate, die mehr als doppelt so hoch war wie die von 5% in der Eurozone. Auf Hilfe von der Geldpolitik dürfen die Balten in nächster Zeit nicht hoffen. EZB-Chefvolkswirt Philip Lane - das dritttaubigste Ratsmitglied laut ITC Markets - bekräftigte am Dienstag, dass eine Zinserhöhung im Jahr 2022 “höchst unwahrscheinlich” sei. Die vergemeinschaftete Geldpolitik bedeutet, dass die Währungshüter in diesen unterdurchschnittlich reichen Teilen der Eurozone nicht wie jene in Polen und Ungarn Maßnahmen ergreifen können, um einkommensschwache Bevölkerungsteile zu schützen. Wenn wir unsere eigene Geldpolitik hätten, “würden wir wahrscheinlich dasselbe tun wie Polen und die Zinssätze anheben”, sagte Martins Abolins, ein Ökonom bei der Citadele Banka in Riga. In Lettland sind die Verbraucherpreise im letzten Monat um 7,9% gestiegen. Mit den Folgen der im Frankfurter Ostend getroffenen Entscheidungen müssen nun die nationalen Finanzpolitiken klarkommen.

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