Fünf Themen des Tages: Burnout der Banker, Herdenimmunität trügt

Rainer Buergin
·Lesedauer: 4 Min.

(Bloomberg) -- Credit Suisse baut wegen Archegos vor, Cerberus war an Wirecard interessiert, europäische Aktien steigen, Burnout wird zum Pandemie-Problem, und Herdenimmunität ist ein flüchtiger Traum. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Credit Suisse baut wegen Archegos vor

Die Credit Suisse hat für das erste Quartal mit 4,4 Milliarden Franken eine deutlich höhere Risikovorsorge berichtet, als von Analysten erwartet worden war. Um ihre Kapitalposition zu stärken, sammelt die Bank mehr als 1,8 Milliarden Franken über zwei Serien von Pflichtwandelanleihen ein. Dadurch soll die Kernkapitalquote auf rund 13% von derzeit 12,2% steigen. Diskussionen um das Kapital der Bank seien jetzt vom Tisch, sagte CEO Thomas Gottstein in einem Bloomberg-Interview, was auch BI-Analysten so sehen. Durch den Zusammenbruch von Archegos Capital Management sei für das zweite Quartal mit einer weiteren Belastung von 600 Millionen Franken zu rechnen, hatte die Bank mitgeteilt. Der Nettoverlust im ersten Quartal von 252 Millionen Franken lag hingegen unter der Schätzung von 760 Millionen Franken.

Cerberus war an Wirecard interessiert

Cerberus Capital Management hat nach Auskunft von Finanzstaatssekretär Jörg Kukies im vergangenen Jahr die Bundesregierung kontaktiert, um Interesse an einer möglichen Übernahme der strauchelnden Wirecard AG zu bekunden. Kurz nachdem das inzwischen kollabierte Zahlungsunternehmen im Juni 2020 mitgeteilt hatte, dass 1,9 Milliarden Euro in der Bilanz wahrscheinlich nicht existierten, sei die Kontaktaufnahme erfolgt, sagte Kukies am Mittwoch vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss. Das Finanzministerium habe damals geprüft, ob staatliche Kredite vergeben werden sollten, um Teile des Unternehmens vor dem endgültigen Zusammenbruch zu retten, die Option dann aber schnell verworfen, so Kukies. Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde vor einer China-Reise, bei der sie Lobby-Arbeit für die Firma betrieb, von Seiten des Ministeriums nur selektiv über die Vorgänge rund um Wirecard informiert.

Europäische Aktien steigen

Europäische Aktien stiegen vor der EZB-Sitzung, angespornt von starken Unternehmensgewinnen. Der Stoxx Europe 600 Index lag gegen Mittag um rund 0,5% im Plus. Technologie- und Nahrungsmittel- und Getränkesektoren gehörten zu den größten Gewinnern. Der Index hat in diesem Monat Rekordhöhen erreicht, da die Impfungen voranschreiten und die Fiskal- und Geldpolitik in der gesamten Region locker bleibt. EZB-Präsidentin Christine Lagarde wird am Nachmittag wahrscheinlich sagen, dass die Zentralbank die Finanzierungsbedingungen günstig halten und der Wirtschaft helfen will, während die Pandemie anhält. “Die Gewinnzahlen waren ein Lichtblick, mit einigen bemerkenswerten Ausnahmen”, sagte Michael Hewson von CMC Markets. Nestle legten zu, nachdem das Unternehmen ein mehr als doppelt so hohes Umsatzwachstum als von Analysten erwartet gemeldet hatte. In Deutschland kletterten SAP auf ein Sechsmonatshoch nach Bestätigung der Jahresziele.

Burnout wird zum Pandemie-Problem

JPMorgan Chase stockt seine Reihen im Investmentbanking um fast 190 Mitarbeiter auf. Es ist Teil der Wall-Street-Bemühungen, die Belastung für Junior-Banker, die während der Pandemie mit Arbeit überschwemmt werden, zu verringern. Die größte US-Bank hat weltweit 65 Analysten und 22 Mitarbeiter an Bord geholt und plant die Einstellung von 100 weiteren Bankern und Hilfskräften. Die UBS will mit einem neuen Beförderungsbonus für Junior-Banker Burnout vermeiden, berichtet Financial News unter Verweis auf ein internes Memo. Letztlich ist es Sache der Betroffenen, Lehren aus einer Arbeitsüberlastung zu ziehen, die in 12-Stunden-Tagen und nicht enden wollenden Zoom-Konferenzen gipfelt, wie der Fall von Jonny Frostick zeigt, bei dem es erst eines Herzinfarkts bedurfte, bevor er auf die Bremse trat.

Herdenimmunität ist ein flüchtiger Traum

Seit Beginn der Pandemie wird weltweit darüber diskutiert, wann Herdenimmunität gegen Covid-19 erreicht ist. In der populären Vorstellung ist der Begriff zum Kürzel für das Ende der Pandemie geworden. Da sich das Coronavirus jedoch als unerbittlich, unberechenbar und mutationsfähig erwiesen hat, gehen Spitzenforscher davon aus, dass eine nur langsame, allmähliche Verbesserung mit vielen Rückschlägen das realistischere Szenario für das Covid-Endspiel darstellt - trotz potenter Impfstoffe wie die von Moderna und BioNTech/Pfizer. Nach den spektakulären Ergebnissen der Impfstoff-Studie Ende letzten Jahres “hatte ich gedacht, dass wir in der zweiten Hälfte des Jahres 2021 einen ziemlich normalen Lebensstil sehen würden”, sagt der Virologe David Ho von der Columbia University. Die Explosion der Varianten habe seinen Optimismus hinsichtlich eines schnellen Endes der Pandemie nun gedämpft. In Deutschland liegt die Impfquote bei 29%, verglichen mit 67% in Großbritannien und 65% in den USA.

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