Fünf Themen des Tages: Biden vs. Russen-Gas, Cash für Wurstkönig

Rainer Buergin
·Lesedauer: 4 Min.

(Bloomberg) -- Greensill schuldet Softbank, Astra-Vakzin wird doch verimpft, europäische Aktien zu Wochenschluss mit Verlusten, Biden knöpft sich Nord Stream 2 vor, und der “Wurstkönig“ will Kasse machen. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Greensill schuldet Softbank

Softbank zeichnet sich als mit Abstand größter Gläubiger von Greensill Capital ab. Informierten Kreisen zufolge schuldet das kollabierte Unternehmen dem japanischen Telekom- und Medienkonzern umgerechnet rund 750 Millionen Euro. Die erste Gläubigerversammlung fand am heutigen Freitag statt. Fast eine Stunde lang konferierten Vertreter von 59 Gläubigern, zudem der Bundesverband deutscher Banken sowie Aufsichtsbehörden aus Deutschland und Australien. Bislang wurden nach Angabe des Insolvenzverwalters Grant Thornton Forderungen über mehr als 1,14 Milliarden Euro von 34 Gläubigern eingereicht. Das inkludiert noch keine Forderungen von Beschäftigten. Bei Tokio Marine droht ein höher als erwarteter Schaden. Bei einem für den 22. April angesetzten Treffen sollen die Gläubiger über die Zukunft von Greensill abstimmen.

Astra-Vakzin wird verimpft

Impfungen mit dem Wirkstoff des Herstellers AstraZeneca werden in Deutschland wieder aufgenommen. Die Sicherheit und Qualität des Wirkstoffs wurde laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bestätigt. Trotz “seltener, aber schwerwiegender Ereignisse” nach Verabreichung sei es riskanter, den Impfstoff nicht zu verwenden. In Deutschland gab es laut Paul-Ehrlich-Institut zwölf Fälle von Sinusvenenthrombosen. Alle traten bei Frauen auf, zwei davon verliefen tödlich. Ein ähnlich gelagerter Fall bei einem Mann verlief ebenfalls tödlich. Die Neuinfektionen in Deutschland sind zuletzt auf den höchsten Wert seit zwei Monaten gestiegen und die Sieben-Tage-Inzidenz von derzeit 95,6 nähert sich der kritischen Schwelle von 100. Am Montag wollen Bund und Länder nächste Schritte im Kampf gegen die Pandemie beschließen.

Europäische Aktien verlieren

Europäische Aktien zeigten sich Freitagmittag mit Verlusten, belastet durch Sorgen über Inflation und Verzögerungen bei der Einführung von Impfstoffen, was die wirtschaftliche Erholung in der Region beeinträchtigen könnten. Der Stoxx Europe 600 Index fiel um rund 0,4%, wobei billige und zyklische Aktien einen breiten Rückzug unter den Sektoren anführten. Energieaktien fielen am stärksten, gefolgt von Bergbauunternehmen und Banken. Techaktien verloren im Zuge von Verlusten des Nasdaq 100. Versorger, die als Ersatz für Anleihen gelten, stiegen am stärksten. “Die Anleiherenditen sind in letzter Zeit gestiegen, was die Attraktivität von Aktien schmälert, da einige Investoren ihre Gelder in Anleihen umleiten”, sagte David Madden von CMC Markets. “Außerdem sind die Aktienmärkte hoch bewertet - eine einfache Ausrede, um Long-Positionen zu reduzieren.” In Deutschland verloren Covestro nach einer bekräftigten Verkaufempfehlung der UBS, GEA legten nach einer Heraufstufung durch die Bank zu.

Biden knöpft sich Nord Stream 2 vor

Die Biden-Regierung erwägt zusätzliche Sanktionen, um den Bau der zweiten Gaspipeline zwischen Russland und Deutschland auf den letzten Metern zu verhindern. Dabei könnte die Muttergesellschaft des Projekts, Nord Stream 2 AG, ins Visier geraten, heißt es aus informierten Kreisen. Sanktionen könnten im Rahmen eines Zwischenberichts erfolgen, in dem am Projekt beteiligte Firmen aufgelistet würden. Kongressabgeordnete beider Parteien haben den Druck auf die Regierung erhöht, die Daumenschrauben anzuziehen. Präsident Joe Biden hat den Kurs der USA gegenüber Russland im Vergleich zu Donald Trump deutlich verschärft. Auf Bidens Vorwurf, er sei ein Mörder, entgegnete der russische Präsident Wladimir Putin sinngemäß, man müsse schon selbst einer sein, um einen zu erkennen. Er wünschte dem 78-Jährigen “gute Gesundheit.”

Der ‘Wurstkönig’ will wohl Kasse machen

Die Tönnies-Brüder stehen offenbar kurz davor, den familieneigenen Fleischverarbeitungsbetrieb zu verkaufen, der vor einem Jahr wegen eines Coronavirus-Ausbruchs in die Schlagzeilen geraten war. Die Holding aus Rheda-Wiedenbrück prüfe seit Monaten Optionen und bereite ihr Zahlenwerk für einen Verkaufsprozess auf, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen. Einen Verkauf könnte bis zu 4 Milliarden Euro einbringen, heißt es. Als Käufer kämen vor allem große US-Rivalen in Frage, aber auch Unternehmen aus Brasilien und China. Ein Tönnies-Sprecher wollte sich nicht äußern. Geschäftsführer Clemens Tönnies, auch als “Wurstkönig” bekannt und oft als ruppiger Milliardär beschrieben, erntete harsche Kritik für schlechte Bezahlung und prekäre Arbeitsverhältnisse in seinen Fabriken. Als Aufsichtsratschef von Schalke 04 musste er nach Protesten von Fußballfans zurücktreten.

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