Fünf mutmaßliche Kontaktleute von Berlin-Attentäter Amri in Italien festgenommen

Anschlag auf dem Breitscheidplatz

Die Polizei in Italien hat Medienberichten zufolge am Donnerstag fünf mutmaßliche Kontaktleute des Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri festgenommen. Wie die Nachrichtenagentur Agi berichtete, ist unter den Verdächtigen ein Tunesier aus Latina südlich von Rom, der Amri den Ermittlern zufolge gefälschte Ausweispapiere für seine Flucht besorgen wollte. Weitere Razzien gab es demnach in Rom, Caserta, Neapel, Matera und Viterbo.

Die italienische Polizei wirft den Festgenommen den Berichten zufolge "internationalen Terrorismus", Bildung einer kriminellen Vereinigung zur Urkundenfälschung und Beihilfe zur illegalen Einwanderung vor.

Der Tunesier Anis Amri hatte am 19. Dezember 2016 bei einem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche zwölf Menschen getötet und fast 70 weitere verletzt. Nach vier Tagen auf der Flucht wurde Amri am 23. Dezember bei einer Polizeikontrolle im Großraum Mailand erschossen.

Bei Razzien gegen mutmaßliche Amri-Unterstützer hatte die italienische Polizei schon Ende Dezember 2016 zwei Wohnungen in dem Ort Aprilia südöstlich von Rom durchsucht, in denen sich Amri ein Jahr zuvor aufgehalten haben soll. Medienberichten zufolge hatte der Tunesier in Aprilia mehrere Wochen bei einem Landsmann verbracht, den er als Bootsflüchtling auf der Mittelmeerinsel Lampedusa kennengelernt hatte.

Bevor Amri 2015 nach Deutschland kam, hatte er mehrere Jahre lang in Italien gelebt. Auf Sizilien saß er eine vierjährige Haftstrafe wegen Brandstiftung, Körperverletzung und Diebstahls ab.

Die Grünen-Fraktion im Bundestag kritisierte nach Bekanntwerden der Festnahmen am Donnerstag die Bundesregierung für ihren Umgang mit dem Fall Amri und forderte "umgehend und umfassend" Aufklärung

Die Annahme der Regierung, bei Amri habe es sich um einen "Kleinkriminellen, dessen terroristische Absichten nicht erkennbar gewesen wären" gehandelt, sei "falsch und irreführend", hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Konstantin von Notz und der innenpolitischen Sprecherin Irene Mihalic. Die neuen Erkenntnisse gäben Hinweise darauf, dass die deutschen Sicherheitsbehörden "verantwortlicher sein könnten, als bisher zugestanden".

Der italienische Ministerpräsident Paolo Gentiloni hatte nach den Razzien 2016 ausgeschlossen, dass Amri über ein Unterstützernetzwerk in Italien verfügte. Ein Anti-Terror-Staatsanwalt sagte dagegen, Attentäter erhielten in Italien durchaus "logistische Unterstützung" durch das "kriminelle Milieu".

Am Mittwoch hatte die Polizei in Turin einen aus Marokko stammenden Italiener festgenommen, der im Internet für den Dschihad geworben haben soll. Er soll versucht haben, sogenannte "einsame Wölfe" für Anschläge anzuwerben.

In der Wohnung des 23-Jährigen fanden die Ermittler Anleitungen für Attentate mit Messern und Lastwagen. Die Polizei durchsuchte zudem 13 Wohnungen von mutmaßlichen Kontaktleuten in mehreren italienischen Städte.