Fünf Mitarbeiter der türkischen Zeitung "Cumhuriyet" bleiben in Haft

Titelseite der "Cumhuriyet" vom Montag

Fünf Mitarbeiter der regierungskritischen türkischen Zeitung"Cumhuriyet" bleiben weiter in Haft. Ein Gericht in Silivri bei Istanbul lehnte am Montagabend den Antrag der fünf Angeklagten, darunter Chefredakteur Murat Sabuncu und Herausgeber Akin Atalay, auf Haftentlassung ab. Es handele sich um eine vorläufige Entscheidung, sagte der Vorsitzende Richter.

Den Mitarbeitern der Zeitung wird vorgeworfen, die Gülen-Bewegung sowie die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und die linksextreme DHKP-C zu unterstützen - nach Ansicht der Regierung in Ankara sind alle drei Terrororganisationen.

Eine weitere Anhörung in dem Prozess wurde für den 25. September angesetzt. Dann werde eine verbindlichere Entscheidung getroffen, teilte der Vorsitzende Richter mit.

Die Angeklagten wiesen die Vorwürfe in ihren Plädoyers zurück. Sie verwiesen darauf, dass die Zeitung die Bewegung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen ebenso wie die kurdischen Rebellen immer kritisiert habe. Die Zeitung wirft der Regierung vor, eine der letzten unabhängigen Blätter des Landes zum Schweigen bringen zu wollen.

Insgesamt sind in dem Prozess 17 Mitarbeiter und ehemalige Mitarbeiter der Zeitung angeklagt. Das Verfahren stößt auch international auf Kritik. So verlangte die US-Regierung die Freilassung aller Journalisten, die nach dem gescheiterten Putsch im vergangenen Juli "willkürlich" festgenommen worden seien. Sollten die Angeklagten verurteilt werden, drohen ihnen bis zu 43 Jahre Haft. Seit dem Putschversuch vor einem Jahr wurden in der Türkei mehr als hundert Journalisten inhaftiert und fast 150 Medien geschlossen.