Fünf Konzerte in Köln: Die unwirklich perfekte Welt der Helene Fischer

Die 33-Jährige ist zurzeit die erfolgreichste Künstlerin Deutschlands.

Der Alltag muss eigentlich draußen bleiben, wenn Helene Fischer die Bühne betritt. So war es auch, als sie am Dienstagabend die erste von fünf Shows in der Lanxess-Arena vor 15.000 Zuschauern spielte. Doch kurz vor Schluss verließ sie dann doch kurz ihre bunte, glitzernde, perfekte Welt und erinnerte an den schrecklichen Massenmord in Las Vegas. „In der Welt sieht es nicht gut aus, deshalb brecht euer Schweigen für mehr Respekt und Menschlichkeit, für Liebe und Frieden. Zeigen wir, wie sehr Musik verbindet.“

Es war der einzige Augenblick, in dem die Welt vor den Türen der Arena eine Rolle spielte. Die restlichen gut drei Stunden (mit Pause) gab es Helene Fischer und sonst nichts.

Alles, wofür ihre Fans sie lieben, hatte die 33-jährige Schlagerkönigin im Gepäck. Eine atemberaubende Live-Show mit faszinierenden Akrobatik-Einlagen – Fischer hat für die Show mit dem Cirque du Soleil zusammengearbeitet - Tänzer, Glitzer, wechselnde Kostüme und natürlich ihre Lieder. Anders als bei ihrer vorherigen Tournee verzichtete sie auf Cover-Versionen. Fischer, die bereits mehr als zwölf Millionen Tonträger verkauft hat, sang frühe Titel wie „Ich will immer wieder dieses Fieber spür’n“ und neue Hits wie „Nur mit dir“, zu dem sie zum Auftakt im knappen blauen Einteiler in die Halle schwebte.

Ihr Lieder, egal ob Ballade oder Aufforderung zum Discofox, drehen sich ohnehin immer um dieselben Inhalte: Glaub an dich, wag auch mal was! Vor allem aber geht es natürlich um die Liebe. Und was die angeht, vermittelt die aus Sibirien stammende Künstlerin erstaunlich gestrige Botschaften: Die Frau sitzt zu Hause und wartet darauf, gerettet zu werden.

Und sei es auch nur für eine Nacht: „Die Hölle morgen früh ist mir egal“, heißt es dann eben. Allein rausgehen? Um Himmels Willen. „Mit zerrissenen Jeans um die Häuser ziehn, das kann ich mit keinem anderen.“ Udo Jürgens wollte immerhin noch nach San Francisco. In der Helene-Fischer-Welt heißt ausbrechen, mal die Nacht durchzumachen.

Von allem ein bisschen

Das Konzept ist klar: Ihre Show hat von allem ein bisschen, so ist für jeden was dabei. Für die fünf Jahre alte Jana, die sie auf die Bühne holte, genauso wie für die zahlreichen Senioren in der Halle. Bemerkenswert ist, dass ihr Publikum sie offensichtlich trotz der beinahe unwirklichen Perfektion, die sich durch den Abend zog, authentisch fand. „Wer ist schon fehlerfrei?“ sang sie und man wollte ihr zurufen: „Du wahrscheinlich!“ Ihr gelingt anscheinend alles, sie singt, tanzt, turnt durch die Halle und die Show. Und schafft es sogar, würdevoll zu wirken, wenn sie auf der Bühne steht und ihr Rock ein Wasserfall ist. Mehr Kitsch geht nicht. Doch Fischer zog das alles völlig frei von Ironie durch – ebenso wie ihre Fans. Bei ihr sind große Gefühle endlich mal erlaubt, hier muss man sich nicht schämen, wenn man auf die große Liebe hofft.

Am Ende ihrer Auftaktshow in der Lanxess-Arena dankte sie dem Publikum für die Unterstützung: „Ihr seid richtige Jecken. Kölle Alaaf!“ Und natürlich entließ sie es „Atemlos“ in die Nacht. Schon am Mittwoch gehen die Helene-Fischer-Festspiele weiter....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta