Fünf Jahrzehnte nach Sprengung der Leipziger Universitätskirche Neubau eröffnet

Mit acht Jahren Verzögerung ist das neue Paulinum der Leipziger Universität feierlich eröffnet worden

Fast fünf Jahrzehnte nach der Sprengung der Leipziger Universitätskirche ist das sogenannte Paulinum feierlich eröffnet worden. Rektorin Beate Schücking sprach bei einem Festakt am Freitag von einem "besonderen historischen Moment". Die Sprengung der bis dahin unversehrten Kirche im Jahr 1968 sei für einen Großteil der Leipziger Bevölkerung "wie eine nicht heilende Wunde" gewesen und zugleich ein "babarischer Akt einer staatlichen Diktatur".

Die in modernem Stil mit einer Glasfassade errichtete Aula und Universitätskirche St. Pauli steht genau an der Stelle, wo die alte spätgotische Kirche auf Anweisung der SED-Regierung gesprengt worden war. Mit einer "Arroganz der Macht" sollte eine jahrhundertealte Tradition hinweggefegt werden, sagte Schücking. Dies aber habe letztlich auch Kräfte freigesetzt, die dazu beigetragen hätten, "dass wir heute in einem freien, wiedervereinigten Land leben", fügte sie mit Blick auf die Wende hinzu, zu der die friedlichen Massenproteste in Leipzig entscheidend beigetragen haben.

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) nannte die Eröffnung des Paulinums ein "unglaublich wichtiges und großartiges Zeichen". Die Zerstörung der Kirche habe sich im kollektiven Gedächtnis der Stadt eingebrannt.

Ursprünglich sollte das nach einem Entwurf des niederländischen Architekten Erick van Egeraat errichtete Paulinum bereits vor acht Jahren zum 600. Jubiläum der Universität fertig sein, es gab aber immer wieder Bauverzögerungen wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten von Baubeteiligten und wegen des aufwändigen Entwurfs etwa mit hängenden Glassäulen.

Der Neubau beherbergt zahlreiche vor der Vernichtung gerettete Kunstschätze. Dazu zählen der Paulineraltar aus der zerstörten Universitätskirche St. Pauli und zahlreiche Epitaphien, Grabmale Leipziger Universitätsgelehrter.

Bereits 2005 war mit dem Neubau des mitten im Leipziger Zentrum gelegenen Unicampus mit neuer Mensa sowie Seminar-, Institus- und Hörsaalgebäude begonnen worden. Er ersetzte den alten und zunehmend maroden DDR-Universitätskomplex. In den Campus am Leipziger Augustusplatz wurden nach Angaben der sächsischen Landesregierung seit 2002 insgesamt rund 255 Millionen Euro investiert.

Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) erklärte, das Paulinum könne "den Frevel der Sprengung nicht tilgen". "Aber er schließt eine Lücke in der Stadt und den Herzen ihrer Bewohner." Am Sonntag ist ein Festgottesdienst zur Einweihung der Universitätskirche geplant. Im Paulinum finden künftig auch akademische Veranstaltungen und Konzerte statt.