Ein Ex-Stuttgarter verzückt das leidgeplagte Liverpool

Vincent Wuttke
·Lesedauer: 3 Min.

Jürgen Klopp versteckte seine Begeisterung - wie gewohnt - nicht. Nach dem Abpfiff gegen West Ham lief der Manager des FC Liverpool zu Nathaniel Philips aufs Feld und herzte seinen Schützling. Dieser hatte zuvor in der Innenverteidigung überzeugt und die Reds zu einem knappen 2:1-Heimsieg geführt.

Später schwärmte Klopp. "Nat Philipps, wow! Ich könnte nicht zufriedener sein. Er war selbstbewusst, hat geliefert und ein wirklich gutes Spiel hingelegt. Er ist ein brillanter Kerl, klug, intelligent - alles." (SERVICE: Der Spielplan der Premier League)

Dabei war es für Philips das Debüt in der Premier League und er spielte nur, weil mit Virgil van Dijk, Joel Matip und Fabinho drei Stars in der Innenverteidigung fehlten. "Das ist unfassbar und etwas, von dem ich als Kind geträumt habe. Eine Chance zu bekommen, war etwas Großes für mich und meine Familie", verriet der gefeierte Held emotional. "Es ist ein Traum in Erfüllung gegangen." (SERVICE: Die Tabelle der Premier League)

Ist Philips der Ersatz für van Dijk?

Die Notsituation nutzte der 23 Jahre alte Engländer. Füllt er nun das Loch, das van Dijk mit seinem Kreuzbandriss hinterlassen hat?

Eine Liverpool-Legende traut es ihm zu. "Dieser Kopfball nach der Ecke kurz vor Abpfiff, als echter Leader aufzutreten: Das ist eigentlich van Dijks Rolle. Das war eine Schlüsselszene und hat Liverpool die drei Punkte gerettet. Diese Reife war beeindruckend", jubelte kein geringerer als Jamie Caragher bei Sky Sports.

Er fügte an: "Was er in der Luft ausrichten konnte: Das war genau das, was Fabinho und Gomez zuletzt haben vermissen lassen. Das hat Liverpool immer wieder große Probleme bereitet. Phillips hat sich auf jeden Fall erfolgreich ins Schaufenster gestellt".

Klopps Debütant mit Spitzenwerten

Mit neun klärenden Aktionen, davon sechs per Kopf, lieferte der Engländer Spitzenwerte. Sky Sports wählte ihn sogar zum "Man of the Match".

Für viele kam die Gala von Philips völlig überraschend - für Sven Mislintat nicht. Stuttgarts Sportdirektor sagte bereits vor einem Jahr bei den Stuttgarter Nachrichten über seinen damaligen Spieler: "Nat spielt klar von hinten raus, kommt ganz selten in Hektik. Er ist mutig und robust - und ist auch vom Charakter ein toller Junge." Deshalb wollte er den Innenverteidiger im Sommer wieder zum VfB holen.

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Bereits in der vergangenen Saison hatten die Schwaben den neuen Liebling von Klopp ausgeliehen und im Januar zwischenzeitlich für zwei Wochen an Liverpool zurückgegeben - wegen Personalengpässen der Reds. Philips lief 19 Mal in der Liga für den Aufsteiger auf und führte das Team mit starken Auftritten in die Bundesliga. Unter anderem blieben die Schwaben mit Philips sechs Mal in Folge ohne Gegentreffer.

Trotz der guten Bewerbung hatte der Sohn des ehemaligen Bolton-Profis Jimmy Philips im Sommer zum wiederholten Mal keine Zukunft bei Liverpool.

Stuttgart wollte Philips im Oktober haben

Das Eigengewächs der Bolton Wanderers kam 2016 zu den Reds. Damals lag ihm auch ein Angebot für ein Stipendium der University of North Carolina vor. Philips lehnte ab und ging zu Liverpool. Drei Spielzeiten absolvierte er dann in der Reserve, eine Saison bei Stuttgart.

Im Oktober stand Philips nach der Nicht-Berücksichtigung im Champions-League-Kader unmittelbar vor dem Abgang zu Stuttgart. "Ihm gefällt es dort sehr. Wahrscheinlich wird er zurückkehren", erklärte der gebürtige Stuttgarter Klopp dem Kicker. Nun führte der Manager nach dem Debüt aus: "Zwölf Mannschaften aus der Championship wollten ihn im Sommer. Ich hatte kein Problem damit, dass er geht, aber es hat aus irgendeinem Grund nicht geklappt."

"Es war in letzter Zeit merkwürdig, weil es so aussah, als würde ich gehen", sagte Phillips am Samstag. Er trauert einem Wechsel aber nicht nach - im Gegenteil: "Ich bin froh, dass es nicht geklappt hat, denn nun habe ich hier meine Chance bekommen."

Und die hat er so genutzt, dass er nun Klopps Lösung sein könnte. Am kommenden Samstag könnte das bisherige Karriere-Highlight auf Philips warten: Ein Startelf-Einsatz im Duell mit Manchester City.