Füllstand der Gasspeicher in Deutschland sinkt weiter auf 99,38 Prozent

Die Gasspeicher in Deutschland sind so voll wie noch nie. - Copyright: Picture Alliance
Die Gasspeicher in Deutschland sind so voll wie noch nie. - Copyright: Picture Alliance

Der Füllstand der Gasspeicher in Deutschland ist am Montag als Folge des kalten Wetters weiter auf 99,38 Prozent gefallen. Das waren 0,23 Prozentpunkte weniger als am Wochenende. Der Vorrat an Erdgas nahm auf 244,1 Terawattstunden ab. Das geht aus Daten hervor, die der europäische Gasspeicherverbandes GIE am Mittwochabend veröffentlichte.

Mit dem kalten Wetter hat das Ausspeichern begonnen. Der Rückgang vom Dienstag wer der bisher größte Tagesrückgang in dieser Heizperiode. Das ist auch nicht ungewöhnlich für diese Jahreszeit. In den vergangenen drei Jahren begann das Ausspeichern in den Kalenderwochen 41 bis 46. An diesem Montag begann die Kalenderwoche 47. In diesem Jahr hatten der lange Zeit milde Herbst und die Einsparungen bei Wirtschaft und Verbrauchern das Füllen der Speicher begünstigt.

Vor diesem Winter haben die rund 40 Untertage-Speicher in Deutschland eine besondere Bedeutung, da Russland kein Gas mehr über die Pipeline Nord Stream 1 liefert. Deutschland versucht die Lücke mit einem Mix aus vollen Speichern, Einsparungen beim Verbrauch sowie zusätzlichen Gaslieferungen über bestehende Pipelines aus Norwegen und vier neue Terminals für Flüssiggas-Schiffe auszugleichen.

Die Chancen, ohne einen Gasmangel durch den Winter zu kommen, haben sich in den vergangenen Wochen verbessert. Der Vorrat an Erdgas in den annähernd vollen Speichern war zu Beginn eines Winters noch nie so groß. Wirtschaft und Haushalte sparen bisher viel Gas. Auch beim Bau der Terminals für das Flüssiggas (LNG) gibt es Fortschritte. "Treten keine extremen Temperaturen auf, kommt Deutschland gut durch den Winter 2022/23", urteilte der Verband Initiative Energien Speichern (Ines).

In Wilhelmshaven wurde in der vergangenen Woche der erste Anleger für LNG-Schiffe mit Flüssiggas (LNG) fertiggestellt. Zudem ist das erste LNG-Schiff auf dem Weg zum Anleger in Lubmin. Der Chef der Netzagentur, Klaus Müller, sprach von einem "Doppelerfolg für die Versorgungssicherheit". Der LNG-Anleger sei fertig und die Gasspeicher seien "proppenvoll", schrieb Müller: "Diesen Schwung brauchen wir jetzt für den Ausbau Erneuerbarer Energien & ihrer Netze." Bevor über Wilhelmshaven in einigen Wochen LNG nach Deutschland importiert werden kann, sind noch Arbeiten wie die Fertigstellung einer Pipeline nötig.

Der aktuelle Vorrat in den Speichern von 244 Terawattstunden Gas allein reicht für den Verbrauch von etwa zwei bis zweieinhalb Wintermonaten. Zum Vergleich: Im Januar und Februar 2022 zusammen waren in Deutschland knapp 227 Terawattstunden Gas verbraucht worden.

Wie lange das Gas in den Speichern ausreicht, hängt davon ab, wie viel Gas über den Winter nach Deutschland kommt und wie viel verbraucht wird. Der Verbrauch wiederum hängt an den Temperaturen und dem Verhalten von Unternehmen und Haushalten.

Schon in der Kalenderwoche 45 war der Gasverbrauch um 10 Prozent zur Vorwoche gestiegen. Er lag aber immer noch um 33 Prozent unter dem Mittelwert der vier Vorjahre. Die 45. Kalenderwoche war um 1,7 Grad wärmer als in diesem Vergleichszeitraum. Die Netzagentur hat als Ziel ausgegeben, mindestens 20 Prozent zu sparen, damit Deutschland ohne Gasmangel durch den Winter kommt.

Die jüngsten Entwicklungen haben die Chancen dafür deutlich verbessert. Das geht aus Berechnungen sowohl der Netzagentur als auch des Gasspeicherverbandes Ines hervor. Neben den Einsparungen hätten vor allem zusätzliche Gasimporte und geringere Exporte im europäischen Gasverbund die Situation verbessert. Deutschland bezieht mehr Gas aus Norwegen über Belgien und die Niederlande. Seit Ende Oktober kommt auch Gas aus Frankreich nach Deutschland. Hinzu kommen die LNG-Terminals.

Die Netzagentur entscheidet im Falle eines Engpasses über die Rationierung von Gas. Dabei gibt es eine Reihenfolge, nach der zuerst viele Unternehmen von Einschränkungen betroffen wären. Das soll helfen, kritische Infrastruktur und auch die privaten Haushalte vor Einschränkungen zu schützen.

Mit Material von DPA