Tschad sieht in Putschversuch in Äquatorialguinea als Bedrohung für Region

Der Staatschef Äquatorialguineas, Teodoro Obiang Nguema

Der Putschversuch im zentralafrikanischen Äquatorialguinea gefährdet aus Sicht des Tschad die Stabilität der gesamten Region. Tschads Außenminister Mahamat Zen Cherif sprach am Rande eines Treffens mit Äquatorialguineas Staatschef Teodoro Obiang Nguema in der Hauptstadt Malabo am Donnerstag von einer "ernsthaften Bedrohung". Die Regierung von Äquatorialguinea hatte zuvor erklärt, ein Putsch durch ausländische Söldner an Heiligabend sei niedergeschlagen worden.

Die angestrebte "Destabilisierung" betreffe die gesamte zentralafrikanische Region, sagte Cherif. Der Chefdiplomat des Tschad rief "alle Länder in der Region" dazu auf, "ihre Bemühungen zu vereinen", um die Untersuchungen zu dem Vorfall zu voranzubringen.

Der Sicherheitsminister Äquatorialguineas, Nicolas Obama Nchama, hatte am Mittwoch erklärt, ausländische Söldner hätten am 24. Dezember versucht, "den Staatschef anzugreifen", der sich im Präsidentenpalast in der Grenzregion Ebibeyin aufgehalten habe. Die Söldner aus dem Tschad, dem Sudan und der Zentralafrikanischen Republik seien von "radikalen Oppositionsparteien" angeheuert worden. Bei ihren Putschplänen seien diese Parteien von "gewissen Mächten" unterstützt worden. Der Putschversuch sei mit Hilfe der Sicherheitsdienste aus dem Nachbarland Kamerun abgewehrt worden.

Die führende Oppositionspartei Äquatorialguineas, Bürger für den Fortschritt, bestritt jegliche Verwicklung in die Vorfälle. "Ich weiß nicht, was sie sich ausdenken werden, was sie konstruieren werden" nach dieser "Geschichte vom Putsch" sagte Parteichef Nse Obiang der AFP.

Das Staatsfernsehen TVEG berichtete über Zusammenstöße mit "Söldnern" nahe den Grenzen zu Kamerun und Gabun. Regierungstruppen hätten einen "Söldner" erschossen und weitere vertrieben. Um wie viele Kämpfer es sich handelte und wie lang die Kämpfe dauerten, wurde nicht berichtet.

"An den Grenzen wurden Sicherheitsmaßnahmen ergriffen", sagte ein Vertreter der gabunischen Regierung der AFP. Gabun arbeite dabei mit Kamerun und Äquatorialguinea zusammen.

Die ehemalige spanische Kolonie Äquatorialguinea gehört zu den größten Ölproduzenten Afrikas. Ein Großteil der 1,2 Millionen Einwohner lebt allerdings in Armut. Der 75-jährige Obiang ergriff 1979 die Macht im Land und ist der dienstälteste Staatschef des Kontinents. Die jüngsten Wahlen im November entschied seine regierende PDGE-Partei mit haushoher Mehrheit für sich, die Opposition war chancenlos.

Kritiker werfen Obiang brutale Unterdrückung seiner Gegner sowie Wahlbetrug und Korruption vor. In seiner 38 Jahre währenden Amtszeit hat er bereits eine Reihe von Putschversuchen überstanden.

Nach Bekanntwerden des Putschversuchs am Mittwoch vermeldeten verschiedene Quellen Festnahmen in Äquatorialguinea und Kamerun. So soll der Botschafter Äquatorialguineas im Tschad, Enrique Nsue Anguesom, am 30. Dezember in der Grenzregion Ebibeyin festgenommen worden sein, sagten ein Cousin des Diplomaten sowie ein ranghoher Polizeibeamter am Mittwoch.

Die kamerunische Polizei hatte bereits am 27. Dezember 38 schwerbewaffnete Männer an der Grenze zu Äquatorialguinea festgenommen, wie in Kamerun und Äquatorialguinea verlautete. Unter den Festgenommenen sei auch ein Ex-General aus dem Tschad, Mahamat Kodo Bani, verlautete es aus kamerunischen Sicherheitskreisen. Er werde in Kameruns Hauptstadt Jaunde festgehalten.

Facebook, Whatsapp und andere soziale Netzwerke wurden in Äquatorialguinea gesperrt. Ein Diplomat in der Region klagte über einen "Mangel an Transparenz" bei den Vorgängen.