„Ich fände es ungehörig, ohne Krawatte mit halb offenem Hemd einen Termin wahrzunehmen“: Schrauben-Milliardär Würth über Anstand und die junge Generation

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Reinhold Würth baute ab 1958 das Handelsunternehmen Würth zum internationalen Marktführer in der Befestigungs- und Montagetechnik auf.
Reinhold Würth baute ab 1958 das Handelsunternehmen Würth zum internationalen Marktführer in der Befestigungs- und Montagetechnik auf.

Reinhold Würth gehört heute mit einem Vermögen von 20,6 Milliarden US-Dollar zu den reichsten Menschen in Deutschland. Ab 1958 baute er das Handelsunternehmen Würth zum internationalen Marktführer in der Befestigungs- und Montagetechnik auf und gilt noch heute als Schraubenkönig von Deutschland. In einem Interview mit der "Zeit" spricht Würth über seinen Weg zum Erfolg, seinen Blick auf die nachkommenden Generationen und was ihm sein Unternehmerleben nicht erfüllen konnte.

"Ich spüre bis zum heutigen Tag die Verantwortung für über 80.000 Arbeitsplätze"

Würth hat sein gesamtes Leben hart gearbeitet, um das Unternehmen erfolgreich zu leiten. Er verließ früh die Schule und hat nie studiert. Schon im Alter von 14 Jahren fing er als Lehrling bei seinem Vater an, mit 16 Jahren war Würth bereits allein auf Verkaufsreisen in ganz Deutschland unterwegs. Über seine Zeit damals erzählt der mittlerweile 86-Jährige: "Ich war gewiss nicht selbstbewusst, ich war bescheiden." Aber das habe vielen Kunden gefallen, so Würth. Wahrscheinlich habe er deshalb manche Aufträge auch bekommen. Bis heute habe er diese Einstellung beibehalten, wenn er seine Geschäfte erledige.

Mit 19 Jahren verlor Würth seinen Vater und trug von da an die gesamte Verantwortung für das Unternehmen. Damals hatte er zwei Angestellte. Würths Tochter Bettina, 60 Jahre, übernahm zwar 2006 den Vorsitz des Beirats der Würth-Gruppe. Es sei ihm wichtig gewesen, dass seine Kinder ins Unternehmen einsteigen, sagt der Unternehmer im "Zeit"-Interview. Trotzdem ist Würth bis heute noch im Unternehmen tätig.

"Jüngere Generationen haben andere Startvoraussetzungen"

Auf die Generationen, die nach ihm kommen, blickt der Unternehmer kritisch. Er glaubt, mit den FDP-Erstwählern komme "hoffentlich eine kluge junge Unternehmergeneration" auf Deutschland zu. Aber er befürchtet, es könnte ihnen an Bescheidenheit fehlen: "Jüngere Generationen haben andere Startvoraussetzungen, mehr Gestaltungsmöglichkeiten, weniger Grenzen. Das darf einem aber nicht zu Kopfe steigen." Würth selbst versuche als Unternehmer nicht die Bodenhaftung zu verlieren: "Ich spreche auf Augenhöhe mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, ich laufe durchs Lager, ich packe mit an." Denn Arroganz sei der Teufel, so der Firmenpatriarch. Nur auf eine Förmlichkeit verzichtet er bis heute nicht gerne: "Ich lege großen Wert darauf, dass man zu wichtigen Terminen Krawatte trägt", so Würth. Für ihn sei das ein Zeichen des Anstands. Er finde es ungehörig, ohne Krawatte und mit halb offenem Hemd einen Termin wahrzunehmen, erzählt er.

Trotz seines erfüllten Unternehmerlebens bereue Unternehmer Würth auch manches, gesteht er im Interview: "Dass mir die viele Arbeit die Zeit für echte Freundschaften genommen hat, das bedaure ich."

JEL

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