Fährt die Bahn mit leeren Zügen? – Skurriler Streit mit den Lokführern

Die Deutsche Bahn fahre aktuell „heiße Luft“ durch die Gegend, behauptet GDL-Chef Claus Weselsky. Der Bahn-Vorstand kontert mit deutlichen Worten.

Die Deutsche Bahn fährt weiter, obwohl viele Passagiere derzeit zu Hause bleiben. Foto: dpa

Mit ungewöhnlicher Schärfe reagierte der Vorstand der Deutschen Bahn auf eine Attacke des streitbaren Lokführergewerkschafters Claus Weselsky. Der GDL-Chef „ignoriere Tatsachen“. Weselsky hatte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa den Vorwurf geäußert, der Staatskonzern transportiere „auf Teufel komm raus heiße Luft“ durch die Gegend, und die Forderung erhoben, im Interesse der Bahn-Beschäftigten das Angebot an Zügen auf die Hälfte zu reduzieren.

Der Bahn-Vorstand konterte umgehend: „Fakt ist, dass die DB überall in Deutschland mit einem stabilen Angebot – übrigens anders als andere – die Mobilität in Deutschland sichert. Auch in schweren Zeiten können somit Krankenpfleger, Ärzte, Polizisten und andere Helfer zur Arbeit kommen“, heißt es in einer Stellungnahme. Die ist schon insofern ungewöhnlich, als dass die Bahn normalerweise auf solche Forderungen überhaupt nicht reagieren würde.

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Dass es in den Zügen derzeit viel Platz gebe, gewährleiste auch die Gesundheit der Reisenden, die somit genügend Abstand zu anderen Fahrgästen halten könnten, erklärte der Staatskonzern. Die Deutsche Bahn fahre derzeit 75 bis 80 Prozent ihres sonst üblichen Angebots, habe somit die Zahl der Züge also ohnehin schon reduziert.

Was die Bahn nicht sagt: Faktisch fährt der Fernverkehr beinahe zu 100 Prozent – von einigen internationalen Verbindungen einmal abgesehen. Reduziert wurde das Angebot vor allem im Nahverkehr, das aber auf Wunsch der Bundesländer, die Regionalzüge und S-Bahnen auch bestellen und bezahlen.

Was die Bahn auch nur andeutet, aber nicht sagt: ICE und IC fahren deshalb ohne Einschränkungen, weil die Bundesregierung es so will. Es gibt eine klare Order in Berlin, den Deutschlandverkehr aufrechtzuerhalten, wenn schon Fluggesellschaften und Fernbusse den Betrieb weitgehend einstellen. Motto: Wir fahren immer, welche Folgen die Coronakrise auch immer haben mag. Ein politisches Statement in unruhigen Zeiten.

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